«Wir lecken immer noch unsere Wunden»: Beatrice Stirnimann über die Langzeitfolgen von Corona für die Baloise Session. (Bild: Dominik Plüss)
Basel

Beatrice Stirnimann nach erfolgreichem Festival: «Publikum hat gezeigt, dass es unseren Ansatz gut findet»

Die Baloise Session 2022 war ein voller Erfolg, die nächstjährige Ausgabe ist gesichert. Dennoch gibt sich CEO Beatrice Stirnimann im Interview nachdenklich.

Am Wochenende ging die Baloise Session 2022 zu Ende. Nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause war das Festival ein Vollerfolg und Wochen im Voraus ausverkauft. Und der Blick in die Zukunft dürfte CEO Beatrice Stirnimann zuversichtlich stimmen: Das Team ist komplett, der Presenting Sponsor bleibt an Bord. Euphorie will die Festivalleiterin dennoch nicht verbreiten – eher Dankbarkeit.

Telebasel: Frau Stirnimann, die Baloise Session 2022 ist Geschichte. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Beatrice Stirnimann: Ich bin sehr glücklich über den Publikumsaufmarsch. Das Festival war bereits dreieinhalb Wochen vor dem ersten Konzert restlos ausverkauft. Das hat es bei der Baloise Session noch nie gegeben. Nach der langen Pause wegen Corona war das eine sehr schöne Bestätigung für uns und mehr, als wir erwarten konnten.

Worauf führen Sie den Publikumsaufmarsch zurück? Auf den Hunger nach Kultur und Konzerten nach der langen pandemiebedingten Durststrecke?

Das spielt ganz sicher eine Rolle. Die Leute wollen wieder Konzerte besuchen – wie vor der Pandemie. Es war aber auch wichtig, dass wir in den zwei Jahren zuvor nie ganz weg waren vom Fenster. Wir waren für das Publikum und die Musiker da, in dem wir die Zeit mit zahlreichen Streaming-Konzerten überbrückten. Mit der Serie «Baloise Session @ home» brachten wir unser Festival einmal pro Monat in abgespeckter Form in die Stube. Die Streams waren gratis. Ich glaube, das hat das Publikum goutiert.

Andere Veranstalter kämpfen damit, dass das Publikum nach der Pandemie nicht zurückkehrt, obwohl es keine Restriktionen und Massnahmen mehr gibt. Die Zuschauerzahlen an Konzerten bleiben tief.

Ja, das liegt zum einen an einem massiven Überangebot, da alle Veranstalter am Nachholen ihrer Konzerte sind. Und man merkt, dass das Angebot in der Schweiz sowieso riesig ist. Zum anderen zeigt sich ein verändertes Verhalten in Bezug auf das Ausgehen. Seit Corona bleiben viele potenzielle Konzertgänger am Abend eher zuhause und machen mit Freunden ein Znacht, anstatt unter die Leute zu gehen. Ich glaube, es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis sich die Zuschauerzahlen wieder einpendeln.

Waren die Nachwehen der Pandemie bei der Planung der Baloise Session noch zu spüren?

Auf jeden Fall. Wir lecken immer noch unsere Wunden und sind einfach nur dankbar, dass es weitergehen kann. Während der Pandemie musste ich das Team um fünf Stellen reduzieren und neu zusammenstellen. Unterdessen konnte ich es wieder aufstocken, aber leider nicht ganz auf den Stand von vor Corona. Und beim Sponsoring hinterliess die Pandemie auch ihre Spuren. Gewisse Sponsoren waren stark von der Krise betroffen. Da konnten wir sie natürlich nicht zwingen, bei der Baloise Session am Ball zu bleiben. Wir konnten gewisse Sponsoren nicht mehr halten, was sich wiederum auf die Finanzen auswirkte. Und überhaupt war im ganzen Umfeld eine starke Verunsicherung zu spüren. Nicht nur Corona spielte da mit rein, sondern jetzt auch die Energiekrise und der Ukrainekrieg. Niemand weiss, worauf die Welt im Moment zusteuert. Wir sind aber überzeugt, die Sponsoren wieder an Bord holen zu können.

Der Presenting Sponsor, die Basler Versicherung, bleibt Ihnen aber erhalten.

Der Vertrag läuft noch eine gewisse Zeit. Wir sind also abgesichert und sehr dankbar dafür – wie auch für die Unterstützung während der Pandemie.

Wie steht es um den Deal mit dem Fernsehsender Arte?

In diesem Jahr übertrugen wir drei Abende live auf Arte. Der Deal ist enorm wichtig für unser Image. Wir wollen unser Festival in die Welt hinaustragen und bekommen durch die Fernseh-Ausstrahlungen auf Arte jedes Jahr eine grosse Öffentlichkeit. Dies ist für die bedeutenden Acts wiederum ein Argument, um trotz des vergleichsweise kleinen Rahmens bei uns aufzutreten.

Wird die Session 2023 im gleichen Rahmen über die Bühne gehen wie 2022?

Ja, das Publikum hat gezeigt, dass es unseren Ansatz noch immer gut findet. Wir fragen uns zwar immer wieder, ob wir mehr Konzerte machen oder die Warm-ups wieder einführen sollten. Am Ende ist aber klar: Nein, wir wollen als Festival nicht wachsen. Zum einen soll die Anzahl Konzerte nicht grösser werden, zum anderen wollen wir vor allem auch die Kapazität im Saal nicht ausbauen, um den Nimbus der intimen Konzerte nicht zu verlieren. Die Herausforderung besteht jetzt darin, für 2023 überhaupt fixe Zusagen von Künstlern zu bekommen. Im Moment ist im Tournee-Business wegen Corona immer noch alles durcheinander. Die nächsten zwei bis drei Ausgaben auf die Beine zu stellen, wird keine Selbstverständlichkeit sein.

3 Kommentare

  1. Gehörschutz hatten wir am Tisch und wurden auch überall angeboten. Und da die Lautstärke beim Mischpult aufgezeichnet und kontrolliert werden muss, bin ich überzeugt, dass es nicht zu laut war.
    Das Gekreische auf der Messe war viiiiieeeel lauter!Report

  2. Auch ich war an diesem Konzert, mir war es nicht zu laut.
    Ich denke das sowohl die Lautstärke wie auch das empfinden von Hall/Echo etwas sehr subjektives sind.
    Bestimmt wurden die gesetzlichen Grenzwerte in der Halle eingehalten, ob ein iPhone jetzt ein geeignetes Mittel zur Messung dafür ist sei mal dahingestellt.

    Übrigens standen beim Eingang zum Saal und auch im Saal selber Spender mit Gehörschutzpropfen.
    Für mich eigentlich nicht übersehbar…Report

  3. Ich mag der Baloise Session den Erfolg gönnen, ich war selber an einem der Konzerte (ZAZ) mit Elisa als Vorsängerin. ABER es war viel zu laut, zum Teil über 100 Db (iPhone hat den Pegel registriert), und das in einer geschlossenen Halle. Die Stimmen der beiden Sängerinnen waren mit viel Echo/Hall verstärkt, war eher ein Schreien als Singen. Ich bin frühzeitig gegangen und nicht nur ich .. Ein Angestellter sagte mir, dass am Donnerstag vor ZAZ es noch viel lauter war. Nun mein Gehör ist mir wichtiger und ich werde die Baloise Session sicher nicht mehr besuchen, geschweige denn weiterempfehlen. Ein Konzert sollte ein Genuss sein und nicht Stress. Und warum wurden kein Gehörschutz angeboten, ich habe jedenfalls nichts gesehen.Report

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