«Wir wollen nicht nach dem Giesskannenprinzip vorgehen»: Geschäftsleiter Alain Schnetz im Musikbüro Basel im Gundeli. (Bild: Marko Lehtinen)
Basel

«Übungsräume gehören nicht zu unserem Leistungsauftrag»

Das Musikbüro Basel erhält zusätzliche Fördergelder in der Höhe von zweimal 171'000 Franken. Geschäftsleiter Alain Schnetz sagt, was er damit vor hat.

Das Musikbüro Basel, ehemals Rockförderverein, hat von Basel-Stadt zu den bisher 415’000 Franken pro Jahr – und den jährlichen 220’000 Franken vom Kanton Baselland – je 171’000 Franken an zusätzlichen Fördergeldern für die Jahre 2022 und 2023 zugesprochen bekommen.

Telebasel: Alain Schnetz, was hat das Musikbüro mit dem zusätzlichen Geld des Kantons vor?

Alain Schnetz: Ein Grossteil des Geldes, nämlich 125’000 Franken, investieren wir in unser Förderformat Regio Sound Credit, das Musikschaffende aus der Region bei Studioprojekten und Tourneen direkt finanziell unterstützt. Das ist eine Verdoppelung des Budgets für dieses Format, was uns sehr freut. Der Rest fliesst in den sogenannten Business Support, geht also an Labels und Agenturen, die wiederum mit lokalen Bands zusammenarbeiten.

Bekommen Bands, die sich im Rahmen des Regio Sound Credit für einen Förderbeitrag bewerben, fortan höhere Summen? Also zum Beispiel 5’000 Franken anstatt der üblichen 3’000 Franken? Oder sollen einfach mehr Bands Beiträge erhalten?

Wir wollen nicht nach dem Giesskannenprinzip vorgehen. Bands können also davon ausgehen, dass sie künftig eher höhere Beiträge erhalten – so sie denn berücksichtigt werden. Das ist unser primäres Ziel. Bisher gibt es im Rahmen des Regio Sound Credit drei Ausschreibungen pro Jahr. Ob es künftig dennoch vier sein werden, können wir noch nicht sagen.

Sollte es am Ende zu häufigeren Ausschüttungen kommen, besteht dann nicht die Gefahr, dass immer wieder die gleichen Protagonisten Gelder erhalten? Derart gross ist die Basler Szene ja auch wieder nicht.

Diese Bedenken begleiten einen immer, wenn man Kulturförderung betreibt. Nur etwa 50 Prozent der Gesuche, die von unserer Jury für prüfenswert und gut befunden werden, erhalten überhaupt eine Unterstützung – weil wir eben nicht einer Unzahl von Bands im Giesskannenprinzip jeweils einen tiefen Betrag geben wollen. Ich muss dennoch klar sagen: Es sind nicht immer die gleichen. Und die Höhe der gesprochenen Gelder entspricht übrigens in keiner Weise der Höhe des effektiven finanziellen Aufwands, den die Bands in der jeweiligen Situation haben. Sie bekommen nur einen Bruchteil der Gelder, die sie eigentlich bräuchten.

Schliesst der Regio Sound Credit die regionalen Nachwuchs-Bands und Newcomer nach wie vor aus?

Ja, das Format richtet sich an Bands, die bereits ein gewisses Level an Professionalität und Erfahrung haben. Für den Nachwuchs haben wir andere Formate. Da beginnen wir mit unserer Reihe «Musikbüro macht Schule» bereits bei den Schulkindern. Oder wir haben die Soundclinic, die sich explizit an Newcomer richtet. Grundsätzlich sieht unser Leistungsauftrag ganz klar vor, dass ein Grossteil der finanziellen Mittel in die Förderung des professionellen Musikschaffens fliessen soll.

Wäre es nicht sinnvoll, mehr Geld in die Bereitstellung von Infrastruktur zu investieren anstatt in Förderformate im Wettbewerb-Prinzip? Günstige Bandbusse und Übungsräume für die regionalen Bands sind ja Themen, denen sich das Musikbüro ebenfalls verschrieben hat. Passiert ist in diesen Bereichen in all den Jahren aber eher wenig Greifbares: Es gibt einen Bus, der für Mitglieder erschwinglich ist – respektive einen Deal mit einem Busvermieter. Ausserdem betreibt das Musikbüro Lobbying für gute Übungsräume, will sich aber nicht als Verwalter von solchen Räumen exponieren, also direkt Übungsräume vermieten.

Wir lobbyieren tatsächlich stark, wenn es um Übungsräume geht. Das Musikbüro steht diesbezüglich im engen Kontakt zur Basler Regierung und hat Einsitz in der Stiftung der Kuppel, wo in anderthalb Jahren neue Proberäume entstehen sollen. Wir unternehmen alles, damit es in Basel genug bezahlbare Übungsräume hat. Wir sehen den Auftrag aber ganz klar bei der Politik, in unserer Stadt Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Proberäume gebaut und professionell genutzt werden können. Unser Leistungsauftrag sieht schlicht nicht vor, dass wir selber solche Räume verwalten und vermieten.

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