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Der Telebasel Talk vom 8. November 2022.
Basel

Wollen Sie den Lehrberuf abwerten, Herr Schäfer?

Mit einer Vorstossoffensive will die Basler FDP das Schulsystem verbessern. Doch die vermeintlichen Verbesserungen werden von Lehrpersonen kritisiert.

«Bildung ist die Grundlage für Leben und Beruf», schreibt die FDP nach den Sommerferien in einer Medienmitteilung. Auf diese Zeile folgt eine Reihe an Forderungen, die Mängel im Basler Schulsystem beheben sollen. Gleich mehrere Vorstösse haben die Freisinnigen im Grossen Rat eingereicht. Lehrpersonen jedoch widersprechen. Die Richtung stimme, aber der Weg sei falsch, sagt der Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt Jean-Michel Héritier gegenüber Prime News. Auch gegenüber Telebasel äussern Lehrpersonen Kritik. Ab kommendem Mittwoch, entweder am 9. oder dann am 16. November, werden die Vorstösse im Grossen Rat debattiert.

Mindestpensen für Lehrkräfte

Um den Lehrermangel zu beheben und Kontinuität im Schulalltag zu schaffen, schlägt die FDP ein Mindestpensum von 50 % für Lehrpersonen vor. Analog zum erfolgreichen Genfer Modell solle ein solches auch in Basel geprüft werden. Eine Forderung, mit der sich die Partei in die Nesseln setzt.

Laut Jean-Michel Héritier würden Mindestpensen das Problem keineswegs lösen sondern gar verschärfen. Gegenüber Telebasel erklärt er, dass potenzielle Lehrpersonen mit einem solchen Zwang abgeschreckt oder verscheucht würden.

Auch Basta-Grossrätin Beatrice Messerli hält nichts von Mindestpensen. «Sie widersprechen unserem Grundsatz der Vereinbarkeit von Familie und Beruf», so die ehemalige Lehrerin. Es gäbe viele Schulhäuser, die Kleinstpensen begrüssen, um gewissen Stunden abzudecken. Den Lehrermangel beheben könne man vielmehr mit besseren Arbeitsbedingungen und Löhnen.

Berufslehre für Lehrpersonen

Ebenfalls ein Dorn im Auge ist der FDP die «starke Akademisierung» der Ausbildung von Lehrpersonen. Wer heute PrimarlehrerIn werden will, muss die Matur machen und an der Pädagogischen Hochschule studieren. Dieser bestehende Ausbildungsweg erschwere den Zugang zum Beruf und führe zu geringer Praxiserfahrung bei Stellenantritt, argumentiert die Partei. Darum fordert sie in einem weiteren Vorstoss die Einführung einer «praxisnahen vierjährigen Berufsschule». Wer diese Berufslehrer absolviert, solle zumindest auf den unteren Primarschulstufen unterrichten können.

Auch diese Idee sehen Lehrpersonen kritisch. Sie entspreche einem völlig neuen System und könnte eine Abwertung des Lehrerberufes bedeuten, sagt Héritier gegenüber Prime News.

Integrative Schule am Anschlag

Seit 2011 setzt der Kanton Basel-Stadt auf die integrative Schule. Kinder mit besonderen Bedürfnissen, die früher in einer Kleinklasse, Sonderschule oder anderen Spezialangeboten unterrichtet wurden, gehen heute wenn möglich mit allen anderen Kindern zur Schule. Was schön klingt, funktioniere in der Praxis nicht und bringe LehrerInnen an ihre Belastungsgrenze, beanstandet eine Gruppe von Lehrpersonen. In einer Initiative fordern sie die Wiedereinführung der Förderklassen und sammeln in nur fünf Monaten 3800 Unterschriften.

Die integrative Schule am Anschlag sieht auch die FDP. Geht es nach der Partei, sind sogenannte Einführungsklassen die Lösung. Sie orientiert sich dabei am Beispiel von Riehen. Die Gemeinde habe gute Erfahrungen mit Einführungsklassen gemacht, in denen noch nicht schulreife Kinder die erste Klasse über einen Zeitraum von zwei Jahren absolvieren. Dadurch werde der Rahmen geschaffen, Entwicklungsverzögerungen auszugleichen, bevor die Kinder in die zweiten Regelklassen übertreten, was einen ruhigeren und besseren Unterricht ermögliche, schreibt die FDP. 

Sind diese und weitere Forderungen wirklich der richtige Weg um die Mängel im Basler Schulsystem zu beheben?

Im Talk am Dienstag, 8. November 2022, 18.45 Uhr: Elias Schäfer, Vize-Präsident der FDP Basel-Stadt.

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