Trotz neuer Zunftordnung blieb die Zahl der weiblichen Zunftmitglieder bisher gleich. (Archivbild: Keystone)
Basel

Zahl der Frauen in Zünften nimmt nicht zu

Seit Anfang Jahr gelten für Frauen gleiche Aufnahmekriterien wie für Männer, wenn sie einer Zunft beitreten wollen. Viel verändert hat sich seither aber nicht.

Die Basler Zünfte und Ehrengesellschaften haben seit der Änderung der Zunftordnung keine Aufnahmegesuche von Frauen erhalten. Dies bestätigen sämtliche Zunftmeister gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Seit Anfang Jahr sind Frauen bei den Aufnahmekriterien gleichgestellt.

Frauen sind weiterhin nur in der Zunft zu Schneidern, in der Zunft zu Gartnern und in der Akademischen Zunft präsent. Diese drei haben schon lange vor der neuen Zunftordnung Frauen aufgenommen. Die übrigen 17 Basler Zünfte bestehen ausschliesslich aus Männern. Die aktualisierte Zunftordnung, die am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist, hatte bis jetzt keinen Einfluss darauf.

Auch beim Kleinbasler Traditionsanlass «Vogel Gryff» wird man bis auf Weiteres keine Frauen mit Hut und Kokarde sehen. Bei den drei Ehrengesellschaften zum Rebhaus, zum Hären und zum Greifen sind seit Januar keine Gesuche von Frauen bekannt, wie deren Mediensprecher Stefan Ospel bestätigt.

«Würden es ihnen nicht verwehren»

Martin Völlmy, Meister der Zunft zu Spinnwettern, hat in seinen zwölf Jahren als Meister noch keine Anfragen von Frauen gesehen. Unmöglich sei das aber nicht. «Wir würden ihnen das nicht verwehren», sagt Völlmy. Es gebe aber zurzeit wohl kein Bedürfnis. Die Spinnwettern ist eine der wenigen, die noch einen zünftigen Beruf verlangt, in diesem Fall aus der Baubranche. Daher betreibe seine Zunft auch nicht aktiv Werbung.

Ähnlich sieht es bei der Schmiedenzunft aus. Dort braucht es einen Lehrabschluss in einem metallverarbeitenden Beruf, was die Auswahl möglicher Kandidatinnen und Kandidaten schon mal kleiner macht.

Keine Veränderung lässt sich auch bei den Aufnahmegesuchen von Männern ausmachen. Während bei der Zunft zum Schlüssel dieses Jahr gar keine Gesuche eingingen, konnte die Zunft zu Gerbern fünf neue Zunftbrüder aufnehmen.

Die Zunft zu Safran erhielt dieses Jahr vier Gesuche, während es im Vorjahr noch zwölf waren. «Diese Zahl variiert von Jahr zu Jahr beträchtlich», sagt Oscar Olano, Meister der Zunft zu Safran. Auswirkungen hatte teilweise die Pandemie. So hatte die Zunft zu Hausgenossen dieses Jahr drei Aufnahmegesuche. Da letztes Jahr aufgrund der Corona-Pandemie das Zunftessen ausfiel, gab es im 2021 gar keine, wie Meister Lukas Faesch sagt.

«Zunftmitglied» statt «Zunftbruder»

Ebenfalls an die Zunftordnung gebunden ist die Bürgerkorporation Kleinhüningen. Wie deren Meister Rolf Heidolf sagt, sind auch dort keine Beitrittswünsche von Frauen bekannt. Das Reglement über die Organisation der Zünfte gilt auch für die fünf Basler Vorstadtgesellschaften. Diese bestehen aber nur aus einem Vorstand. «Man kann gar nicht als Mitglied aufgenommen werden – daher bekommen wir auch keine Anfragen», sagt Christoph Nertz, Meister der Vorstadtgesellschaft zur Mägd. Die sieben Vorstandsmitglieder erneuern sich jeweils durch Kooptation. Der Vorstand besteht aus Männern, doch es sei nicht auszuschliessen, dass sich das auch einmal ändern könnte. «Ich wüsste nicht, mit welchem Grund man nicht eine Frau aufnehmen dürfte oder sollte», sagt Nertz.

Die geänderte Zunftordnung besagt, dass «jede wohlbeleumdete Person» ab 18 Jahren mit Basler Bürgerrecht aufgenommen werden kann. In der alten Version war noch explizit von Männern die Rede. Aus «Zunftbrüdern» wurden im neuen Reglement «Zunftmitglieder». Nebst dem Meister wird auch die «Meisterin» aufgeführt. Die vorherige Zunftordnung von 1990 hielt noch fest, dass eine Zunft durch Beschluss der Zunftversammlung Frauen und Männer gleichstellen kann. Mit dieser «Kann-Formulierung» oblag der Entscheid also noch den Zünften selbst.

Die Zunft zu Schneidern öffnete sich daraufhin bereits im Jahr 2002 als erste Korporation. Aktuell sind 11 von 92 Mitglieder Frauen. Die Zahl sei in den letzten Jahren gestiegen, sagt Meister René Kontic. Die Zunft zu Gartnern und die Akademische Zunft folgten im Jahr 2008 mit der Aufnahme von Frauen. Bei den Gartnern sind aktuell 19 von 125 Mitgliedern Frauen.

Sämtliche 29 Korporationen unterstehen der Aufsicht der Basler Bürgergemeinde. Der Bürgerrat gab vor zwei Jahren ein Rechtsgutachten in Auftrag. Dieses kam zum Schluss, dass Männer und Frauen in Zünften formal gleichgestellt sein sollen. Daraufhin wurde die Zunftordnung letztes Jahr geändert.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Räppli, nicht jeder Zeitungsartikel weist ein Problem auf. Das ist m.E. ein einfacher Zwischenbericht, welches wiederum darauf hinweist, dass das Wettern auf Gleichstellung nur so lange andauert, bis Regeln hierzu angepasst werden. Danach fliegt die «Heuschrekenplage» weiter und findet ein neues Ziel. Zurück bleiben in diesem Fall die Zünfte, angepasst an die Moderne – nur interessieren sich dafür herzlich wenig der nun endlich Gleichgestellten.Report

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