Abfall schwimmt im Roten Meer vor der Küste des ägyptischen Ferienorts Naama Bay. (Bild: Keystone)
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Korallen vor Küste Ägyptens trotzen der Wärme

Das Meer wird wärmer, wodurch ganze Korallenriffe zerstört werden. Doch es gibt Hoffnung: die Korallen im nördlichen Roten Meer bestehen den «Wärmestress-Test».

Entlang der Küste Ägyptens gibt es ein Korallenriff, das farbenfroh und noch weitgehend intakt ist. Nach Angaben von Wissenschaftlern könnte es in einigen Jahren als weltweit einziges intaktes Korallenriff übrig bleiben – dank eines Klimagedächtnisses seiner Korallen.

«Wir haben fundierte Belege, dass dieses Korallenriff der Menschheit die Hoffnung bewahrt, ein Korallen-Ökosystem zu erhalten», sagt Mahmud Hanafy, Experte für marine Lebensräume von der Suezkanal-Universität. Denn die Korallen vor Ägyptens Küste im Roten Meer seien «sehr tolerant gegenüber der Erwärmung des Wassers».

Allein in den Jahren 2009 bis 2018 wurden 14 Prozent der weltweiten Korallenriffe durch den Klimawandel zerstört. Das Riff im Roten Meer macht fünf Prozent der weltweiten Korallenvorkommen aus. Mehr als die Erderwärmung machen ihm andere Bedrohungen durch den Menschen zu schaffen: Massentourismus und Überfischung.

Ägypten ist Gastgeberland der Uno-Klimakonferenz. Diese startet am Sonntag, 6. November in Scharm el Scheich. Dort soll die vielerorts zu beobachtende Korallenbleiche als eine der vielen Folgen der Erderwärmung beraten werden.

Über 500 Millionen Menschen von Korallen abhängig

Korallen bedecken nur 0,2 Prozent der weltweiten Meeresgründe. Dennoch beherbergen sie mindesten ein Viertel der marinen Pflanzen- und Tierarten. Mehr als 500 Millionen Menschen sind abhängig von den Korallen: Weil sie Fischern ihren Lebensunterhalt sichern, Touristen anlocken und Küstengebiete vor Erosion schützen.

Der Weltklimarat (IPCC) warnt, wenn die Erderwärmung voranschreite, gebe es bis zum Jahrhundertende zumindest in den flacheren Gewässern keine Korallen mehr. Selbst wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 eingehalten wird, die Erderwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, dürfte der grösste Teil der weltweiten Korallenbestände wegen der zunehmenden Hitzewellen in den Weltmeeren nicht überleben.

Allein diesen Sommer waren 91 Prozent des Great Barrier Reef vor Australien wegen einer solchen Hitzewelle von der Korallenbleiche betroffen. Ausgebleichte Korallen können sich je nach Schwere der Schäden wieder erholen. Immer wieder eintretende Hitzewellen überstehen sie aber nicht.

Biologisches Gedächtnis

In Ägypten scheinen die Korallen dieser Regel zu trotzen. Der Grund: «Ein biologisches Gedächtnis, das sich im Zuge der Evolution entwickelt hat», sagt Eslam Osman von der König-Abdullah-Universität in Ägyptens Nachbarland Saudi-Arabien.

Mit anderen Forschern hat Osman herausgefunden, dass die Korallenlarven am Ende der letzten Eiszeit vor 12’000 Jahren aus dem Indischen Ozean über den Golf von Aden ins Rote Meer gelangten. Dabei mussten sie «sehr warme Gewässer» passieren, die wie ein Filter gewirkt hätten. Nur Korallenlarven, die bis zu 32 Grad warmes Wasser überlebten, gelangten ins Rote Meer.

In den wärmeren Gewässern des Roten Meeres vor der Küste des Sudan gab es bereits Korallenbleichen durch marine Hitzewellen. Weiter nördlich vor Ägyptens Küste könnten die Korallen aber einen «Temperaturanstieg um ein, zwei oder sogar drei Grad tolerieren», sagt Osman.

Schutzzone gefordert

Gerade weil die Korallen im Roten Meer widerstandsfähiger sind als andernorts, müssten sie aber gegen andere Gefahren geschützt werden, fordert Hanafy. Das ägyptische Umweltministerium müsse das gesamte 400 Quadratkilometer grosse Korallenriff unter Schutz stellen. Das würde bedeuten, sowohl das Fischen als auch die Tauchgänge am Riff einzuschränken und damit auch die Verschmutzung der Gewässer rundum.

Auch Osman sieht in Ägyptens Korallen einen kostbaren Schatz und mahnt: «Man muss den Norden des Roten Meeres absolut als eine der letzten Schutzzonen für Korallen erhalten, denn dieses Gebiet könnte als Brutstätte für Regenerationsprojekte in der Zukunft dienen.»

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