Jan Delay ist gut gelaunt vor dem Auftritt an der Baloise Session. (Bild: Telebasel)
Basel

Jan Delay: «Mir ist vom Zugucken schlecht geworden»

Jan Delay trat am Donnerstag an der Baloise Session auf. Zuvor sprach der Hamburger mit Telebasel über die Herbstmesse, kleine Club-Auftritte und sein Outfit.

Jan Delay & Disko No. 1 rockten am Donnerstagabend die Bühne der Baloise Session. Zu den bekanntesten Hits des 46-Jährigen gehören «Oh Jonny» und «Klar». Bekanntheit erlangte der deutsche Musiker in den 90er-Jahren als Sänger und Rapper der Hamburger Hip-Hop-Gruppe Beginner («Liebes Lied», «Fäule», «Ahnma»).  Telebasel traf Jan Delay in Basel zum Interview.

Jan, Du warst ja schon vor elf Jahren hier, fühlt es sich ein wenig wie ein Nachhausekommen an?

Jan Delay: Ein bisschen schon. Allerdings meine ich, dass es eine andere Location war. Es war kleiner irgendwie. Das ist jetzt alles schon ein bisschen grösser als letztes Mal. Ich weiss noch, der Backstage-Bereich war damals ein bisschen gedrungener. Da haben wir mit Beverley Knight gespielt.

Damals war auch Herbstmesse. Hast Du schon einen Bummel über die Messe gemacht?

Nee, ich habe dieses komische Ding gesehen, das sich dreht. So ein «Hammer», an dem was dran ist, und das dreht sich dabei auch noch um sich selbst (lacht). Mir ist vom Zugucken schlecht geworden. Da hab ich gesagt: «Okay, ciao!» Ich kann sowas niemals machen.

Fünf Entweder-Oder-Fragen an Jan Delay:

(Video: Telebasel)

Du spielst häufig auf Festivals vor 50’000 Leuten, die wild gehen. Jetzt spielst Du hier in einem bestuhlten Saal. Wie ist das?

(lacht) Ach, ich nehme das immer mit Humor. Jeder, der mich und die Disko No. 1 kennt, weiss, dass unsere Show nichts für Stühle und Tische ist – höchstens um auf den Tischen zu tanzen und die Stühle kurz und klein zu hauen. Sollte es mal vorkommen, dass wir irgendwo spielen, wo es Tische und Stühle hat wie hier und die Leute sowieso nicht nach dem ersten Song schon aufgestanden sind und tanzen, fordere ich sie spätestens beim zweiten Song dazu auf. Meistens geht das von selbst. Die Mucke, die wir machen, ist einfach nichts zum Sitzenbleiben. Jede 90-Jährige würde aufstehen und dancen.

Ist es auch deine Erwartungshaltung, dass ein wenig Mobiliar in die Brüche geht?

Nee, meine Erwartungshaltung ist aber schon, dass die Leuten raven und dancen und dass man aufsteht. Und es ist wirklich Arbeit, dafür zu sorgen, dass du alle im Sack hast. Vor allem bei sowas wie hier. Das ist ja kein Jan-Delay-Konzert, wo sich alle eine Karte gekauft haben, um nur Jan Delay zu sehen. Das ist hier Baloise Session, Zoe Wees ist hier. Das ist viel mehr Mischmasch. Oder auch auf Festivals. Da muss man halt arbeiten, damit man sie alle kriegt. Und das ist eigentlich ein sehr geiles Ding – das macht Spass.

Wie wichtig ist dir das Feedback des Publikums?

Dieses Feedback ist unser Benzin. Wir sind wie ein Hybrid: Wir haben immer noch unseren kleinen Tank, wenn gar nichts geht, haben wir einfach Spass an der Sache. Und dann spielen wir halt nur für uns. Aber das ist, glaube ich, noch nie vorgekommen. Sollte das mal passieren, haben wir immer noch uns. Das ist unser kleiner, 50-Kilometer-Reichweite-Reservetank. Und der grosse Tank muss gefüllt werden mit Liebe und Beifall und spontanen Moshpits und spontanen Stage Dive-Aktionen. Ohne, dass wir was von denen zurückkriegen, können wir auch nicht noch einen draufsetzen. Aber wir kriegen auch nichts zurück, wenn wir nichts geben. Man wirft sich quasi den Ball hin und her. Und es wird immer krasser und es baut sich was auf. Das passiert sowohl in einem kleinen 200er-Club als auch auf einer riesigen Festival-Bühne.

Das letzte Mal, als Du in Basel warst, war das mit den Beginnern. Stehst Du jetzt mehr im Zentrum und musst mehr machen? 

Jein. Als wir mit den Beginnern wieder losgelegt haben vor sechs Jahren, merkte ich schon: Krass, wie geil entspannt das für mich ist. Mit Turnschuhen auf einmal. Früher habe ich immer gesagt: Wenn ich Anzug anhabe, kann ich keine Turnschuhe tragen. Der Unterschied ist sehr krass, ob du mit Turnschuhen solch eine Show machst oder mit Ledersohlen. Ich habe einfach gemerkt, ich bin nicht die ganze Zeit im Fokus und ich muss nicht die ganze Zeit durchrappen und durchsingen. Ich habe immer Dennis dabei. Wenn ich nicht mehr kann, gucke ich ihn an und er übernimmt. Oder wir haben sowieso so Hin-und-Her-Dinger die ganze Zeit und das ist so viel entspannter, auch für meine Stimme. Wenn ich als Jan Delay auf Tour bin, muss ich echt immer aufpassen und Übungen machen. So nach fünf, sechs Tagen geht die Stimme langsam in den Arsch. Es ist ganz wichtig, dass ich einen Off-Day habe, Ruhephasen. Dann geht es wieder los.

Bei den Beginnern kann ich auch zehn Tage am Stück durchmachen. Das ist völlig egal. Jetzt habe ich umgekehrt eine geile Band, mit der ich alles spontan verlängern oder verkürzen, verdoppeln kann, hier was rausschmeissen, da was reinholen. Das geht bei den Beginnern dafür nicht. Hip-Hop sollte doch eigentlich so Freestyle sein, aber wenn man professionellen Hip Hop macht?

Wie sieht Dein Tag nach dem Konzert in Basel aus? Machst Du noch einen Bummel über die Messe?

Das war unser letztes offizielles Konzert dieses Jahr. Wir haben noch eines in Düsseldorf, aber das ist nicht für die Öffentlichkeit. Jetzt lege ich in Frankfurt auf. Und von Frankfurt fahre ich dann weiter nach Düsseldorf und da lege ich auf. Da sind nächste Woche die MTV Europe Music Awards.

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