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Ralph Mohler ist seit 2008 auf Sozialhilfe angewiesen. (Bild: Screenshot Telebasel)
Baselland

«Wer geht schon gerne betteln?»

Ralph Mohler ist auf Sozialhilfe angewiesen. Der Läufelfinger weiss, wie schwierig der Gang zum Amt ist – rät es im Ernstfall trotzdem.

Im Kanton Baselland sind rund 16’000 Menschen arm. Dies entspricht 6,1 Prozent der Bevölkerung. Rund 3’000 arme Menschen respektive 37,6 Prozent beziehen keine Sozialhilfeleistungen, obwohl sie Anspruch darauf hätten. Dies geht aus dem ersten von der Regierung in Auftrag gegebenen Armutsmonitoring hervor.

Etwas, was Ralph Mohler nicht versteht. Der Gang zur Sozialhilfe sei nun einmal irgendwann unumgänglich. «Ich kann ja das Geld nicht stehlen», sagt der Läufelfinger. Daher rät er Betroffenen: «Ihr könnt ja nicht zu Hause sitzen und einfach nichts machen. Für das ist die Sozialhilfe ja da.»

«Fauler Typ»

Der erste Gang zum Sozialamt ist «nicht einfach», weiss er. Gerade in kleinen Gemeinden, wie im Baselbiet, würde man sich kennen. Er lebt bereits 25 Jahre in Läufelfingen, dem 1’300-Seelen-Dorf – der Beamte am Schalter der Gemeinde ist ein bekanntes Gesicht.

Auch er sei mit Sprüchen konfrontiert worden. «‹Fauler Typ, gehst nicht mehr arbeiten.› Dabei würden sie ja die Hintergründe gar nicht kennen», wehrt sich Mohler.

Und plötzlich in der Sozialhilfe

«Ich habe über 30 Jahre gearbeitet», so Mohler. Dann: Arbeitslos, von der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert und das Eigenkapital aufgebraucht. «Ich habe etwa ein Jahr ohne Sozialhilfe gelebt. Dann blieb mir nichts anderes übrig.» Seine Eigentumswohnung musste er verkaufen. Als Sozialhilfeempfänger dürfe man keinen Eigentum mehr besitzen, erklärt er.

«Wer geht schon gerne betteln?» Denn Sozialhilfe beziehen, sei für ihn wie betteln bei der Gemeinde. Trotzdem: Seit 2008 ist Mohler auf Sozialhilfe angewiesen. Hie und da kann er mit kleinen Jobs selber einen Batzen verdienen.

Mohler will informieren

Mittlerweile würden ihn abschätzige Kommentare nicht mehr interessieren: «Die gehen in ein Ohr hinein und beim anderen gleich wieder raus». Anders sei das gar nicht möglich.

Schon seit längerem ist ihm als Betroffener die Aufklärung wichtig. Darum stellt er sich auch vor die Kamera und spricht offen über das Tabuthema. Denn, wer Sozialhilfe wirklich brauche, müsse sich nicht dafür schämen.

1 Kommentar

  1. Sorry, dass verstehe ich nicht. Wenn man es zugute hat holt man sich das nötige Geld. Ansonsten bitte nicht jammern! Falscher Stolz sollte man therapieren ! Da habe ich weder Verständnis noch Mitleid!Report

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