Ein Blick auf das Wüstenschutzgebiet Wadi Rum in Jordanien. (Symbolbild: Keystone)
International

Forschende katalogisieren erstmals die globale Vielfalt der Lebensräume

Die Zerstörung verschiedenster Lebensräume ist ein relevantes Thema. Ein Forscherteam hat nun erstmals deren Vielfalt klassifiziert.

Von Wüsten, Savannen und tropischen Regenwälder über den Tiefseebereich und Korallenriffe bis hin zu alpinen Wiesen, Gletschern oder Grundwasser-Ökosystemen – die Erde besitzt eine überwältigende Vielfalt an Lebensräumen. Doch diese sind gefährdet: Intensive Landnutzung, Verbauung, Klimawandel und übermässige Düngung entfalten zunehmend ihrer zerstörerische Wirkung.

Um intakte Natur und Artenvielfalt zu schützen, muss man sie erst genau kennen. Ein grosses internationales Forscherteam hat nun erstmals die globale Vielfalt der Lebensräume klassifiziert.

Grundlage für besseren Schutz von Lebensräumen

Mit diesem Katalog will das Team eine Grundlage für den besseren Schutz von Lebensräumen schaffen, wie sie im Fachjournal «Nature» berichten. «Lebensräume sind das ökologische Rückgrat einer intakten Natur», erklärte Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Allerdings gibt es noch ein Wissensdefizit darüber, wie sehr die verschiedenen Lebensräume gefährdet sind. «Hauptgrund dafür ist, dass es immens schwierig ist, die gesamte Vielfalt der weltweit vorkommenden Lebensräume von der Tiefsee bis zu den höchsten Gipfeln einheitlich zu beschreiben», so Essl. Daher fehlte bisher auch ein umfassendes, wissenschaftliches Klassifizierungssystem dafür.

Katalog mit zehn «Reichen»

Ein mehr als 100 Forschende umfassendes internationales Team um David Keith von der University of New South Wales (Australien) hat sich dieser Mammutaufgabe angenommen und in mehrjähriger Arbeit einen Katalog der Lebensräume vorgelegt. In einer hierarchischen Gliederung werden diese anhand der wichtigsten Merkmale und Prozesse beschrieben und gegeneinander abgegrenzt.

«Moore etwa zeichnen sich durch einen extrem hohen Grundwasserstand, Nährstoffarmut und dem daraus resultierenden Fehlen von Bäumen aus», gibt Essl ein Beispiel für die Merkmale zur Beschreibung des Lebensraums Moor.

So entstand ein Katalog mit zehn «Reichen» (z.B. Süsswasser, Terrestrisch, etc.), 25 «Ökosystemen» (z.B. Seen, Küsten, Tropische und subtropische Wälder, etc.) und «funktionellen Gruppen des Ökosystems» (z.B. Gezeitenwälder, tropische alpine Wiesen, unterirdische Seen und Flüsse, etc.). «Dieser typologische Überbau ist konsistent und vergleichbar, eine feinere Ausarbeitung der Typologie kann dann auf regionaler Ebene – etwa national – erfolgen, etwa für Schutzmassnahmen», sagte Essl der Nachrichtenagentur APA.

Grundlage für Schutz von Lebensräumen

Der Sinn einer solchen Typologie erschliesst sich im Vergleich mit dem Artenschutz: So wie man eine Art überhaupt erst kennen muss, um ihren Gefährdungsstatus einzuschätzen, muss man auch einen bestimmten Lebensraum identifizieren können, um seinen Zustand abzuschätzen und Schutzmassnahmen zu ergreifen. So ermöglicht die Klassifizierung, erstmals eine globale Rote Liste von Lebensräumen zu erstellen.

Für Essl und sein Team ist der neue Katalog eine wesentliche Grundlage für den besseren Schutz von Lebensräumen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verweisen in diesem Zusammenhang auf die politische Diskussion, den Anteil der Schutzgebiete auf 30 Prozent der Landesfläche bis 2030 auszuweiten, um der Biodiversitätskrise Einhalt zu gebieten. Damit neue Schutzgebiete wirken, sei es nötig zu wissen, wo besonders gefährdete Lebensräume überhaupt noch vorkommen.

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