Kugel statt Kapsel – Die Migros revolutioniert den Kaffeesystem-Markt. (Bild: Migros)
Schweiz

Migros schiesst mit Kugeln gegen Kapseln

Die Migros bringt mit CoffeeB ein weltweit neues Kaffeekapsel-System auf den Markt. Es kommt gänzlich ohne Kapseln aus Plastik oder Aluminium aus.

Die Kugeln bestünden aus gepresstem Kaffee, der von einer Schutzschicht ummantelt werde, die vollständig kompostierbar sei, teilte der «Orange Riese» am Dienstag vor den Medien in Zürich mit. Damit lüftete der Detailhandelsriese den Schleier über der «grössten Produktinnovation in der Geschichte der Migros», wie im Vorfeld versprochen wurde.

Die Ankündigung hatte die Gerüchteküche zum Brodeln gebracht. Und entsprechend hat die Migros am Starttag die Werbetrommel gerührt: Vor der Konzernzentrale am Zürcher Limmatplatz machte eine mannshohe Kaffeekugel Werbung für das neue System.

Kampfansage an Nespresso

Gleichzeitig gab die Migros eine Kampfansage an die Kaffeekapsel-Konkurrenz wie Nespresso und Co. durch: Die Innovation «verspricht, die Kaffeeindustrie radikal zu verändern». Fünf Jahre habe es von der Idee bis zur Lancierung gedauert, wobei es auch zahlreiche Misserfolge gegeben habe, erklärte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen im Communiqué.

Insgesamt habe die Migros einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag investiert, sagte CoffeeB-Verantwortlicher Frank Wilde vor den Medien. Die Migros wolle das System nun im Land verbreiten, sagte Zumbrunnen. Prognosen zur Grösse des Geschäfts wollte der Migros-Chef nicht abgeben: «Wir wollen einen guten Marktanteil erreichen.»

Jetzt warte man gespannt auf die Reaktion der Konsumenten. «Wir müssen vielleicht auch einen langen Atem haben. Aber wir versprechen uns Erfolg», sagte Zumbrunnen. Denn bei Kundenbefragungen werde die Abfallproblematik bei herkömmlichen Kaffeekapseln immer stärker herausgestrichen.

Beerdigung auf dem Kompost statt auf dem Müll

«Durch den Wegfall der Aluminium- oder Plastikkapseln können enorme Abfallmassen vermieden werden», schrieb die Migros. Weltweit würden Kaffeekapseln einen Abfallberg von rund 100’000 Tonnen pro Jahr verursachen. Auch wenn die Kapseln aus Alu oder Plastik zum Teil rezyklierbar seien, «so landet ein Grossteil davon dennoch im Müll», hiess es. Der Abfallberg sei schwerer als der Eiffelturm, sagte Zumbrunnen.

Die von der Migros-Tochter entwickelte Schutzschicht aus Algenmaterial verleihe der Kaffeekugel nicht nur Stabilität, sondern schütze auch vor Aromaverlust, weil sie komplett undurchlässig für Sauerstoff sei. Das sei bei Papierkapseln nicht der Fall, sagte Lebensmitteltechnologin Caroline Siefarth.

Die neuen Kaffeekugeln könnten vollständig im Garten kompostiert werden, hiess es. Innerhalb von wenigen Wochen zersetze sich die Kaffeekugel zu Humus. Das sei der Unterschied zu den bisherigen rezyklierbaren Kaffeekapseln, die nur von der Industrie rezykliert werden könnten, sagte Wilde.

Neue Kaffeemaschinen

Neben den Kugeln bringt die Migros auch noch die passenden Kaffeemaschinen dazu auf den Markt. Auch diese bestünden zu einem grossen Teil aus rezyklierten Materialien, hiess es.

Ferner sei das ganze System und alle Kaffeesorten zu 100 Prozent CO2-kompensiert. Die Kaffeebohnen kämen aus nachhaltigem Anbau und seien, je nach Aroma, entweder Rainforest Alliance oder Bio und Fairtrade zertifiziert. Sämtliche Verpackungen seien rezyklierbar.

Expansion in Europa

Der Verkauf von CoffeeB starte am (heutigen) Dienstag in der Schweiz und in Frankreich. «Deutschland folgt im Frühling 2023. Weitere Märkte sind in Planung», hiess es.

Das Potential sei riesig. Alleine in der Schweiz würden jährlich 4 Milliarden Tassen Kaffee getrunken, sagte Wilde. 60 Prozent der Haushalte hätten eine Portionenkaffeemaschine. Der portionierte Kaffee mache zwei Drittel des Umsatzes auf dem hiesigen Kaffeemarkt von Privatkunden aus.

Der Migros-Konzern habe dabei einen «signifikanten Marktanteil», sagte Wilde, ohne ihn genau zu beziffern: «Wir sind einer der grössten Kapselproduzenten der Schweiz.»

Der CoffeeB-Verantwortliche rief die Kunden aber dazu auf, nicht sofort ihre noch funktionierende Kaffeemaschine auszuwechseln. Das wäre nicht nachhaltig, sagte Wilde: «Bitte behalten Sie Ihre bisherige Maschine! Erst wenn die kaputt geht, kaufen Sie eine neue!»

Im Schnitt würden die Schweizer Haushalte alle vier bis fünf Jahre ihre Kaffeemaschine austauschen. Der Wechsel vom bisherigen Kapsel- zum Kugelsystem werde deshalb nicht über Nacht passieren, sagte Wilde.

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