Auf grünem Wasserstoff liegen grosse Hoffnungen als Energieträger. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Ist grüner Wasserstoff das Erdgas von morgen?

Mit grünem Wasserstoff will die Schweiz unabhängiger von Russland werden, die Versorgung sichern und die Umwelt schonen. Doch wie viel Potential hat der Ersatz?

Ersatz für fossiles Erdgas: Mit grünem Wasserstoff will die Schweiz unabhängiger von Russland werden. Zudem soll mit dem erneuerbaren Gas die Energieversorgung sichergestellt werden und auch für die Umwelt wäre es eine schonende Alternative. Doch die Technologie für den industriellen Gebrauch steht noch ganz am Anfang. Ein Problem sind auch die hohen Kosten.

Bis dato galt Erdgas als wichtigster Energieträger, um Kohle zu ersetzen. Doch nun wollen sich viele Staaten von Erdgas und Energieimporten aus Russland unabhängig machen und setzen daher unter anderem auf Wasserstoff. Das knappe Gasangebot hat eine Preisexplosion für den fossilen Brennstoff ausgelöst und das Thema «erneuerbares Gas» noch präsenter gemacht.

Unter dem Begriff «erneuerbare Gase» werden Biogas, synthetisches Methan und grüner Wasserstoff zusammengefasst. Grosse Hoffnungen liegen insbesondere auf grünem Wasserstoff.

Bei der so genannten Power-to-Gas-Technologie wird Wasser mittels Elektrolyse in Wasser- und Sauerstoff aufgespalten. Damit der Wasserstoff als «grün» gilt, muss der dabei verwendete Strom aus erneuerbaren Quellen stammen.

Projekte noch klein und nicht rentabel

Die grossen Schweizer Energiekonzerne sehen allesamt grosses Potential in dem Energieträger. Die Projekte befinden sich aber jeweils noch in einer sehr frühen Phase, und das Geschäft ist noch klein und nicht gewinnbringend.

Die Herstellung von Synthesegas wird in Pilotanlagen erforscht und der Prozess sei seit Jahren bekannt, sagt etwa Thomas Grond vom Bündner Energiekonzern Repower. Neu sei aber die industrielle Verwertung und Produktion.

Grüner Wasserstoff dürfte künftig vor allem bei CO2-intensiven Industrien zum Einsatz kommen, insbesondere dort, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich oder sehr teuer ist, heisst es von der BKW. Das betrifft etwa die Stahl- oder Chemieindustrie.

In vielen EU-Ländern gibt es bereits ambitionierte Strategien und Förderprogramme, um die Produktions- und Transportkapazitäten in den nächsten Jahren stark auszubauen. «Es dürfte also langfristig ein grosser Wasserstoffmarkt entstehen», sagt BKW-Sprecherin Marisa Fetzer. Und auch hierzulande dürfte der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Lebensmitteltransport mit Wasserstoff

Gewisse Sektoren könnten gar nicht ohne den Einsatz von Wasserstoff dekarbonisiert werden, zum Beispiel ein gewisser Teil des Schwerverkehrs, heisst es von Alpiq. Der Energiekonzern sieht sich hierzulande als Pionier in dem Bereich. Ein Gemeinschaftsunternehmen mit H2 Energy und dem Industriekonzern Linde betreibt seit zwei Jahren in Niedergösgen einen 2-Megawatt-Elektrolyseur zur Herstellung von Wasserstoff. Der benötigte Strom stammt aus dem Wasserkraftwerk Gösgen.

Der grüne Wasserstoff wird dann an Wasserstofftankstellen in der Schweiz transportiert und dient als Treibstoff für 46 Brennstoffzellen-LKW von Hyundai. Zum Transport genutzt werden diese Lastwagen unter anderem von Coop, Migros, Emmi und Schöni.

Hohe Stromkosten

Das Problem beim Wasserstoff sind allerdings die Kosten: Die Produktion ist recht aufwändig und teuer. Ausserdem benötigt der Prozess Strom, und dieser muss erst einmal zur Verfügung stehen, sagen Experten.

Die Kosten von Synthesegas sind also abhängig von den Strompreisen und diese teilweise wiederum von den Preisen für fossiles Erdgas. «Die Preissituation ist momentan sehr volatil», heisst es hierzu von der Axpo.

Alpiq ergänzt: «Weil in der stromintensiven Produktion von Wasserstoff der grösste Kostenblock die Strompreise sind, sind die aktuellen Strompreise eine grosse Herausforderung für die Wirtschaftlichkeit».

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat also die mittelfristige Nachfrage grünem Wasserstoff angeheizt. Gleichzeitig hat der militärische Konflikt aber dessen Produktion verteuert.

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