Featured Video Play Icon
Schweiz

Die Rütliwiese wurde zur Schwinger-Arena

Auf dem Rütli demonstrieren Schwinger, dass nach einem Kampf Versöhnung möglich ist. Es ist das erste Mal überhaupt, dass dort geschwungen wird.

Der Eidgenössische Schwingerverband wäre eigentlich 2020 anlässlich seines 125-jähriges Bestehens an die Bundesfeier auf das Rütli geladen gewesen. 2020 fand wegen der Corona-Pandemie aber nur eine kleine Feier statt, letztes Jahr stand 50 Jahre Frauenstimmrecht im Zentrum.

Das Motto der Bundesfeier war «der friedvolle Kampf». Nicola Forster, Präsident der organisierenden Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), sagte, das Motto stehe im Kontext der Corona-Pandemie. Diese habe es mit sich gebracht, dass wir uns plötzlich mit Nahestehenden gestritten hätten.

«Berührende Geste»

Schwinger würden «heftig, ruppig und unerbitterlich», aber innerhalb von Regeln kämpfen, sagte Forster. Der Sieger lasse den Verlierer nicht im Sägemehl liegen, sondern klopfe diesem das Sägemehl vom Rücken. Forster bezeichnete dies als «berührende Geste».

Gäste an der Feier waren Silvio Rüfenacht und Noldi Ehrensberger, Schwingerkönige von 1992 und 1977, sowie Rolf Klarer, Sieger des Bundesfeierschwinget von 1991. Klarer sagte, Respekt sei im Schwingen etwas vom Wichtigsten. Rüfenacht sagte, die Kameradschaft, welche die Schwinger lernten, schütze auch im Leben.

Erster «Rütli-Schwinget»

Vor der eigentlichen Feier kämpften Nachwuchsschwinger im Sägemehlring, der auf der Rütliwiese aufgebaut worden war. Die neun bis 15 Jahre alten Burschen gehörten zum Schwingerverband am Mythen SZ.

Nach Angaben der SGG, welche das Rütli verwaltet, war es das erste Mal, dass auf dem Rütli geschwungen wurde. Jonas war der erste Rütli-Sieger überhaupt. Auf die Frage, ob ob dies für ihn speziell sein, antwortete er mit einem «Nä-ä!». Dies sei einfach nur ein Sieg.

Das friedliche Streiten konnten die Rütlibesucher vor Ort einüben. In einer Frage- und Antworte-Runde, in der etwa festgestellt wurde, wer sich vegetarisch ernährt oder der Kernkraft positiv gegenüber steht, konnten sie zehn Minuten lang mit einem Gegenpart über die Zukunft der Schweiz debattieren.

Mut zu Veränderungen

Eine eigentliche Festrede gab es dieses Jahr auf dem Rütli nicht, stattdessen wurden zwei Kurzansprachen gehalten. Die Genferin Nora Wilhelm – sie wurde als Social Entrepreneur vorgestellt – und Marco Solari, Präsident des Filmfestivals Locarno, riefen beide zu mehr Mut für Veränderungen auf.

Niemand wolle, dass die Gletscher schmelzen, sagte Wilhelm. Trotzdem werde dies durch die Summe unserer Entscheidungen verursacht. «Tut etwas Tapferes», sagte Solari, denn es habe schwarze Wolken um uns herum.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Mehr aus dem Channel