Am Geruch von Grilliertem stört sich so mancher. (Bild: Keystone)
Schweiz

Im Sommer gibt es eher Zank am Gartenzaun

Lärmende Kinder, zu hohe Hecken oder Grillfeste können einen Nachbarschaftsstreit entfachen. Mit Pandemie und warmem Wetter werden diese Konflikte häufiger.

In einer Nachbarschaftsbeziehung kann man sich aus vielen Gründen in die Haare geraten. Umso mehr, wenn man mehr Zeit im Garten oder zuhause verbringt – wie während des Sommers und der Corona-Pandemie.

Bei der Axa-Versicherung etwa hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass zwischen 2019 und 2020 die Anfragen zu nachbarschaftsrechtlichen Streitereien um einen Viertel zugenommen haben. Die Pandemie habe zwar nicht neue «Brandherde entfacht», schreibt die Axa. Allerdings seien Störfaktoren mehr aufgefallen, weil alle Bewohnerinnen und Bewohner häufiger zuhause gewesen seien.

Anders sah es bei der Mobiliar aus. Die Versicherung verglich die Monate März bis Juni in den Jahren 2020 und 2022. Dabei stellte sie fest, dass im Jahr 2020 rund 10 Prozent weniger nachbarschaftsrechtliche Anfragen eingingen, wie sie auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. «Dies, obwohl wir im Jahre 2020 über alle Rechtsgebiete hinweg nicht weniger Anfragen hatten als im Jahr 2022.»

Hecken, Ghettoblaster und Zigi-Rauch

Nicht nur wenn man häufiger zuhause ist, sondern auch, wenn es im Frühjahr wieder wärmer wird, nehmen die Anfragen zu – insbesondere in den Monaten März bis Juli, wie es bei der Versicherung Baloise hiess. Auch die Axa schrieb: «Wir erhalten im Sommer die meisten Anfragen zum Thema Nachbarschaftsstreitigkeiten.»

Denn in den wärmeren Jahreszeiten bieten etwa Grillfeste im Garten Konfliktpotential. Daneben stören sich Nachbarinnen und Nachbarn an Jugendlichen, die auf einem Sportplatz Basketball spielen und mit einem Ghettoblaster Musik hören, oder einfach am Lärm, der von einem Sitzplatz oder Balkon zu später Stunde ausgeht. Auch Tabakrauch auf dem Balkon kann zu Streit führen.

Weitere Konfliktherde sind etwa die Höhe von Hecken oder Bäume und Sträucher, die zu nah an die Grenze gepflanzt sind. Auch Äste, die über die Grenze ragen, können zu Streitereien führen – oder wenn der gepflanzte Baum des Nachbarn die Aussicht versperrt.

Die eigenen vier Wände – viele Emotionen

Ein solcher Streit kann sehr schnell emotional werden, weil es um die eigenen vier Wände geht. Insbesondere, wenn das eigene Wohlbefinden aufgrund des Verhaltens oder «der Untätigkeit» eines Nachbarn tangiert werde, hiess es etwa bei der Baloise. «Zudem ist das nebeneinander Leben meist nicht nur von kurzer, sondern von längerer Dauer». Dies dürfte die Emotionalität zusätzlich steigern.

Wenn die Nerven blank liegen und eine Streitpartei einen Rechtsfall schriftlich anmeldet, wird gemäss der Mobiliar in der Regel für die Konfliktlösung eine Mediation angeboten – also ein freiwilliges, aussergerichtliches Verfahren zur Konfliktbewältigung in Zusammenarbeit mit einem Mediator oder einer Mediatorin. Dies ermögliche in vielen Streitigkeiten eine erfolgreiche und rasche Lösung, die von den am Konflikt Beteiligten erarbeitet werde.

Die sachliche Einordnung sowie Behandlung der strittigen Aspekte führe oft bereits zu einer Deeskalation, hiess es auch bei der Baloise. Wenn aussergerichtliche Bemühungen nicht fruchten, kann ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden.

Der Schwatz am Gartenzaun zur Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zum Streit kommt, hat Lorenz Gerber von der Mobiliar einige Tipps parat. So sei es sinnvoll, sich beim Einzug auch direkt vorzustellen, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. «So wird verhindert, dass der erste Kontakt gleich einen Konflikt betrifft.» Einer guten Grundstimmung dienlich sei auch, mal einen «nachbarschaftlichen Schwatz» zu halten oder kleine Hilfen wie zum Beispiel Blumengiessen in den Ferien anzubieten. Auf einer solchen Basis liessen sich Probleme im Gespräch lösen oder entstünden gar nicht erst.

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