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Der Telebasel News-Beitrag vom 26. Juli 2022.
Baselland

Jäten bevor die Hitze kommt: Frühschicht beim Hofgut Obere Wanne

Die Hitze zwingt die Bauern schön früh auf die Felder. Die hohen Temperaturen machen aber nicht nur das Schuften schwerer, auch die Kartoffeln müssen kämpfen.

Bereits vor 7 Uhr war ein Teil des Kartoffelfeldes beim Hofgut Obere Wanne in Liestal vom Unkraut befreit. Die Bauernfamilie in Liestal beginnt früher als sonst mit den Arbeiten auf dem Feld. Die Sonne bestimmt, wann gejätet wird.

Die Kartoffeln kommen früher

«Jetzt bei dieser Hitze hat es aber keinen Wert durch den Tag, wenn die Sonne kommt, hier zu jäten», meint Landwirt Dieter Weber und zieht die Wurzel einer Wildpflanze aus der Erde. Er, seine Frau Nadia Graber und Sohn Yanis haben bestimmt noch zwei Stunden Arbeit vor sich, bis es zu heiss wird: «Den Rest machen wir halt am nächsten Tag».

Auf rund einen halben Hektar Land sät der Bauer seine Kartoffeln. Das ist verhältnismässig wenig, doch die Vielfalt macht das wett. Zwanzig verschiedene Sorten verkauft der Hof jedes Jahr. Einige davon sind jetzt schon reif. Dies begründet Dieter Weber mit den milderen Wintern. «Man kann früher setzen, weil es schon warm ist, der Boden hat schon Mitte April Temperatur, früher musste es Mitte Mai sein», erklärt er.

In den nächsten drei bis vier Wochen steht die Ernte an. Wenn alles gut läuft, rechnet der Landwirt mit vier Tonnen Kartoffeln. Diese seien bei der Hofkundschaft beliebt und jedes Jahr schnell vergriffen.

Nicht nur Giessen hilft gegen das Austrocknen

Die heissen Tage sind nicht nur bei den Feldarbeiten eine Herausforderung. Auch das angepflanzte Gemüse muss mit den hohen Temperaturen zurecht kommen. Wasser hat der Hof zwar genügend. Diesen Sommer giessen Dieter Weber und Nadia Graber alle sieben bis zehn Tage über Nacht die Felder. Das allein reicht aber nicht, um die Kartoffeln durch die Saison zu bringen.

Durch die Hitze erwärmt sich der Boden und das kann wichtige Bakterien abtöten. «Ab 45 Grad denaturiert Eiweiss, unsere Bakterien im Boden gehen kaputt. Um das zu verhindern streuen wir eben diese Mulchschicht darüber, dann bleibt der Boden unten schön feucht und deutlich kühler», laut Dieter Weber könne der Boden so eine Temperatur von 25 Grad halten; «statt 45.»

Mulch ist eine Grasschicht, die der Landwirt über die Saat legt. Ein System, das es schon länger gibt. Auf dem Hofgut Obere Wanne arbeiten Dieter Weber und Nadia Graber seit zwei Jahren mit dieser Taktik. Freunde aus Österreich brachten sie auf die Idee: «Die haben das bei ihnen als Rettung des Kartoffelanbaus eingeführt, sie könnten Kartoffeln anders gar nicht mehr anbauen».

Mulch über Kartoffeln, so denkt es der Landwirt aus Liestal, wird wohl oder übel bald in der ganzen Schweiz öfters angewendet werden. Denn nur so seien die Kartoffeln von den immer wärmeren Sommern ausreichend geschützt.

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