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Der Telebasel News-Beitrag vom 11. Juli 2022.
Basel

Der Prozess gegen Rheingasse-Messerstecher hat begonnen

Ein 51-Jähriger sitzt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vor dem Basler Strafgericht. Er soll einem Arbeitskollegen ein Messer in den Hals gestossen haben.

Samstagabend in der Rheingasse im September 2021. Soeben hat der Rapper Stress auf dem Floss seinen Auftritt hingelegt, vor den Bars ist etwas los. Mit dabei ist auch der Maler Ibrahim*. Vor der 8-Bar kommt plötzlich ein Mann auf ihn zu und pöbelt ihn auf spanisch an. Ibrahim versteht zwar dessen Sprache nicht, hört aber eindeutige Drohungen heraus und entfernt sich in Richtung Wild Ma-Gässli. Der Angreifer folgt ihm, Ibrahim schubst ihn weg. Daraufhin zückt der Mann ein Messer und sticht Ibrahim völlig unvermittelt in den Hals. Er holt zu einem weiteren Messerstich aus, doch Ibrahim wirft ihm eine Smirnoff-Flasche entgegen, anschliessend wehrt er sich mit einem Stuhl gegen den Angreifer. Ein Arzt, der gerade privat in der Rheingasse ist, eilt Ibrahim zu Hilfe.

Es bestand keine Lebensgefahr

Wie das Institut für Rechtsmedizin feststellt, bestand für Ibrahim zwar keine Lebensgefahr, doch diese hätte ohne Weiteres eintreten können. Das Messer landete in nächster Nähe zur Halsschlagader. Soweit die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Fast ein Jahr nach diesem Vorfall steht der 51-jährige spanische Metallbauer Antonio* vor Gericht. Er hat mehrere Vorstrafen wegen kleineren Delikten auf dem Buckel, sowohl in der Schweiz als auch in Spanien.

«Sie waren wie Hund und Katz»

Die Stawa wirft Antonio versuchte vorsätzliche Tötung vor. Es gilt die Unschuldsvermutung. Mit seiner Messerattacke in den Hals habe er in Kauf genommen, Ibrahim nicht nur lebensgefährlich zu verletzen, sondern auch zu töten. Antonio bestreitet aber vehement, die Tat begangen zu haben. Er sei dem Opfer am besagten Abend gar nicht begegnet. Beim Prozess am Basler Strafgericht werden Videos einer Überwachungskamera gezeigt. In beiden Sequenzen sieht man einen Mann, der einem anderen durch die Rheingasse folgt. Er ist nicht nicht gut zu erkennen. «Das bin nicht ich», sagt Antonio. Schliesslich sei der Mann im Video kleiner als er, zudem fehlten die Tätowierungen.

Der Arbeitgeber verbindet die beiden

Unbestritten ist, dass der Metallbauer Antonio den Maler Ibrahim von der Arbeit auf dem Bau her kannte. Sie waren für den gleichen Arbeitgeber namens Pedro* tätig, der wie Antonio aus Galizien stammt. Offenbar lagen sich Antonio und Ibrahim schon lange in den Haaren. «Sie waren wie Hund und Katz», sagt Christian*, ein deutscher Arbeitskollege der beiden vor Gericht. Vermutlich ging’s um Geld. Wie Ibrahim sagt, schulde ihm Pedro noch Saläre. Daher habe er einmal bei der Privatwohnung seines Chefs geklingelt und gefragt, wo das Geld sei. Im Mai 2021 bekam Ibrahim dann selbst Besuch: Antonio tauchte vor seiner Haustür auf, in Begleitung von Christian. Er soll seinem Kollegen gedroht haben und ihn daran gemahnt, Respekt vor Pedro und dessen Familie zu haben. Anschliessend kassierte Ibrahim einen Faustschlag von Antonio. «Er ist vor meiner Haustür voll durchgedreht», erinnert sich Ibrahim.

Widersprüche und Wortgefechte vor Gericht

Rund vier Monate später kam es zur Messerstecherei in der Rheingasse. Ibrahim ist sich sicher, dass Antonio so etwas wie der Handlanger seines Vorgesetzten ist. Allerdings sind bestimmte Aussagen von ihm vor Gericht widersprüchlich. So verwechselt er teilweise Antonio mit Pedro oder macht ein Durcheinander bei der Abfolge der Ereignisse. Nicht selten kommt es auch zu Wortgefechten zwischen Ibrahim und dem Verteidiger, sodass die Gerichtspräsidentin eingreifen muss. Sie wird voraussichtlich am Donnerstag das Urteil verkünden.

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert

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