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International

Mutmasslicher Täter kommt in die Psychiatrie

Der mutmassliche Täter des Amoklaufs von Kopenhagen mit drei Toten wird für 24 Tage in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen.

Im Einkaufszentrum Field’s im Süden Kopenhagens sind am Sonntagabend, 3. Juli 2022, drei Menschen erschossen worden. Bei den Opfern handelt es sich um einen 47-jährigen Mann mit russischer Staatsbürgerschaft, der in Dänemark lebte, sowie um zwei 17-Jährige. Zudem wurden vier Menschen schwer verletzt. Eine Person ist noch in kritischem Zustand.

Die Staatsanwaltschaft in Kopenhagen wirft dem Tatverdächtigen des Amoklaufs vorsätzliche Tötung und versuchte Tötung vor. Er wird für 24 Tage in eine geschlossene psychiatrische Abteilung eingewiesen. Das berichteten dänische Medien übereinstimmend aus der Anhörung des Tatverdächtigen am Montag. Somit müsse der Tatverdächtige die Untersuchungshaft in der Psychiatrie verbringen.

Polizei: «Keine Hinweise auf Terror»

Nach Ansicht der dänischen Polizei hat es sich bei der Tat nicht um einen Terrorakt gehandelt. «Es gibt keine Hinweise in den Ermittlungen, Dokumenten oder Zeugenaussagen, die belegen könnten, dass es sich um Terror handelt», sagte Chefinspekteur Søren Thomassen am Montag dem Sender TV2 zufolge. Der mutmassliche Täter habe an zwei Stellen im Einkaufszentrum wahllos auf Menschen gefeuert. Beim Tatverdächtigen handelt es sich um einen 22-jährigen Dänen.

Thomassen sagte, der mutmassliche Schütze habe allem Anschein nach alleine gehandelt. Es gebe keine Hinweise, dass der festgenommene 22 Jahre alte Däne Komplizen gehabt habe. Der Mann habe sich in der Vergangenheit Hilfe in einer Psychiatrie gesucht. Die Polizei hatte zuvor eine Wohnung im Kopenhagener Stadtteil Valby durchsucht.

Die Polizei hat nach dem Amoklauf in Kopenhagen ein Gewehr und ein Messer beim Tatverdächtigen gefunden. Ausserdem habe der Mann Zugang zu einer Pistole gehabt, sagte Søren Thomassen. «Wie es derzeit aussieht, sind die Waffen zulässig, aber er hatte keine Berechtigung dafür.»

Motiv noch unklar

Zu einem Motiv wollte sich Thomassen zunächst nicht äussern. Bereits in der Nacht zum Montag hatte er betont, dass es keine Anhaltspunkte für einen rassistischen Hintergrund gebe, über den in sozialen Medien spekuliert wurde.

Bei den Verletzten handele es sich um eine 40-jährige und eine 19-jährige Dänin sowie einen 50-jährigen Mann und eine 16-jährige Frau aus Schweden, sagte der Chefinspekteur. Ausserdem seien einige Menschen leicht verletzt worden, als sie in Panik aus dem Einkaufszentrum flüchteten.

Dramatische Szenen im Einkaufszentrum

Augenzeugen berichteten von mehreren Schüssen am Sonntagabend in Kopenhagen. Laurits Hermansen sagte dem Sender DR, er habe drei oder vier sehr laute Knalle gehört, als er gerade mit seiner Familie in einem Geschäft war. Dann seien andere Menschen in den Laden gerannt und hätten von Schüssen berichtet, daraufhin sei er mit seiner Familie durch einen Notausgang geflohen, sagte Hermansen. Augenzeugin Levandovski sagte: «Die Leute dachten zuerst, es sei ein Dieb». Dann habe sie Schüsse gehört und sich hinter einem Verkaufstresen versteckt.

Auch der Zeitung Jyllands-Posten sagten Zeuginnen, sie hätten Schüsse gehört. «Man wusste nicht, was passiert. Plötzlich brach überall Chaos aus», sagte die 20-jährige Emilie Jeppesen dem Blatt. Ihre Freundin Astrid Kofoed Jørgensen sagte: «Jeder im Restaurant wurde in die Küche geschickt, dann sassen wir dort und konnten drei oder vier Schüsse hören».

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass es in einer skandinavischen Hauptstadt einen Angriff gibt. Erst vor gut einer Woche waren in einer Schwulen-Bar in Oslo zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Der norwegische Geheimdienst PST stuft die Attacke als islamistischen Terroranschlag ein.

Königshaus ruft zu Zusammenhalt auf

Das dänische Königshaus rief zum Zusammenhalt auf. «Die Situation erfordert Einigkeit und Fürsorge, und wir danken der Polizei, den Rettungsdiensten und den Gesundheitsbehörden für ihr schnelles und effektives Handeln in diesen Stunden», hiess es in einer Mitteilung von Königin Margrethe II. und dem Kronprinzenpaar Frederik und Mary am späten Sonntagabend. Die Königsfamilie zeigte sich betroffen von der «schockierenden Nachricht». «Unsere Gedanken und unser tiefstes Mitgefühl sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen der Tragödie.» Nach Bekanntwerden der Tat hatte das Königshaus bereits einen Empfang mit Kronprinz Frederik abgesagt.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verurteilte die Tat als «grausamen Angriff». Sie forderte die Menschen im Land auf, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen. Wegen des Angriffs war ein Auftritt des britischen Sängers Harry Styles in einer nahe gelegenen Konzerthalle abgesagt worden. Der Popstar sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus.

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