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Der Telebasel Talk vom 28. Juni 2022.
Region

Mehr Gewalt und Drogen: Was tut die Jugendanwaltschaft BL?

Im Jahr 2020 verzeichnete die Jugendanwaltschaft BL deutlich mehr Delikte. Im 2021 hat sich die Lage nur wenig beruhigt. Nun starten die Behörden eine Kampagne.

Eigentlich habe man wegen der Corona-Beschränkungen mit weniger Delikten im Jahr 2020 gerechnet. So schreibt es die Baselbieter Jugendanwaltschaft im Geschäftsbericht 2021. Aber das Gegenteil sei eingetreten. Ein «Fallanstieg» von 18,5 Prozent wurde verzeichnet. «Bezüglich Gewaltdelikte lag die Zunahme im Jahr 2020 bei 47,5 Prozent. Ein Anstieg war im 2020 auch bei Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz feststellbar.» Im Berichtsjahr habe sich die Lage zwar etwas beruhigt. Aber das Niveau liege immer noch über dem der Jahre 2015 bis 2019.

Drogen im «Dunkelfeld»

Die Anzahl der Drogendelikte sei im 2021 nur «leicht» zurückgegangen. Laut der Behörde hätte es aber nicht weniger Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben. Die Jugendlichen hätten sich vermehrt aus dem öffentlichen Raum «in den Privatbereich im Dunkelfeld» zurückgezogen, weshalb sie weniger polizeilich angezeigt worden seien. Nun wollen der Jugenddienst der Polizei und die Jugendanwaltschaft handeln, zunächst mit einer Präventionskampagne nach den Sommerferien 2022, in einer zweiten Phase auch mit repressiven Massnahmen: «Polizeikontrollen sollen an Hotspots der Jugendlichen stattfinden – allenfalls auch mit Spürhunden», wie Kurt Frei, Leiter Jugenddienst der Polizei Basel-Landschaft, auf Anfrage der Basler Zeitung sagte. Denkbar seien auch Kontrollen auf dem Schulweg der Jugendlichen.

Die Baselbieter Tablettenkinder

Im Fokus steht dabei nicht nur der Cannabis-Konsum sondern der Mischkonsum: «Bei Strafverfahren betreffend Betäubungsmitteldelikte waren (…) weiterhin (wie bereits in den Vorjahren) hochproblematische Formen des multiplen Substanzkonsums (diverse Betäubungsmittel, Medikamentenmissbrauch, oftmals Mischkonsum, künstlich erzeugtem THC und anderen chemischen Substanzen) zu beobachten.» Im 2020 wurde der Fall eines 12-jährigen Schulbuben publik, der mit einer Medikamentenvergiftung ins Spital gebracht wurde. Im Dezember 2019 berichtete das Magazin Zeit über Baselbieter Tabletten-Kinder.

Den Talk mit dem Jugendanwalt, stv. Leiter Jugendanwaltschaft BL Lukas Baumgartner sehen Sie am Dienstag, 28. Juni 2022 um 18:45 Uhr und ab 19.15 Uhr stündlich. 

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Manuela
    Sie beschreiben, was uns Jugendliche oft auch schildern, die viel BM konsumieren. Natürlich hat der Konsum auch mit der Flucht aus einer Gesellschaft zu tun, die immer mehr fordert, an vielen Stellen immer oberflächlicher wird und viel Verantwortung an «andere», z.B. Behörden und Institutionen, delegiert. In der modernen Suchtprävention und -Therapie werden diese Gründe und das Flucht-/Schutzbedürfnis sehr ernst genommen und die betroffenen Jugendlichen genau an dieser Stelle abgeholt: auch schon bei uns auf der Jugendanwaltschaft. Die Suche und Skizzierung von Perspektiven ist danach ein wichtiges Element der Unterstützung. Helfen können wir alle aber nur, wenn wir die Betroffenen kennen bzw. auf dem Radar haben und dazu sind polizeiliche Kontrollen oft das einzige Mittel, da sich wenige Betroffene in ihrer Not einer Fachperson oder Behörde öffnen. Dennoch gib es zuweilen Jugendliche, die delinquieren und sich danach freiwillig stellen; es sind Hilferufe, ein verzweifeltes sich an «irgendwen» Wenden, und sei es die Polizei.
    Freundliche Grüsse
    Lukas BaumgartnerReport

  2. Mit Polizei und und sonstigen Druckmitteln wird ganz bestimmt nichts erreicht! Ich war in meiner Jugend schwer Drogen abhängig.. das war die einzige Möglichkeit unserer kranken Gesellschaft wenigstens für einen Moment zu entfliehen! Ich verstehe daher sehr gut, dass junge Menschen dermassen die Nase voll haben und seelisch am » erfrieren» sind !!Report

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