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Der Telebasel News-Beitrag vom 20. Juni 2022.
Basel

Geothermie-Ausfall in Riehen – jetzt nimmt der Wärmeverbund Stellung

Gas, um eine Erdwärme-Panne zu kompensieren – Politiker kritisieren die mangelnde Kommunikation beim Wärmeverbund. Dieser äusserte sich nun gegenüber Telebasel.

Letzten Winter gingen so manche Einwohnerinnen und Einwohner von Riehen davon aus, ihre Wohnung zu einem guten Teil mit Erdwärme zu beheizen. Dabei schrumpfte deren Anteil erheblich bei der Wärmeproduktion. Im Gegenzug stieg der Anteil an Erdgas um das Doppelte. Grund dafür ist eine Panne bei der Geothermie-Anlage in Riehen. Im März 2021 wollte eine Montagefirma das Steigrohr ersetzen. Dabei stürzte die Pumpe rund 150 Meter das Bohrloch herunter. Seither ist die Anlage am Bachtelenweg nicht mehr in Betrieb.

Die Wärmeversorgung ist in der kalten Jahreszeit dennoch garantiert. Allerdings hat der Zwischenfall Folgen für den Energiemix: IWB-Fernwärme, Abwärme durch Stromproduktion und eben Erdgas kompensieren den Ausfall. Im südlichen Riehen konnte die Fernwärme Abhilfe schaffen, im Norden muss mit Gas nachgeholfen werden. Pikant dabei: Die KundInnen wurden nicht direkt darüber informiert. Die Wärmeverbund Riehen AG gab zwar im Oktober 2021 eine Medienmitteilung heraus, die in der Riehener Zeitung veröffentlicht wurde. Dort wurde über die Panne und die weiterhin garantierte Wärmeversorgung berichtet, jedoch nicht über den steigenden Erdgasanteil.

Warten auf einen Gerichtsentscheid in Frankreich

Dies sorgt in der Riehener Politik für Wirbel. Bei der Genehmigung des Wärmeverbund-Geschäftsberichts äusserten sich EinwohnerrätInnen aus verschiedenen Parteien kritisch. So etwa Andreas Zappalà (FDP). «Die Hauptkritik ist, dass die Kommunikation gar nicht stattgefunden hat», so der Einwohnerrat. «Man konnte einmal etwas in der Riehener Zeitung lesen, aber dass jetzt die Kunden direkt informiert hat, dass man ein Problem hat, dass nicht Erdwärme, sondern Gas geliefert wird», sagt Zappalà.

Matthias Meier, Geschäftsführer der Wärmverbund Riehen AG, nimmt gegenüber Stellung zu den Vorwürfen aus dem Einwohnerrat. Vorauszuschicken ist dabei, dass Angelegenheit um die defekte Anlage eine verworrene Angelegenheit ist. Der Ball liegt nämlich momentan nicht bei der Betreiberin. Da die Montagefirma aus Frankreich stammt, muss ein Gericht Frankreich nun abklären, wer am Malheur in Riehen schuld ist. So untersucht momentan ein Labor, ob es sich um einen Material- oder um einen Montagefehler handelt. «Es ist ein laufendes Gerichtsverfahren, bei dem wir keine Formfehler machen wollen», erklärt Matthias Meier. Daher habe der Wärmeverbund nur sehr vorsichtig kommunizieren wollen. Er räumt aber ein: «Rückblickend ist man immer schlauer. Wir nehmen die Kritik des Einwohnerrates zur Kenntnis, wir bitten aber um Verständnis, weil es ein laufendes Verfahren ist», so der Wärmeverbund-Geschäftsführer. «Wir werden schauen, was wir hätten anders machen können und nochmals kommunizieren, sobald die Reparaturarbeiten anstehen.»

Keine Mehrkosten für KundInnen

Der Wärmeverbund gehört zur einen Hälfte der Gemeinde Riehen, zur anderen den IWB. Andreas Zappalà ist daher der Ansicht, der Gemeinderat hätte die Sache auf den Tisch bringen müssen. Der zuständige Gemeinderat Daniel Hettich (LDP) winkt ab. Die Kommunikation nach aussen sei nicht in der Kompetenz der Aktionäre. «Hier ist die Rolle klar beim Wärmeverbund Riehen, dies zu kommunizieren, das ist Entscheidung des Verwaltungsrates», erklärt Daniel Hettich.

Der Gasanteil an der gesamten Wärmeproduktion betrug letztes Jahr 33 Prozent. Das ist knapp unter der Obergrenze von 35 Prozent, die der Gemeinderat beschlossen hat. Wichtig an dieser ganzen Sache ist, dass die Bezügerinnen keine höhere Heizrechnung zu befürchten haben, wie Matthias Meier versichert. «Wir haben alle Mehrkosten im Rahmen des Garantiefalls eingeklagt und darum werden für unsere Kundinnen und Kunden keine Mehrkosten entstehen». Gestützt auf juristische Abklärungen geht der Wärmeverbund davon aus, dass die höheren Kosten von der Versicherung des Verursachers gedeckt werden, sobald das Urteil steht.

Eigentlich hätte der Wärmeverbund die Geothermie-Anlage schon jetzt wieder in Betrieb nehmen wollen. Momentan gibt aber nicht sie, sondern das französische Gericht den Fahrplan vor. Um Formfehler im Prozess zu vermeiden, will die Betreiberin die Anlage nicht anrühren, bis das Urteil steht. Matthias Meier rechnet damit, dass die Anlage pünktlich zur nächsten Heizperiode, also im Herbst dieses Jahres, wieder in Betrieb genommen werden kann.

1 Kommentar

  1. Es ist schon erstaunlich, wie sich die Verantwortlichen aus der Affäre zu dribbeln versuchen. Der hängige Prozess kann nie der Grund sein, die betroffenen Bezüger über den Vorfall nicht zu informieren und nicht zu kommunizieren, dass nicht mit Erdwärme sondern mit Erdgas und dessen Abwärme geheizt und Warmwasser erzeugt wird. Und der Gemeinderat muss sich anrechnen lassen, dass ein Vertreter der Gemeinde im Verwaltungsrat der Wärmeverbund AG sitzt, welcher den Gemeinderat über den Vorfall eigentlich informieren müsste. Als Miteigentümerin der Wärmeverbund AG müsste der Gemeinderat somit sehr wohl ein Interesse daran haben, dass die über 9’000 betroffen Personen proaktiv informiert werden.Report

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