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Der Telebasel News-Beitrag vom 15. Juni 2022.
Basel

Ausverkaufte Pussy-Riot-Show in Kaserne und ein lauter Appell

Das Interesse am Auftritt von Pussy Riot, dem russischen Punk-Kollektiv, war riesig. Die Kaserne war ausverkauft. Die Nachricht an die BaslerInnen war klar.

«Ein Wort kann ich sagen: Embargo. Auf Russisches Gas und Öl. Sponsert nicht den Krieg.» Die Ansage der Aktivistinnen war deutlich und das Interesse an der Show in Basel riesig. Alle wollten am Auftritt des russischen Punk-Kollektivs dabei sein. Ein Konzert war es jedoch kaum. Eher die Geschichte des Kollektivs aufgerollt, in 90 Minuten erzählt. Von den Erfahrungen der einzelnen Mitglieder im sibirischen Arbeitslager oder vom Gefängnis.

Ikonischer Widerstand und leider immer noch aktuell

Zehn Jahre ist es her, als das Aktivistinnen-Kollektiv berühmt wurde, weil es in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale tanzte und sich gegen das Putin-Regime auflehnte. «Mutter Maria, vertreibe Putin», hiess es auch am Dienstagabend in Basel. Ihr ikonischer Widerstand ist Kult – und immer noch aktuell. «Die Leute in der Schweiz können das Level an Absurdität nicht nachempfinden, das gerade in Russland herrscht. Leute werden dort verhaftet, weil sie so tun, als würden sie ein Plakat halten. Oder sie werden verurteilt, weil das Gericht sagt, der Slogan ‹Stoppt Faschismus› würde die Armee diskreditieren», erzählt Mitglied Masha Alekhina. Sie ist seit Beginn weg dabei. Es sei eine totale Orwell- oder Kafka-Realität dort und unmöglich, sie loszuwerden, so Alekhina. «Und auch die Zensur ist schlimm. Es ist illegal, den Krieg in der Ukraine als Krieg zu bezeichnen oder Fotos aus westlichen Medien zu posten.»

«Feminismus kann Diktatoren und den Krieg stoppen»

Der Krieg in der Ukraine hat die Performance von Pussy Riot verändert. Nicht aber ihre Botschaft, die sie seit zehn Jahren haben. In Russland können die Künstlerinnen nicht leben. Dort würden sie erneut im Gefängnis landen. Deshalb touren sie mit ihrer Show momentan durch Europa und spielten am 14. Juni am Frauenstreiktag in Basel. Kann Feminismus den Krieg denn beenden? «Es gibt noch viel zu tun. Aber Feminismus ist eine Ideologie, die über Grenzen hinausgeht. Solidarität ist deshalb enorm wichtig. Auf eine Art kann Feminismus Diktatoren und den Krieg stoppen», so die Aktivistin Alekhina.

Mit Fussfessel durch Europa

Die Fussfessel, die Masha Alekhina trägt, ist echt. Als Lieferantin verkleidet flüchtete sie aus Moskau. Ihre Erfahrungen lassen das Publikum schaudern. Die Ladung an Emotionen und Echtheit beeindruckte die BesucherInnen des Konzerts sichtlich.

«Es war irrsinnig, eine geballte Ladung an Information.» Die Emotionen hätten ihn förmlich erschlagen, erzählt ein Besucher mit hochgehobener Faust. «Wir in unserer reichen Schweiz – und das, was dort drüben abgeht, es ist eine Schande».

«Dass die Schweiz der Neutralität ein wenig den Rücken kehrt, finden wir gut»

Trotz der Kritik und der schlimmen Erfahrungen, die Pussy Riot am Dienstagabend an die Baslerinnen und Basler herantrugen, gab es doch auch etwas Positives von den Aktivistinnen. «Wir sind an einem guten Punkt. Der Widerstand sollte so laut wie möglich sein. Dass die Schweiz der Neutralität ein wenig den Rücken kehrt, politisch aktiv geworden ist und durch die Sanktionen solidarisch mit der EU und der Ukraine ist, finden wir gut», so Masha Alekhina.

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