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Der Telebasel News-Beitrag vom 9. Juni 2022.
Basel

Warum in Basler Brunnen plötzlich Pflanzen wachsen

In vier Brunnen der Stadt fliesst kein Wasser mehr. Sie sind im Rahmen des Stadtraumfestivals «Flâneur» zu überdimensionierten Blumentöpfen mutiert.

Wer in diesen Tagen durch die Stadt spaziert, traut seinen Augen nicht: In einigen Brunnen fliesst kein Wasser mehr, dafür sind sie bis an den Rand mit Erde gefüllt und zu überdimensionierten Blumentöpfen umfunktioniert.

Ob auf dem Münsterplatz, am Barfi, Rümelinsplatz oder Spalenberg – es spriesst aus Basels Brunnen. Dahinter steht eine Aktion der Industriellen Werke Basel (IWB), die für unsere Brunnen zuständig sind. Sie wollen damit auf die Bedeutung der Trinkwasserspender und die Arbeit, die hinter der Pflege steckt, aufmerksam machen, wie Mediensprecher Reto Müller gegenüber Telebasel sagt.

Brunnentöpfe statt Trinkwasser

Die Aktion ist Teil des Stadtraumfestivals «Flâneur» von StadtKonzeptBasel. Das Festival wird bis September dauern – also den gesamten Sommer über. Da wird wohl so mancher das kühlende Bad oder den erfrischenden Schluck kaltes Wasser mitten in der Stadt vermissen und sich über die Brunnentöpfe eher ärgern denn freuen.

Es grünt so grün im Brunnen am Barfi. (Bild: Telebasel)

«Wir bekommen viel positives Feedback, aber es gibt tatsächlich auch vereinzelte Rückmeldungen von Leuten, welche die Aktion kritischer sehen», sagt Müller. «Sie wären im Sommer froh um Abkühlung. Wir kennen das Bedürfnis und haben absolut Verständnis dafür.»

Weiterhin viele gewöhnliche Brunnen

Auch Mathias F. Boehm, Geschäftsführer von StadtKonzeptBasel, hat bisher mehrheitlich positive Rückmeldungen erhalten, wie er auf Anfrage sagt. «Natürlich gibt es Stimmen, die finden, dass Brunnen doch für das Wasser gemacht seien. Das kann ich verstehen. Aber sie sind ja jeweils nur vier Wochen bepflanzt. Und es gibt weiterhin viele gewöhnliche Brunnen mit Wasser.»

Die bissigen Kommentare sind eher selten, aber es gibt sie. So berichtet etwa der Stadtführer Grabmacherjoggi in einem Tweet mit einem Augenzwinkern von zwei Touristinnen, welche die Aktion beim Pisoni-Brunnen auf dem Münsterplatz als Versuch der Stadt deuten, eine Wasserknappheit zu kaschieren.

(Bild: Twitter/Grabmacherjoggi)

Derartige Wortmeldungen könnte es weiterhin geben. Denn im Juli und August werden weitere Brunnen in riesige Blumentöpfe umgewandelt. Doch Reto Müller von der IWB gibt Entwarnung: Mit rund 200 Brunnen der IWB auf dem Gebiet der Stadt gäbe es immer noch genug Ausweichmöglichkeiten zum Baden und Trinken. Sie sind auf einer Brunnenkarte auf der IWB-Website aufgeführt.

Nicht alle sind begeistert

Die LDP-Grossrätin Nicole Strahm-Lavanchy äusserte sich kritisch zu den Brunnenwiesen. Sie findet, dass das Wasser in den Brunnen vor allem in den Sommermonaten wichtig für die Bevölkerung sei. «Damit man etwas trinken oder sich kurz die Hände abkühlen kann», so Strahm-Lavanchy. Anstelle der Brunnenwiese hätte sich die Grossrätin ein Hochbeet rund um den Brunnen herum besser vorstellen können.

Mathias F. Böhm der Geschäftsführer vom StadtKonzeptBasel sagt dazu: «Natürlich kann man den Brunnen ganz anders inszenieren. Wir haben auch schon mal Kerzen in den Brunnen gesetzt, man könnte das Wasser auch einfärben – was nicht Sinn der Sache wäre, aber man sieht: Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten die Brunnen zu inszenieren und alle Ideen sind richtig. Ausserdem betreffe es nur vier von 200 Brunnen, die wir in der Innenstadt haben und dies auch nur für drei Monate», so Böhm.

7 Kommentare

  1. Super Idee 🤭 Hochbeete um den Brunnen. Schon einmal überlegt, wie man dann an das erfrischende Wasser kommen soll 🤪. Naja, Hauptsache man hat sich zum Thema geäussert.Report

  2. Ich begrüsse die Gegenreaktionen und frage mich ernsthaft, wer die Pflege übernimmt, vor allem während der heissen Sommerzeit. Das Plätschern eines Brunnens ist Gold für die Seele – besonders in der heutigen fast unmöglichen Zeit. Auch denke ich dabei an die Jugend, die sich gerne in den Brunnen tummelt. Auch, wenn es noch genügend andere Brunnen gibt finde ich diese Idee voll daneben.Report

  3. Passanten, Schüler, Kinder, Eltern, Kitas-Betreuer…. das mit den Pflanzen IN den Brunnen kommt nirgens gut an. Gerade im Sommer sind (waren) Basels Brunnen ein Quell der Erfrischung. Sei es zum Kopf kühlen, Arme schwenken, Beine ertüchtigen, selbst durstige Hunde fanden gefallen, plätschernde Oasen in der Steinwüste.
    Und jetzt:
    Erde, Still, Starr, abgestellt – und durstig. Wenn schon Grünes – bitte NEBEN die Brunnen und nicht IN den Brunnen. Schnaps-Idee.
    Irgendwie scheinen (nicht nur) mir die BS-Behörden zu viel Geld zu haben…. so der Tenor über das dauernde, krampfhafte «Alles-Aendern-Wollen», zu dem auch die Umgestaltung Barfi, Viertelskreis, Wielandplatz und und und gehört, anstelle die wahren Probleme unserer Slum-City/Gammel-City anzugehen – empfinde ich.Report

  4. Ist schon «witzig» wenn man keine Brunnen im Sommer hat zum Trinken. Wäre ja schön gewesen, man hätte das Wasser weiter etwas laufen lassen und über einen Zwischenbehälter abgeführt. Dann könnte man weiterhin trinken und die Aktion hätte weniger zu negativen Stimmen geführt.Report

  5. wir werden hier für dumm verkauft. Diese Aktion dient nur der Verhinderung des Badens in öffentlichen Brunnen. Wir werden immer mehr zu einer Verbotsgesellschaft, sehr schade.Report

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