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Der Telebasel News-Beitrag von Andri Mahler vom 27. Mai 2022.
Baselland

Schönenbuch wehrt sich gegen einen Velostreifen

Ein neuer Velostreifen auf der Schönenbuchstrasse in Allschwil sorgt für Unmut. Bereits jeder zweite Schönenbucher hat eine Petition dagegen unterschrieben.

Sie ist stark befahren. Auf der Verbindungsstrasse zwischen Allschwil und Schönenbuch reihen sich in Stosszeiten Lastwagen und Busse an Personenwagen. Dazu kommen Velofahrer, in Richtung Schönenbuch bisher allerdings auf dem Trottoir.

Der Verkehrsfluss auf der Schönenbuchstrasse ist auch durch geparkte Autos behindert. Es kommt immer wieder zu brenzligen Situationen: Weil es neben den Parkplätzen zu wenig Platz hat, müssen die aus Schönenbuch kommenden Fahrzeuge hinter den geparkten Autos warten und den Gegenverkehr vorbeilassen. Einigen dauert das zu lange, Beinahezusammenstösse und Hupkonzerte sind die Folge.

Petition mit 700 Unterschriften

Nun hat der Kanton die Velos vom Trottoir auf die Strasse versetzt. Ein gelber Streifen markiert: Ab sofort wird es hier noch enger – und noch gefährlicher, wie zahlreiche Schönenbucherinnen und Schönenbucher finden. Über 700 Personen haben eine letzte Woche lancierte Petition an den Kanton unterschrieben. Bei gerade mal 1’400 Einwohnern eine stattliche Zahl.

Cédric Oser, 29-jähriger angehender Berufsoffizier aus dem Dorf, hat die Petition ins Leben gerufen. «Der Kanton hat die Velospur auf die Strasse verlegt, ohne die Gemeinde oder die Bevölkerung zu informieren», ärgert er sich gegenüber Telebasel. «Ich habe keine Ahnung, was die Massnahme bringen soll.»

Das Trottoir sei vor rund 30 Jahren eigens verbreitert worden, damit Fussgänger und Velos nebeneinander Platz haben. Jetzt würden die Velofahrer auf der vielbefahrenen Strasse gefährdet, sagt Oser. «Deshalb wollen wir, dass die Massnahme rückgängig gemacht wird.»

Brief des Gemeinderats

Der Schönenbucher Gemeinderat ist über die neue Verkehrsführung ebenfalls wenig erfreut. Er hat dem Tiefbauamt am Freitag, 20. Mai, einen Brief geschickt und wartet auf eine Stellungnahme, wie Gemeindepräsident André Knubel auf Anfrage sagt. Die Gemeinde habe keinerlei Kenntnis von den Plänen des Kantons gehabt.

Er bezeichnet die Verkehrsführung als gefährlich. «Und wir hoffen, dass unser Brief etwas bewirkt.» Der Gemeinderat verlangt in seinem Schreiben, dass der ursprüngliche Zustand der Strasse innerhalb von vier Wochen wiederhergestellt wird.

Die Schönenbuchstrasse sei eine Kantonsstrasse, deshalb liege die Entscheidung beim Baselbieter Tiefbauamt, so Knubel. «Genutzt wird die Strasse aber hauptsächlich von der Schönenbucher Bevölkerung. Auch Kinder fahren hier mit dem Velo.»

Beim Kanton ist der Brief am Montagabend noch nicht zur Kenntnis genommen worden. Aber Andrea Bürki von der Bau- und Umweltdirektion sagt zu Telebasel, dass die Gemeinde Schönenbuch nicht kontaktiert worden sei, weil die Strasse schlicht nicht auf ihrem Gebiet liegt, sondern in Allschwil. Eine Anhörung gäbe es nur mit der Gemeinde, in welcher die Änderung stattfindet.

«Heikle Situationen auf dem Trottoir»

Laut Bürki sei es auf der Schönenbuchstrasse in jüngster Zeit zu einer Zunahme von gefährlichen Situationen auf dem Trottoir gekommen. «Anwohner haben sich immer häufiger bei der Polizei gemeldet und von heiklen Situationen im Zusammenhang mit E-Bikes berichtet», sagt sie.

Gerade wenn Kinder aus den anliegenden Häusern den Gehsteig betreten hätten, seien die zahlreichen schnellen E-Bikes zum Sicherheitsproblem geworden. Umgekehrt seien die Ausfahrten der Häuser für die schnellen Velos selbst gefährlich gewesen.

Ob die getroffene Massnahme nun bloss eine Verlagerung der Gefahr auf die Strasse ist, müsse allenfalls die Polizei abklären. Die Direktion steht in enger Zusammenarbeit mit ihr, betont Andrea Bürki. «Aber eigentlich wurden die Massnahmen ja aus sicherheitstechnischen Gründen gefällt.»

Mit der Forderung nach einer Umkehr zum alten Zustand dürften die Petenten und der Gemeinderat beim Kanton wohl nicht durchkommen. Bürki lässt aber hoffen: Derzeit wird gemeinsam mit der Polizei geprüft, ob wenigstens das Trottoir im obersten Teil der Schönenbuchstrasse für Velos wieder freigegeben wird.

2 Kommentare

  1. Erst kürzlich da hoch gefahren, aus Gewohnheit das Trottoir genommen und festgestellt dass da ein neuer Velostreifen gemalt wurde. Unsinnige Massnahme! Die Strasse ist viel zu eng und auf dem Troittor sind wahrhaftig keine Menschenmengen unterwegs. Ausserdem geht es berghoch. E-Bikes-Fahrer sollten einfach allgemein mehr Rücksicht zeigen.

    Ich finde es auf dem Trottoir sicherer und werde dieses weiterhin benutzen. Eine allfällige Busse verbuche ich unter Lebensversicherungsprämie.Report

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