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Schweiz

Abschluss des WEF: Scholz glaubt nicht an einen Sieg Putins

Vom 22. bis 26. Mai findet in Davos das World Economic Forum (WEF). Im Ticker bleiben Sie über die wichtigsten Ereignisse auf dem Laufenden.
Scholz glaubt nicht an Sieg Putins in der Ukraine

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich in Davos überzeugt davon gezeigt, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen wird. «Schon jetzt hat er alle seine strategischen Ziele verfehlt», sagte Scholz am Donnerstag in seiner Rede zum Abschluss der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums. «Eine Einnahme der gesamten Ukraine durch Russland scheint heute weiter entfernt als noch zu Beginn des Krieges. Mehr denn je betont die Ukraine ihre europäische Zukunft.»

Zudem habe die «Brutalität des russischen Kriegs» die ukrainische Nation enger zusammengeschweisst als je zuvor und zwei Staaten zur Annäherung an die Nato bewogen: «Mit Schweden und Finnland wollen sich zwei enge Freunde und Partner dem nordatlantischen Bündnis anschliessen. Sie sind herzlich willkommen!», sagte der Kanzler. Putin habe auch die Geschlossenheit und Stärke unterschätzt, mit der die Gruppe der sieben grossen Industrienationen (G7), die Nato und die EU auf seine Aggression reagiert hätten.

Putin wolle zurück zu einer Weltordnung, in der der Stärkere diktiere, was Recht sei, sagte Scholz. «Das ist der Versuch, uns zurück zu bomben in eine Zeit, als Krieg ein gängiges Mittel der Politik war.» Das Weltwirtschaftsforum in Davos geht an diesem Donnerstag nach vier Tagen zu Ende.

EU wieder Thema nach «heisser Phase» des Ukraine-Krieges

Bundespräsident Ignazio Cassis hat sich am Weltwirtschaftsforum in Davos bei einem Abendessen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgetauscht. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU haben angesichts des Krieges in der Ukraine keine Priorität. Er sei glücklicherweise am Vorabend neben von der Leyen gesessen, sagte Cassis am Dienstag an einer Medienkonferenz. Dadurch sei ein langes Gespräch möglich gewesen.

90 Prozent der Zeit während des Essens hätten sie aber über den Wiederaufbau der Ukraine gesprochen. Die EU unternehme viel, «ihre Sorgen sind die unseren», sagte Cassis. Es seien ein paar erste Schritte besprochen worden, die bereits vor der Wiederaufbaukonferenz im Juli im Tessin gemacht werden könnten.

Zum Ende der Unterhaltung hätten sie auch das Thema Schweiz – EU besprochen. Die Kommunikation sei: Wenn die heisse Phase des Krieges in der Ukraine vorbei sei, brauche es eine Lösung auch «bei unseren Problemen», die angesichts des Krieges etwas kleiner schienen, sagte Cassis.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, wollte sich auf gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nicht dazu äussern.

Parmelin spricht an WEF über Kriegs- und Corona-Pandemie-Folgen

Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat die Zeit am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos genutzt, um mit Amtskollegen über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu sprechen. Daneben standen die Probleme in den Lieferketten wegen des Ukraine-Krieges im Zentrum.

Mit der Delegation von Ägypten hat Parmelin etwa über die drohende Ernährungskrise gesprochen, wie der Wirtschaftsminister an einer Medienkonferenz am Dienstagabend sagte.

Zudem habe er den indischen Handels- und Industrieminister Piyush Goyal gefragt, warum er die Weizen-Lieferung gestoppt habe. Dieser habe erklärt, dass das mit der Trockenheit zu tun habe. Es würde nur eine geringe Ernte erwartet. Aus diesem Grund wolle man das zurückhalten, damit für die eigene Bevölkerung genug da sei.

Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat die Zeit am WEF in Davos genutzt, um mit Amtskollegen über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu sprechen. (Bild: Keystone)

In unterschiedlichen Gesprächen hat Parmelin über nächste Schritte bei Freihandels- oder anderen Abkommen gesprochen, etwa mit Vertretern aus Vietnam, Singapur oder Kanada, wie der Wirtschaftsminister ausführte. Mit der Wirtschaftsdelegation von Indonesien habe er ein Schutzabkommen für Investitionen unterzeichnet.

Auch die Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft seien Thema gewesen, sagte Parmelin. Daneben gehe es am WEF auch immer darum, neue Amtskolleginnen und -Kollegen kennenzulernen. Dieses Mal sei dies etwa der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck gewesen.

Geplant hatte Parmelin daneben Treffen mit dem brasilianischen Wirtschaftsminister Paulo Guedes, dem peruanischen Handelsminister Roberto Sánchez, der britischen Staatssekretärin für internationalen Handel Anne-Marie Trevelyan sowie mit dem EU-Kommissar für Handel Valdis Dombrovskis.

Konferenz im Tessin als «Kickoff» für Wiederaufbau der Ukraine

An einer gemeinsamen Medienkonferenz am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben Bundespräsident Ignazio Cassis und der zugeschaltete ukrainische Premierminister Denys Schmyhal ihre Erwartungen an die Wiederaufbaukonferenz in Lugano erläutert. Das Ziel sei, den «Pfad der Reformen» aufzugleisen.

(Video: Youtube/House of Switzerland)

Man wolle im Juli in Lugano Grundsätze festlegen, auf welchen Prinzipien dieser Pfad folge und wer dabei sein werde, sagte Bundespräsident Ignazio Cassis am Dienstagabend vor den Medien in Davos.

Vergangene Woche seien die Einladungen an 40 Länder und 18 internationale Organisationen geschickt worden. Der Bundespräsident erhofft sich unter den Gästen einige Staatschefs und Aussenminister. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll dabei sein, allerdings sei noch unklar in welcher Form.

Cassis möchte angesichts des Krieges in der Ukraine den Inhalt der ursprünglichen Reformkonferenz im Tessin «total abändern». Neu soll der Wiederaufbau der Ukraine im Zentrum der Konferenz am 4. und 5. Juli stehen. Dem Land solle dabei geholfen werden, sich wieder aufzubauen, vorwärts zu kommen und noch besser nach dem Krieg zurückzukommen.

«Man darf sich nichts vormachen: Die Herausforderungen des Wiederaufbaus sind enorm, das zeigen all die schrecklichen Bilder aus dem Kriegsgebiet», betonte der Bundespräsident. Ziel der Schweiz sei es, dass die Konferenz ein wichtiger Schritt sei auf dem anspruchsvollen Weg des Wiederaufbaus und ein Beitrag zur Stabilität in Europa.

Europäische Länder sollen Verteidigungsausgaben besser koordinieren

Die europäischen Länder sollen ihre Verteidigungsarchitektur besser koordinieren, um eine höhere Schlagkraft zu haben. Wenn man zum Beispiel separate Budgets habe, werde es nur teuer, hiess es an einer Diskussion am WEF in Davos. Das sagte die niederländische Verteidigungsministerin Kajsa Ollongren am Dienstag an einer Diskussion über die künftige Sicherheitsarchitektur in Europa am Weltwirtschaftsforum (WEF).

Dieser Meinung waren auch die anderen Teilnehmer. Wenn man das Total der Verteidigungsbudgets der europäischen Ländern mit jenem Russlands vergleiche, sei jenes der europäischen Länder viel höher, sagte etwa der belgische Premierminister Alexander De Croo. Allerdings sei das Budget viel fragmentierter und in viele kleine Teile zerstückelt. In den nächsten Jahren sollten daher alle zusammenspannen.

Die niederländische Verteidigungsministerin sagte ausserdem, dass die Ukraine nicht nur jetzt während des Krieges mit Waffen unterstützt werden müsse, sondern auch in Zukunft. Heute habe die Ukraine russisches Material. Da brauche es Ersatz, sagte Ollongren.

Die Waffenlieferung sei der stärkste Weg, die Ukraine zu unterstützen, sagte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Unterstützung seitens der Nato sei gewiss. Allerdings sei die Hauptaufgabe der Nato der Schutz der Nato-Mitgliedsstaaten. Es sei eine Herausforderung, die Ukraine zu unterstützen, ohne direkt einzugreifen, sagte Stoltenberg. Denn eine Eskalation müsse vermieden werden. Später gehe es dann auch um die Aufnahme der Ukraine in die Nato.

Von der Leyen: Kein Kommentar zu einem Treffen mit Cassis

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat Bundespräsident Ignazio Cassis bei einem Essen am Montagabend in Davos (GR) kurz getroffen. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA wollte sie nicht sagen, ob sie miteinander gesprochen haben oder nicht.

Anders als in anderen Jahren war während des Weltwirtschaftsforums (WEF) kein formelles Treffen zwischen der EU-Kommissarin und dem Bundespräsidenten geplant. Ein Sprecher von der Leyens hatte erklärt, dass die Verbindung zur Schweiz in den Zuständigkeitsbereich des EU-Kommissars Maros Sefcovic falle, der nicht in Davos anwesend sei.

Sefcovic kommt in die Schweiz

Am Montag liess die EU-Kommission zudem verlauten, dass Sefcovic bereit sei, in die Schweiz zu reisen, um mit Politikern und sonstigen Vertretern über die Beziehung Schweiz-EU zu diskutieren. Ein konkretes Datum für Sefcovic’ Schweiz-Besuch gibt es jedoch noch nicht.

Die Europäische Kommission hatte vor einigen Wochen eine Liste mit Fragen an die Schweiz geschickt, um die Blockade in der Diskussion zwischen der Schweiz und der EU zu lösen. Bis am Montagabend hat die EU-Kommission gemäss eigenen Angaben noch keine Antworten erhalten.

(Bild: Keystone)
Deutscher Wirtschaftsminister ruft zum Kampf gegen Welthunger auf

Deutscher Vizekanzler Robert Habeck hat angesichts einer drohenden globalen Nahrungsmittelkrise in Folge des russischen Kriegs in der Ukraine zu internationaler Zusammenarbeit aufgerufen.

«Wir werden, wenn wir keine andere Lösung finden, im nächsten Jahr einen grossen Mangel an der weltweiten Kalorienversorgung haben», sagte der Wirtschaftsminister am Montag am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Schweiz. Diese Nahrungsmittelkrise werde spezifisch Regionen treffen, die nicht zu den reichsten oder stabilsten gehörten. «Und wenn wir darauf so antworten, dass jedes Land sich nur um sich selber kümmert, also seine eigenen Vorräte aufstockt, dann wird diese Krise eskalieren», warnte der Grünen-Politiker.

(Bild: Keystone)

Habeck sprach sich für globale Kooperation und offene Märkte aus. «Und wir sind natürlich auch gehalten, um unseren eigenen, manchmal etwas überschwänglichen Verbrauch von Lebensmitteln zu reduzieren», sagte er. Statt sich nur noch auf sich selbst zu besinnen, müsse eine neue globale Handelsordnung her: «Daran festhalten, dass wir global miteinander interagieren, das solidarisch tun, fair und gerecht und zum Wohle der Menschen und nicht nur zum Wohle des Gewinns von einigen Unternehmen.»

John Kerry hatte am WEF Lust auf Schweizer Fruchtbonbons

Der US-Klimagesandte John Kerry hat offenbar eine Schwäche für fruchtige Bonbons aus Schweizer Produktion. Am Montag in Davos bemühte sich die Schweizer Delegation eifrig darum, ihm welche zu besorgen.

Kerry war zu einem bilateralen Treffen mit Bundespräsident Ignazio Cassis verabredet, als sich Cassis leicht verspätete, wie eine Quelle aus dem Umfeld des Treffens zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Als der US-Gesandte während des Wartens fragte, ob Cassis› Mitarbeiter eines der berühmten Bonbons bei sich habe, wurde der Mitarbeiter angewiesen, sie in der Bündner Bergstation kaufen zu gehen. Dieser habe sich aufgemacht, ihm die gewünschten Bonbons zu besorgen – und konnte dem US-Sonderbeauftragten welche bringen.

Klitschko: «In der heutigen Zeit kann man nicht mehr neutral sein»

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat am Open Forum anlässlich des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos deutlich gemacht was er von der Schweiz erwartet: Harte Sanktionen gegen Russland und Unterstützung der Ukraine.

«In der heutigen Zeit kann man nicht neutral sein. Die Welt ist schwarz oder weiss. Entweder man unterstützt die Ukraine oder Russland», sagte Klitschko am Montag in Davos vor Schweizer Medien.

Er appellierte, sofort alle Geschäfte mit Russland zu stoppen. Dieses Geld sei blutig, denn es fliesse direkt in die russische Armee. Die Sanktionen gegen Russland müssten hart sein, um den Krieg zu stoppen.

Bei der Gasversorgung machte die Schweizer Umweltministerin Simonetta Sommaruga am Sonntagabend in Davos den ersten Schritt. Die Bundesrätin vereinbarte mit ihrem deutschen Amtskollegen und Vizekanzler Robert Habeck, sofort Verhandlungen zu einem Solidaritätsabkommen aufzunehmen. Man will sich in Krisen – wie dem aktuellen Krieg in der Ukraine – gegenseitig unterstützen.

«In der heutigen Zeit kann man nicht neutral sein. Die Welt ist schwarz oder weiss. Entweder man unterstützt die Ukraine oder Russland», sagte der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko am Montag am WEF. (Bild: Keystone)
Ignazio Cassis drängt auf Entscheide an Tessiner Konferenz

Bundespräsident Ignazio Cassis sagte in seiner Eröffnungsrede am WEF in Davos, dass 40 Länder und 18 internationale Organisationen zur Tessiner Ukraine-Konferenz eingeladen worden seien. Dort sollen sich die Hauptakteure zum ersten Mal über das «komplexe System» des Wiederaufbaus austauschen. Auch wenn das Kriegsende heute noch nicht absehbar sei, wäre es «unverzeihlich», mit ersten Überlegungen noch zu warten.

Cassis sagte, dass die Schweiz anbiete, auch bei Folgeschritten aus der Konferenz erneut Gastgeberin zu sein. Am Dienstag will sich Cassis mit dem ukrainischen Aussenminister Dmytro Kuleba treffen, um über die Wiederaufbaukonferenz zu sprechen.

Bundespräsident Ignazio Cassis sagte in seiner Eröffnungsrede am WEF, dass an der Tessiner Konferenz erste Überlegungen zum Wiederaufbau der Ukraine gemacht werden müssten. (Bild: Keystone)

In seiner Ansprache machte Cassis auf die Zäsur aufmerksam, die dieser Krieg in der Ukraine bedeute. Die vergangenen Jahrzehnte seien für viele Jahrzehnte der Hoffnung gewesen. Man habe geglaubt, die nach dem kalten Krieg geschaffene Ordnung habe Bestand.

Allerdings verleite dieses «trügerische Fundament vermeintlicher Sicherheit» dazu, die eigene Verletzlichkeit zu unterschätzen, sagte Cassis. Wer glaube, dass diese Errungenschaften konstant seien, laufe Gefahr, die Risiken von aufkeimendem Nationalismus, Machthunger und Protektionismus zu übersehen. Dieser «Aggressionskrieg» habe die Ukraine als souveränen Staat in Trümmer gelegt, sagte Cassis.

Habeck für geschlossenes europäisches Öl-Embargo gegen Russland

Vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für ein von der Europäischen Union gemeinsam getragenes Öl-Embargo gegen Russland ausgesprochen. Die Verhandlungsführung müsse von der Europäischen Kommission aus gesteuert werden, sagte der Grünen-Politiker am Montag im Deutschlandfunk.

Er sprach von einer konzertierten Aktion, bei der die Europäische Union vorangehen müsse. «Es hilft jetzt nicht, wenn alle Länder anfangen ihr eigenes Ding zu drehen. Europas Stärke war jetzt gerade in dieser Phase, dass es zusammengestanden hat, zusammensteht», sagte Habeck.

Das schliesse auch die manchmal schwierigen Partnerländer ein, in diesem Fall etwa Ungarn. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die EU eine gemeinsame Linie finden werde. Habeck räumte allerdings ein, dass er enttäuscht sei, dass die Einführung des Öl-Embargos so lange dauere.

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck für ein von der Europäischen Union gemeinsam getragenes Öl-Embargo gegen Russland ausgesprochen. (Bild: Keystone)

«Wir sehen das Schlechteste von Europa», sagte Habeck später in einer Diskussionsrunde beim Weltwirtschaftsforum. Einige Staaten blockierten ein Embargo, wie das zuvor auch in anderen Bereichen geschehen sei. Zugleich gelte es zu beachten, dass nicht jedes Land in der gleichen Situation sei.

Dennoch erwarte er von allen, auch Ungarn, dass sie an einer Lösung arbeiteten und nicht einfach eine Ausnahme beriefen, sich zurücklehnten und auf ihre Partnerschaft mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin setzten.

Er könne sich Sonderlösungen für Ungarn und vielleicht andere Länder vorstellen, sagte Habeck. Diese müssten aber zu einer gemeinsamen Antwort führen. Das Beste, was in den vergangenen drei Monaten geschehen sei, sei die gemeinsame Antwort vieler Staaten auf die russische Aggression und die Verletzung internationalen Rechts gewesen.

Selenkskj hofft auf eigene Vorschläge von Tessiner Konferenz

Am Montagvormittag haben Bundespräsident Ignazio Cassis und WEF-Gründer Klaus Schwab das Weltwirtschaftsforum WEF eröffnet. Dabei wurde der ukrainische Präsident via Video zugeschaltet. Er äusserte seine Erwartungen an die Tessiner Wiederaufbaukonferenz.

Wolodimir Selenksyk hofft, dass die grossen Unternehmen und Partnerländer an der Wiederaufbaukonferenz im Juli im Tessin Wege finden und eigene Vorschläge machen würden, um die Ukraine beim Aufbau zu unterstützen, wie Selenskyj vor der WEF-Gemeinschaft sagte. Es gebe sehr viel zu tun, die Zerstörung sei enorm.

Die Ukraine stelle sich vor, dass jedes Partnerland, jede Firma, eine bestimmte Region oder eine bestimmte Industrie beim Wiederaufbau unterstützen könne, erklärte Selenskyj. Er wolle die Gelegenheit nutzen, der Schweiz für die Durchführung der Konferenz zu danken, sagte Selenskyj zudem.

Wolodimir Selenskyj sprach am Montag bei der Eröffnung des WEF in Davos. (Bild: Keystone)
Schweiz und Deutschland wollen Solidaritätsabkommen für Gas

Bei einem Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben sich die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Guy Parmelin mit dem deutschen Vizekanzler Robert Habeck ausgetauscht. Sie beschlossen, Verhandlungen zu einem Solidaritätsabkommen bei der Gasversorgung aufzunehmen. Weiter möchte Habeck zwischen der Schweiz und der EU vermitteln.

Die Schweiz und Deutschland wollen sich gegenseitig bei Energiekrisen wie aufgrund des Krieges in der Ukraine helfen. Die Verhandlungen zum Solidaritätsabkommen werden sofort aufgenommen.

Ziel des Abkommens sei, «dass wir uns im Notfall gegenseitig unterstützen können», sagte Bundesrätin Sommaruga am Sonntagabend nach dem Treffen vor der Presse in Davos. «Wir wissen nicht, wie lange es dauern wird», aber der Wille für «eine pragmatische Lösung» sei da.

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Simonetta Sommaruga, Guy Parmelin und der deutsche Vizekanzler Robert Habeck haben sich am Rande des WEF ausgetauscht. (Bild: Keystone)
Cassis zeichnet an WEF neue Szenarien für Globalisierung auf

In seiner Eröffnungsrede am Wirtschaftsforum WEF hat Bundespräsident Ignazio Cassis vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise auch einen Blick auf Fragen zur Globalisierung geworfen. Es stelle sich nämlich die Frage, was das Risiko zunehmender Polarisierung für die Märkte, die Volkswirtschaften und den Wohlstand bedeuteten.

Der Krieg verändere vieles fundamental, sagte Cassis vor den WEF-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern in Davos. Er skizzierte drei mögliche künftige Szenarien für die Globalisierung.

Ein Szenario sei die «sektorielle Globalisierung». Wenn Blöcke gebildet würden, führe dies zu einer Entkopplung der Wirtschaftsräume, in welchem die Kreisläufe nur noch regional erschlossen seien. Das berge aber enorme Risiken, sagte Cassis. Darunter seien etwa die Gefahren einer zugespitzten Machtpolitik, kalter Handelskriege oder von blockierten Austausch. Dies habe zur Folge, dass es zu Wohlstandsverlusten komme.

In seiner Eröffnungsrede am Wirtschaftsforum WEF hat Bundespräsident Ignazio Cassis vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise auch einen Blick auf Fragen zur Globalisierung geworfen. (Bild: Keystone)

Als weiteres Szenario sprach Cassis davon, die «Hyperglobalisierung» zurückzuschrauben. «Dies könnte vielleicht eine Übergangslösung sein», sagte Cassis. Ziel wäre es, Abhängigkeiten zu reduzieren, indem Ressourcen renationalisiert würden. Der Preis sei aber, dass Produkte teurer würden.

Das dritte Szenario ist für Cassis der gangbarste Weg. Da geht es um die Stärkung des Multilateralismus. Dieser müsse seine Kräfte schwergewichtig auf jene Fragen konzentrieren, die isoliert nicht lösbar seien, sagte Cassis, zum Beispiel zum Klimawandel, zu Pandemien oder zur extreme Armut.

«Wir können in diesen dynamischen Zeiten nicht statisch bleiben», sagte der Bundespräsident.

Unternehmer gründen am WEF Nachhaltigkeits-Allianz

21 Schweizer CEO und Verwaltungsratsmitglieder haben am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) eine Allianz zur Nachhaltigkeit lanciert. Das Ziel sei es, zusammen Nachhaltigkeit in den Unternehmen zu fördern und die Umsetzung der Agenda 2030 zu beschleunigen.

«Das ist nicht eine weitere Initiative», sagte Mitbegründer André Hoffmann, Vizepräsident von Roche, bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des Weltwirtschaftsforums (WEF). «Es ist ein grundlegender Weg», damit die Wirtschaft angesichts der Umweltzerstörung einen Beitrag leistet.

Angesichts der Corona-Pandemie, Krisen bei der Nahrungsmittelernte oder Konflikten müssten die Chefs und Verwaltungsräte aktiv werden, sagte er weiter. «Die Gründungsmitglieder dieser Allianz trafen die Entscheidung, vom Wettbewerb zur Zusammenarbeit überzugehen.» Der Basler Pharmakonzern ist der grösste Akteur unter den ersten assoziierten Unternehmen.

Davos im Metaversum: WEF-Gründer kündigt digitales Grossprojekt an

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos bereitet sich auf eine virtuelle Zukunft vor. WEF-Gründer Klaus Schwab hat in einem Interview die Schaffung eines globalen Dorfs für die Zusammenarbeit in der digitalen Parallelwelt angekündigt.

«Wir wollen Davos ins Metaversum bringen und ein Global Collaboration Village aufbauen. Als open source», sagte Schwab der «Neuen Zürcher Zeitung» (Montagausgabe). Es handle sich um ein «sehr grosses neues Projekt». Dafür wendete der 84-Jährige laut eigenen Angaben im vergangenen halben Jahr etwa sechzig Prozent seiner Zeit auf.

Das WEF plant demnach das digitale Projekt zusammen mit dem Technologiekonzern Microsoft, der Beratungsfirma Accenture und verschiedenen internationalen Organisationen. Das Global Village soll zur ersten Metaversum-Anwendung mit einem echten Zweck werden, sagte Schwab.

Es gebe in der virtuellen Welt das Kongresshaus für Zusammenkünfte und fünf Pavillons, die den fünf Zentren beim Weltwirtschaftsforum entsprächen. «In den Pavillons können sie an verschiedenen Projekten arbeiten», sagte Schwab. Das Global Village soll zu einer grossen Plattform werden, die internationale Initiativen versammelt und unter ihnen Übersicht und Synergien schaffe.

WEF-Gründer Klaus Schwab hat in einem Interview die Schaffung eines globalen Dorfs für die Zusammenarbeit in der digitalen Parallelwelt angekündigt. (Bild: Keystone)

Die in Cologny GE beheimatete WEF-Stiftung hatte sich im Dezember und Januar über ein Dutzend Marken mit dem Namen «Meta» sichern lassen, wie die «Bilanz» im Februar berichte. Darunter seien Bezeichnungen von Metadavos, Metaforum und Metaplaza über Metatownhall, Metacouncil bis zu Metasymposium und Metamarketplace.

Der virtuelle Treffpunkt soll persönliche Begegnungen vor Ort aber nicht komplett ersetzen. «Virtuelle Treffen funktionieren sehr gut, um Informationen auszutauschen. Aber nur über eine Videokonferenz können Sie kein Vertrauen bilden zwischen Unbekannten», sagte Schwab weiter. Dafür brauche es die persönliche Begegnung.

Das World Economic Forum sei insbesondere nach der Pandemie eine geeignete Plattform, um wieder zu persönlichen Gesprächen zurückzufinden, sagte Schwab. Ohne diese sei in einem sich abkühlenden Politklima keine Annäherung möglich.

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