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Sänger Campino blickt zurück auf bewegende und lustige Momente, wie jene am ersten Schweizer Konzert 1984 in Biel. (Video: Keystone)
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Die Toten Hosen feiern 40-Jahr-Jubiläum

Die Toten Hosen feiern dieses Jahr ihr 40-jähriges Band-Bestehen. Im Sommer kommt die Gruppe für zwei Konzerte in die Schweiz.

Das Verhältnis zum Schweizer Publikum bezeichnet Frontmann Campino als «Seelenverwandtschaft». Aus Liebe habe er sogar einmal den Bieler Gaskessel gekehrt. Das war 1984 – und eigentlich hat er es nach eigenen Angaben viel mehr aus Liebe zu einer bestimmten Person, einem «Mädchen aus der Local Crew», getan. Seine Mitmusiker hätten den Besen anschliessend heimlich eingepackt und ihm nach den nachfolgenden Konzerten immer wieder als Witz in die Hände gedrückt, erzählte der 59-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Die mit dem Sarg sind da» hiess die Tour, die die Toten Hosen damals zum ersten Mal in die Schweiz brachte. Und einen Sarg hatte die Band auch wirklich dabei – umfunktioniert in einen Gitarrenkoffer. Auf ihren Reisen sei «immer viel Wahnsinn dabei» gewesen, sagt Campino ein paar Anekdoten später.

In der Schweiz verstanden gefühlt

In der Schweiz haben sich Die Toten Hosen vom ersten Moment an verstanden gefühlt. Dass sich die Schweizer Punks seinerzeit für ihre Spiessigkeit entschuldigt hätten, war für Die Toten Hosen unverständlich. Sie empfanden die hiesige Szene als genau gleich wild und verlockend wie in deutschen oder britischen Grossstädten.

«‹Züri brännt›, die Rote Fabrik, es war alles da, was wir damals gut fanden», so Campino. Die Toten Hosen hätten sich mit Schweizer Bands aus der Bubble angefreundet – Kleenex, die später Liliput wurden oder Hungry For What etwa – und immer Hürlimann-Bier getrunken «weil wir den Namen so lustig fanden». Und: «Wir haben gemeinsam so viel gelacht.»

Vier Jahrzehnte sind die Toten Hosen inzwischen zusammen unterwegs, es gäbe hunderte solcher Geschichten zu erzählen. Die Düsseldorfer fassen ihre Karriere aber vorerst in musikalischer Form zusammen. «Alles aus Liebe: 40 Jahre Die Toten Hosen«, heisst das Doppelalbum, das am kommenden Freitag erscheinen wird.

Es sei eine Werkschau, kein Best-of-Album, betont Andreas Frege, wie Campino mit richtigem Namen heisst. «Wir halten aber nicht nur in der Vergangenheit an, sondern berichten auch aus dem Hier und Jetzt, was gerade im Proberaum los ist.»

Will heissen, dass nicht nur die grössten Hits (darunter «Bonnie & Clyde», «Hier kommt Alex», «Tage wie diese»), sondern auch sieben neue Songs drauf sind. «Alle sagen das» beispielsweise, das von Tempo und Knalleffekt her stark an die früheren Toten Hosen erinnert. Oder «Teufel», das einen dann eher in einen wohligen Rock-Schlager-Rhythmus reinschaukelt.

Wenig Geld aber sehr viel Lebenslust

Parallel zum runden Bandjubiläum wird Campino dieses Jahr 60. «Der Chaot, der ich früher war, ist immer noch da», singt er in «Chaot (in mir)», einem der neuen Lieder auf dem Album. Spannend wärs, dieser Aussage nachzugehen, wo der Sänger doch alles andere als chaotisch wirkt, während er in einem traditionsträchtigen Zürcher Gasthaus Red und Antwort steht. Eher entspannt und sehr wohlwissend darum, was er sagt und tut.

Doch um dies zu vertiefen, ist die Interviewzeit zu kurz. Was Campino aber anspricht, ist sein Verständnis dafür, was junge Menschen antreibt. Menschen, die rebellieren, für Chaos sorgen. Im Teenageralter sei es ganz klar, «dass die Kids rauswollen aus der Enge, dass sie die Welt kennenlernen wollen», sagt er. Und sowohl früher wie heute sei diese Phase geprägt von der Diskrepanz, «wenig Geld aber sehr viel Lebenslust» zu haben.

Doch: «Rebellion nur um der Rebellion Willen, das ist Quatsch», fügt er hinzu. «Spass an der Provokation ist irgendwann zu wenig.» Man müsse schon feste Ziele haben, von denen man sich nicht abbringen lassen will.

Fehlen der nötigen Naivität

Wofür sich der Musiker und Schriftsteller («Hope Street») heute einsetzen oder wogegen er sich stellen würde, wäre er noch einmal jung, kann er nicht sagen. Vermutlich würde er sich in den Kampf gegen den Klimawandel werfen oder an Politdemonstrationen teilnehmen, meint er.

Mit dem Wissen, das er habe, könne er sich diesbezüglich allerdings nur begrenzt in die Welt von heute versetzen. «Mir fehlt die nötige Naivität , um fest daran zu glauben, dass ich die Welt verbessern könne. Aber wenigstens glaube ich noch daran, dass ich mich selbst verbessern kann.»

Was ihn und seine Band in ihrem heutigen Erwachsensein beschäftigt, ist auf dem neuen Album zu hören. «Die neuen Songs stellen im Grunde dar, wo wir uns musikalisch aktuell befinden und was uns umtreibt», sagt Campino. Am 17. Juli spielen Die Toten Hosen ihre alten und neuen Nummern im Zürcher Letzigrund, am 20. Juli am Moon & Stars in Locarno. Und nein, den Besen aus Biel werden sie nicht mehr dabei haben. «Er steht auch nicht bei mir zu Hause in einer Vitrine.»

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