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Der Telebasel News-Beitrag vom 20. Mai 2022.
Basel

Ob Rollstuhl, Pille oder Velokette – Lieferprobleme belasten das Gewerbe

Pandemie, China-Lockdown und Krieg schütteln die globalen Lieferketten durch. Das spüren auch Basler Geschäfte – etwa bei Ersatzteilen und Medikamenten.

Die Beinstützen des Rollstuhls sind kaputt. Die Ersatzteile lassen auf sich warten. Die globalen Lieferengpässe sind auch im Sanitätshaus St. Johann spürbar. Wie Geschäftsführer Thomas Imgrüth erklärt, sieht es auch bei den Spitalbetten nicht gut aus. PatientInnen, die nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus ein solches Bett für zuhause brauchen, können aber nicht lange warten, ebenso wenig die RollstuhlfahrerInnen. «Das bedeutet, wir müssen den Patienten mit einer Zwischenversorgung ausrüsten, damit er mobil bleibt», sagt Thomas Imgrüth. Als Versorger für Hilfsmittel für Kranke und Betagte könne man aber nicht monatelang warten. Oft sei sein Geschäft gefordert, für die KundInnen kurzfristig etwas zu beschaffen, wenn nötig auch bei Mitbewerbern.

Wenn dem Patienten der Rollstuhl fehlt

Der Lockdown in China legt ganze Häfen lahm. Generell wurde die weltweite Logistik während der Coronakrise durchgeschüttelt. Der Krieg in der Ukraine und die Treibstoffpreise machen die Sache noch verworrener. Was auf dem globalen Markt geschieht, ist somit auch im Sanitätshaus in Basel spürbar.

Oft sind es nicht die fertigen Produkte, wohl aber die Einzelteile, die zum Beispiel in China hergestellt werden und nicht geliefert werden können. Die Preise seien daher unberechenbarer geworden und ständigen Schwankungen ausgesetzt, wie Thomas Imgrüth erklärt. «Wir reden da von 5 bis 15 Prozent Mehrkosten, die auf uns als Importeure zukommen». Bald könnten die Importeure das nicht mehr schlucken und müssten das auf die Preise abwälzen.

Anderthalb Jahre Wartezeit für ein Velo

Ein ähnliches Problem hat die Velobranche. Manche in Asien produzierte Bestandteile können nicht importiert werden. Somit sind auch nicht mehr alle Fahrradmodelle lieferbar. Der Velomechaniker Bruno Gambino kann davon ein Lied singen. «Der Extremfall war ein Velo, auf das ich anderthalb Jahre warten musste», sagt der Inhaber der Werkstatt Biciclettista am Steinentorberg.

Etwas mehr Glück hatte Bruno Gambino bei einem italienischen Lieferanten, wenn er auch nicht gewünschte Menge bekam. Er bestellte dort acht Velos und erhielt vier. Als er dort anrief, bekam er eine erstaunliche Antwort. «Die Sekretärin sagte, ich sei privilegiert, da ich immer pünktlich die Rechnungen bezahlte und zudem bei der Firmenbesichtigung in Venedig Schweizer Schokolade dabei hatte», sagt Bruno Gambino und schmunzelt. Das Problem sind aber nicht nur Lieferengpässe bei fertigen Velos, sondern auch bei Bestandteilen. Fehlen bestimmte Ersatzteile, macht das die Reparaturen komplizierter. Und das wird dann auch für die KundInnen teurer.

Grössere Verzögerungsliste in der Apotheke

Auch der Apotheker François Bocherens kennt Lieferschwierigkeiten. Er führt die Victoria-Apotheke im Neubad. Zu Beginn der Pandemie war das Rheumamittel Plaquenil sehr gefragt, da es gegen die Folgen von Covid-19 helfen sollte. Dabei gab es sogar eine Kontingentierung für dieses Medikament.

Auch jetzt gebe es immer wieder Verzögerungen bei Bestellungen gewisser Heilmittel. «Wir haben Medikamente, die monatelang nicht kommen und es hat andere, die zwei, drei Wochen nicht kommen, wenn es gerade einen Engpass gibt. Meistens wissen wir auch nicht genau, was die Ursache ist», erklärt François Bocherens. Die Lieferketten seien schliesslich oft nicht rückverfolgbar. Ob nun eine Ladung in einem Container im Hafen von Shanghai feststeckt oder ob es eine Verzögerung bei der Registrierung gibt: Die Gründe sind unterschiedlich. «Die Pandemie hat sicher eine Verstärkung des Problems gebracht, wir hatten mehr fehlende Medikamente, die fehlen und mit dem Krieg auch, also die Liste ist grösser geworden», so der Apotheker.

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