Die Corona-Pandemie stellte die Leistungsfähigkeit der Schweizer Unispitäler auf die Probe. (Bild: Keystone)
Schweiz

Unispitäler behandelten bisher knapp 22’000 Covid-Patienten

Die Corona-Pandemie war eine der grössten Herausforderungen für die Unispitäler in den letzten Jahrzehnten. Sie zeigte laut Vertretern deren zentrale Rolle.

Die Corona-Pandemie habe die zentrale Rolle der fünf Universitätsspitäler als «Rückgrat des Schweizer Gesundheitswesens» verdeutlicht. Aber nur mit einer stärkeren Finanzierung könnten diese ihre «gesamtgesellschaftliche Funktion» in Zukunft noch erfüllen, warnten deren Direktorinnen und -Direktoren am Donnerstag.

Die Pandemie habe die Systemrelevanz der Schweizer Universitätsspitäler eindrücklich aufgezeigt, sagten die Chefs der fünf Universitätsspitäler vor den Medien in Bern. Von Januar 2020 bis Ende April dieses Jahres hätten sie 21’890 Covid-Patientinnen und -Patienten stationär behandelt, 3’362 davon auf der Intensivstation und weitere 3’861 auf einer Intermediate Care Station, hiess es in einer Mitteilung.

Das entsprach rund 42 Prozent der Behandlungen von Covid-19-Patientinnen und -Patienten in der Schweiz. Vor allem bei der Betreuung der intensivpflegebedürftigen Patientinnen und Patienten wäre die Corona-Pandemie ohne die Universitätsspitäler mit ihrem Know-how, ihren spezifischen Kompetenzen sowie ihren Ressourcen und Infrastrukturen nicht zu bewältigen gewesen.

Zudem seien sie wichtige Stützen der nationalen Impfstrategie gewesen mit 1,5 Millionen Tests und 761’000 durchgeführten Impfungen. Sie hätten die Forschung vorangetrieben, rund 2000 Artikel über die Pandemie veröffentlicht und danach den Kolleginnen und Kollegen ihr Wissen unentgeltlich zu Verfügung gestellt.

352 Millionen Franken Mehraufwand

Doch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht habe die Pandemie bei den Universitätsspitälern gravierende Spuren hinterlassen. Gemäss der Medienmitteilung betrug allein der Covid-spezifische Mehraufwand für Personal und Sachkosten über alle fünf Universitätsspitäler hinweg 352 Millionen Franken. Der Ertragsausfall im stationären Bereich belief sich zusammen auf 250 Millionen Franken in den beiden Pandemiejahren 2020 und 2021.

«Unverzichtbare» Leistungen wie das Rund-um-die-Uhr-Bereitstellen der spezifischen Infrastruktur und des Fachpersonals für die Notfallmedizin, die Intensivmedizin sowie die (hoch-)spezialisierte Medizin seien finanziell ungenügend abgegolten worden. Selbst nach den Standortbeiträgen der Kantone sei den Universitätsspitälern noch ein Verlust von 80 Millionen Franken geblieben.

«Niemand will den Preis bezahlen»

«Wir sind die Garanten für eine qualitativ hochstehende Versorgung in Krisensituationen, Lehre, Forschung und Weiterbildung», sagte Inselgruppe-Direktor Uwe Jocham. Doch diese Leistungen würden von Verwaltung und Politik zu wenig anerkannt. Niemand sei bereit, diesen Preis zu zahlen.

Stattdessen verschlechterten sich die Rahmenbedingungen durch die Reformprojekte auf Bundesebene. Die neuen Tarifsysteme oder eine allfällige Kostenbreme lösten die Probleme der Spitäler nicht, sondern sie verschärften stattdessen die Herausforderungen.

Die Gesetzesreformen trügen der speziellen Rolle der Universitätsspitäler zu wenig Rechnung: «Wir pflegen die schwierigsten und kompliziertesten Fälle», sagte der Direktor des Lausanner Unispitals CHUV, Philippe Eckert. Deshalb verlangten sie ein koordiniertes System, das die Unterschiede zu den anderen Gesundheitsunternehmen berücksichtige.

Doppelbelastung des Personals

Auch der Fachkräftemangel akzentuiere sich weiter, nachdem viele Mitarbeitende während der Pandemie ihre Pensen aufgestockt hätten. Es drohe ein Personalverlust von 10 bis 15 Prozent, vor allem in der Pflege, hiess es.

Ausserdem sei das Personal während der Pandemie einer Doppelbelastung ausgesetzt gewesen, sagte die stellvertretende Chefin des Unispitals Zürich, Katja Bruni: Zum Druck bei der Arbeit seien auch noch die Herausforderungen im persönlichen Umfeld dazugekommen.

Es mute deshalb «sehr befremdlich» an, wenn die Versicherer einen Teuerungsausgleich für das Personal ablehnten mit dem Argument, dass ihre Tarife für die stationären Behandlungen, die sogenannten Baserates, schon jetzt zu hoch seien, sagte Betrand Levrat, Direktor des Unispitals Genf (HUG).

Dass die Baserate-Verträge in der Folge gekündigt worden seien, bezeichnete Jocham als «fast unerträglich». Denn wenn die besonderen Leistungen der Unispitäler nicht anerkannt würden, dann sehe die Zukunft düster aus.

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