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Der Telebasel News-Beitrag vom 7. Mai 2022.
Basel

So werden traditionelle Pflanzen vor dem Verschwinden bewahrt

Die Stiftung Pro Specie Rara hat eine Mission: Sie will die genetische Vielfalt von Kulturpflanzen sichern. Sie bildet deshalb SortenbetreuerInnen aus.

Haben Sie schon einmal von Wurzelpetersilie oder von einer Kerbel-Rübe gehört? Früher baute man diese Pflanzen noch an. Heute sind sie vom Aussterben bedroht. Die Stiftung Pro Specie Rara hat deshalb eine Mission: Sie will die genetische Vielfalt von Kulturpflanzen und Nutztieren für künftige Generationen sichern.

Das Wissen dazu gibt die Stiftung in Kursen an ehrenamtliche Helferinnen und Helfer weiter. «Wenn man seltene oder vom Aussterben bedrohte Sorten nämlich nicht immer wieder anpflanzt, verschwinden sie», erklärt Philipp Holzherr, Bereichsleiter Garten-, Acker- & Zierpflanzen bei Pro Specie Rara.

Sorten im eigenen Garten vermehren

In diesem Samenanbaukurs werden zukünftige Sortenbetreuer und Züchterinnen ausgebildet. Die ehrenamtlichen HelferInnen sind für die Arbeit von Pro Specie Rara essentiell. Sie pflanzen nämlich bei sich zu Hause im Garten oder auf dem Balkon seltene Pflanzen an, erklärt Philipp Holzherr. «Das man lernt, Samen selbst anzubauen, scheint uns sehr wichtig. Denn so kann man Sorten wieder lokal vermehren und die Pflanzen können sich lokal anpassen. Unsere Idealvorstellung wäre, dass es in der ganzen Schweiz angepasste Sorten hat und dadurch eine Vielfalt existiert, auf die man immer zurückgreifen und sie untereinander tauschen kann. So wäre man auch nicht mehr abhängig von Saatgut aus der ganzen Welt.»

Ändernde Klimaverhältnisse

Es gibt sogenannte Saatgutbanken, welche die Samen für lange Zeit einlagern, sie aber nicht mehr hervorholen. Für Philipp Holzherr sei das jedoch nicht die beste Lösung, die Arten für die Nachwelt aufzubewahren. «Unsere Meinung ist, dass man so die Sorten nicht richtig am Leben erhält.» Oft wisse man nicht mehr, wie die Umweltbedingungen vor 20 Jahren mal waren, erklärt der Agrarwissenschaftler. «Man kennt die Sorte nicht mehr, wenn man sie einfach irgendwo einlagert. Deshalb ist es uns von Pro Specie Rara so wichtig, dass man die Samen immer wieder aussäht, anbaut und Neuvermehrungen macht. So passen sie sich nämlich an veränderte Klimabedingungen an.»

Die Samen-Bibliothek

Dieser Samenbau ist nicht einmal so unkompliziert. Jede Pflanze sei, in der Praxis zumindest, anders. Das wolle gelernt sein, so Holzherr. Die Stiftung biete den ehrenamtlichen HelferInnen deshalb Unterstützung auf allen Ebenen. Neben den Kursen betreibt Pro Specie Rara im Hauptsitz in den Merian Gärten eine besondere Bibliothek, eine Samen-Bbibliothek. «Hier bekommen wir von den samenvermehrten Pflanzen immer wieder Saatgut und geben auch welches raus. So haben wir eigentlich immer wieder ein Backup und Sicherheit, dass die Sorten überleben.» Ein Geben und ein Nehmen also.

Jede x-beliebige Sorte erhält in der Samenbibliothek jedoch keinen Platz. Sie müsse schon gewisse Kriterien erfüllen: Samenfest müsse sie sein, das heiss, Hybriden sind nicht erlaubt. Weiter dürfe sie nicht im Grosshandel erhältlich sein und müsse in der Schweiz einmal traditionellerweise angebaut und genutzt worden sein. Hat sich eine seltene Gemüsesorte von Pro Specie Rara wieder bei einem Landwirt etabliert, so findet man sie mit diesem Label sogar bei den Grossverteilern. Samen von Pro Specie Rara sind übrigens auch bei Coop Bau + Hobby erhältlich.

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