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Der Telebasel News-Beitrag vom 1. Mai 2022.
Baselland

Eine indische Päpstin – ist das möglich?

«Schweizer Jugend forscht» zeichnet jedes Jahr junge ForscherInnen für ihre Maturarbeiten aus. Eine von ihnen ist Christin Pandiamakkal aus Liestal.

«Eine indische Päpstin – ein Ding der Möglichkeit?» Unter diesem Titel wollte die Maturandin Christin Pandiamakkal aus Liestal herausfinden, welche beruflichen Möglichkeiten Frauen der syro-malabarischen Kirchgemeinde haben.

Malabar ist ein Teil des Bundesstaats Kerala im Süden Indiens, wo Christins Familie ursprünglich herkommt. «Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, das ist ein globales Diskussionsthema in der heutigen Zeit. In vielen Ländern und Berufsfeldern wird auf verschiedenen Ebenen daran gearbeitet, dass für Frauen und Männer Chancengleichheit herrscht», schreibt Christin Pandiamakkal in ihrer Arbeit. In der Kirche gebe es allerdings Defizite, gerade in der katholischen.

Gleichberechtigung in der Kirche als «westlicher Unsinn»

«Ich habe eine Kirchenhierarchie erstellt. Diese gleicht jener, die wir aus der römisch-katholischen Kirche hier auch kennen. Oben an der Spitze ist der Papst, dann kommt der Bischof, dann der Priester, dann der Diakon. Und letztlich gibt es unten noch einen Kasten, wo Theologen, Religionslehrer oder Ministranten drin sind. Und Frauen dürfen tatsächlich nur Berufe des unteren Kastens ausüben.» In den Gesprächen mit Frauen vor Ort in Kerala, habe sich jedoch herausgestellt, dass diese oft nicht einmal jene Ämter ausführen dürfen. Das hänge zumeist davon ab, dass der zuständige Priester das nicht wolle.

Eine spannende Wendung

Von Gleichberechtigung in der Kirche wollten die Frauen im Gespräch mit Christin zuerst nichts wissen. Das seien doch jugendliche Flausen, «westlicher Unsinn», habe es geheissen, erzählt Christin. «Oft habe ich auch gehört: ‹Wir Frauen sollten es ja eigentlich schätzen, dass wir nichts machen müssen – ausser zu existieren und das genügt Gott schon, wir werden schon so wertgeschätzt.› Aber während dieser Stunde, in der ich mit den Gesprächspartnerinnen eine Vertrauensbasis aufbauen konnte, kam raus, dass sie Gleichberechtigung schon gerne anstreben würden. Eine solche zu sehen, wäre unglaublich. Sie können es sich nicht wirklich vorstellen, aber das Bild von einer Frau auf Augenhöhe mit dem Bischof wäre schon krass», erzählt Christin aus ihren Begegnungen.

Female Empowerment

Für die Gymnasiastin sei das Thema «Female Empowerment» auch sonst sehr wichtig. «Es gibt immer dieses passive Ärgern, wenn ein Kommentar gegen Frauen oder etwas Unterdrückendes kommt. Und auch deshalb wollte ich bei der Maturarbeit die Chance ergreifen, tiefer in das Thema einzutauchen.»

Aus dem Finale von «Schweizer Jugend forscht» in Lugano, konnte Christin Pandiamakkal viele Inputs von Professoren, Expertinnen und anderen Leuten mitnehmen. Und auch das ein oder andere Erfolgserlebnis: «Es kam dann auch jemand aus der jüdischen Kirchgemeinde in Basel-Stadt und hat mir gesagt, sie habe sich auch überlegt, in ihrer Kirche eine Frauenbewegung zu starten.»

Studieren will Christin Pandiamakkal aber weder Religionswissenschaften noch Genderstudies. Biologie und Englisch strebt sie an und will mal an einem Gymnasium unterrichten.

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