(Bild: Telebasel)
Basel

Zuger Immobilienfirma verzockt sich mit Kleinbasler Wohnung

Eine normale Wohnung, die seit einem halben Jahr niemand will. Grund ist ein hoher Mietzinsaufschlag, der ins Leere lief. Nun krebsen die Eigentümer zurück.

Claramatte, Kaserne und Feldbergstrasse sind ganz in der Nähe der Wohnung. Es ist ein Nebeneinander von Ausgang, Alkohol und Abfalldeponien auf der einen Seite und Kindergeschrei und Familienfesten auf der anderen. Es geht also um eine Dreizimmerwohnung in einer nicht teuren, aber belebten Gegend. Dennoch findet sie keinen Abnehmer. Seit Oktober 2021, also seit über einem halben Jahr, steht sie leer. Noch bis vor wenigen Wochen waren noch immer die Namen der Vormieter bei der Türglocke zu sehen.

Das Ganze hat eine Vorgeschichte. Bis 2019 gehört die Liegenschaft einer betagten Privateigentümerin. Ihr Sohn kümmert sich um die Mietangelegenheiten und ist auch die Ansprechperson. Der Mann verschwindet jedoch eines Tages von der Bildfläche. Eine Immobilienverwaltung meldet sich zu Wort. Allerdings nicht mit einem Brief, sondern mit einem Aushang im Treppenhaus. Die Mieterinnen im Hinterhaus bekommen die Nachricht daher nicht zu Gesicht. Die Firma kündigt an, von nun an die Geschicke des Hauses zu übernehmen. Sie schreibt aber nicht, wem die Liegenschaft gehört.

Ein verschwundener Eigentümer und eine falsche Kündigung

Ein Blick ins Grundbuch zeigt, dass die Zuger Immobiliengesellschaft Brickvalue 2 AG das Gebäude übernommen hat. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer fast gleichnamigen Immobilienfirma im Handelsregister, der Brickvalue AG in Zürich. Von der ehemaligen Eigentümerin und deren Sohn fehlt hingegen jede Spur. Die beiden verabschieden sich auf Französisch von den MieterInnen. Dies ist erstaunlich, schliesslich kam der Sohn immer mal wieder vorbei, um mit den Leuten zu plaudern. Wie manche von ihnen vermuten, ist er in die USA ausgewandert. Da seine Frau von dort kommt, habe er immer wieder Andeutungen in diese Richtung gemacht.

Die Immobilienverwaltung meldet sich im gleichen Jahr tatsächlich einmal per Post bei den Mietparteien. Allerdings prompt mit einer Kündigungsdrohung. In einem Brief werden die MieterInnen aufgefordert, unverzüglich ihre Miete zu bezahlen, ansonsten müssten sie raus. Mehrere Mietparteien haben das Schreiben erhalten, obwohl sie pflichtbewusst einbezahlt haben. Erst beim Nachhaken bei der Firma mit dem Zahlungsbeleg klärt sich, dass es sich hiermit um einen Fehler gehandelt hat. Ein Entschuldigungsbrief bleibt aber aus. Ob diese unglückliche Arbeitsweise mit ein Grund war oder nicht: Rund ein Jahr später wechseln die Eigentümer Brickvalue 2 AG die Immobilienverwaltung aus.

Preis wie in der Grossbasler Altstadt

Zurück zur besagten Dreizimmerwohnung, die niemand will. Im Oktober 2021 zieht die zuletzt dort wohnhafte Familie aus. Die Wohnung wird auf den gängigen Portalen ausgeschrieben. Allerdings zu einem ganz anderen Preis. Die Vormieter bezahlten dafür 1’280 Franken plus 175 Franken Nebenkosten. Insgesamt also 1’455 Franken. Schon als sie dort einzogen, verrechnete die damalige Eigentümerin einen Zuschlag von 100 Franken. Nun wird die Wohnung wesentlich teurer. Die Warmmiete beträgt nun stolze 1’755 Franken. Auch ohne Sanierungen steigt der Mietzins somit um 300 Franken.

Man beachte: Der mittlere Nettopreis für eine Dreizimmerwohnung liegt im Matthäusquartier bei 1’278 Franken, so die Angaben des Statistischen Amts Basel-Stadt. Zum Vergleich: Einen ähnlichen Preis bezahlt man nur in der Grossbasler Altstadt. Dort liegt der Durchschnitt bei einer Miete von 1’748 Franken für eine Wohnung dieser Grösse.

Bewerbung wegen Miete-Aufschlag zurückgezogen

Vor der Mietschlichtstelle stände die Firma zudem auf dünnem Eis. Artikel 270 im Obligationenrecht besagt, dass der Mieter innert 30 Tagen den Betrag anfechten kann. Dies ist etwa dann möglich, wenn er sich aufgrund einer Notlage gezwungen sieht, den Vertrag abzuschliessen. Oder aber, wenn der Vermieter den Anfangsmietzins gegenüber dem früheren Betrag «für dieselbe Sache erheblich erhöht hat». Wie hoch der Aufschlag sein muss, geht daraus nicht hervor. Der Mieterverband spricht in seinen Empfehlungen in Bezug auf diesen Artikel von einer Preiserhöhung um mindestens zehn Prozent. Das wäre bei der besagten Wohnung mehr als deutlich der Fall.

Der Aufschlag hat entsprechend Konsequenzen: Wie üblich geben die Vormieter Besichtigungstermine bekannt, doch niemand will sich die gut gelegene Kleinbasler Wohnung mit zwei Balkonen anschauen. Einzig eine Familie mit zwei Kindern, Bekannte von Nachbarn im Haus, ist interessiert. Als sie erfahren, dass der Mietzins um 300 Franken gestiegen ist, ziehen sie ihre Bewerbung wieder zurück.

Eigentümer startet neuen Vermietungsversuch

Seither hat sich nicht viel verändert. In der Wohnung herrscht noch immer gähnende Leere. Karl Theiler, Verwaltungsratspräsident der Brickvalue 2 AG, nimmt auf eine Anfrage von Telebasel schriftlich Stellung. «Die Wohnung konnte – wie von ihnen richtig festgestellt – zum inserierten Mietzins bis heute nicht vermietet werden», schreibt Theiler.

Nun werde ein erneuter Vermietungsversuch mit einer Nettomiete von 1’400 Franken unternommen. Dies entspricht einer Erhöhung von rund 9 Prozent. Wie Theiler schreibt, sei er nun zuversichtlich, mit dem neuen Angebot einen passenden Mieter zu finden. Schliesslich sei es der Firma ein grosses Anliegen, die Wohnungen nicht im Leerstand zu belassen. Die Namensschilder der Vormieter werde man entfernen. «Dabei handelte es sich um ein Versäumnis», schreibt Theiler.

Falsche Vorstellungen von externen Immobilienfirmen

Offenbar hat sich die Firma mit der anfänglichen Mietzinserhöhung übernommen. Das sieht auch Andreas Zappalà so, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt (HEV). «Eine Erhöhung um 300 Franken dürfte in diesem Fall kaum angemessen sein, was schon die Tatsache der Nicht-Vermietbarkeit zeigt», sagt Zappalà. Mietzinsanpassungen seien dann gerechtfertigt, wenn Investitionen getätigt wurden oder Nachholbedarf herrscht nach langjährigen Mieten unter dem ortsüblichen Durchschnitt. «Wir stellen oft fest, dass Unternehmungen oder Private von auswärts mit falschen Vorstellungen betreffend Mietzinsstrukturen nach Basel kommen», sagt der HEV-Geschäftsführer.

Wie er aber festhält, entspreche das besagte Beispiel aus dem Kleinbasel nicht der Regel. «Es dürfte sich eher um einen Einzelfall handeln, auch wenn man immer wieder von schwer vermietbaren Wohnungen hört. Speziell ist aber schon, dass der Mietzins ohne Investitionen so stark erhöht wurde und dann leer steht», erklärt Zappalà. Wie oft solche hohen Aufschläge nach Auszug vorkommen, ist nicht bekannt. Auch der Mieterverband Basel-Stadt habe dazu keine Zahlen, wie Geschäftsleiterin Patrizia Bernasconi sagt. Eine Erhöhung wie in der besagten Wohnung sei aber nicht akzeptabel. Der Eigentümer müsse dazu schon eine stimmige Begründung liefern können.

Nochmals zurück zur leeren Dreizimmerwohnung, Stand April 2022: Inzwischen sind die Namen der Vormieter entfernt. Der Briefkasten ist aber noch immer zugeklebt, ein neuer Name ist dort noch nicht zu finden. Auch auf den üblichen Portalen ist die Wohnung mit dem neuen Mietpreis noch nicht zu finden.

1 Kommentar

  1. ich verstehe nicht, warum das ein Einzelfall in Basel sein sollte… in unserem mietshaus sind ebenfalls die Mietzinsen für leerstehende Wohnungen (man beachte, es wurde nichts an diesem Wohnungen gemacht seitdem die letzten Mieter ausgezogen sind) um satte 20% gestiegen. PS: das erklärt wohl, warum sie nach mehr als einem halben Jahr immer noch leer stehen.Report

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