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Der Telebasel News-Beitrag vom 24. April 2022.
Basel

«Grünewalds Geige» Wenn Renaissance-Kunst zu klingen beginnt

Der Verein ReRenaissance liess in der Barfüsserkirche ein besonderes Musikinstrument erklingen: Grünewalds Geige. Sie entspringt dem berühmten Isenheimer Altar.

Es sind Klänge aus einem weit entfernten Zeitalter, aus der spätmittelalterlichen Renaissance, welche am Sonntagabend die Barfüsserkirche mit sanften Tönen füllen. Der Blickfang des Ensembles, der Star der Stunde, ist eine sogenannte Gambe, bzw. eine Grossgeige, gespielt von Elizabeth Rumsey. Sie entspringt einem Gemälde aus jener Zeit, dem Engelskonzert auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, aus dem frühen 16. Jahrhundert.

«Endlich hat man ein Instrument, das hier im süd-deutschsprachigen Raum gespielt wurde»

Dieser riesige Wandaltar lässt sich im Museum Unterlinden im elsässischen Colmar bewundern. Bestehend aus mehreren Bildtafeln stammt das Kunstwerk ursprünglich aus dem Kloster in Isenheim. Die Grossgeige, welche auf dem sogenannten Engelskonzert zu sehen ist, hat der Geigenbauer Jacob Mariani nun zum Leben erweckt, erklärt Projektleiter Baptiste Romain. «Was besonders ist, ist die Aura, die sie mitbringt. Für jeden, der dieses Altargemälde kennt, ist es nun endlich zu sehen und zu fassen. Sehr oft spielen wir Gamben, die eher den italienischen oder französischen Vorbildern entsprechen aus der Renaissance. Nun hat man endlich ein Instrument, das hier im süd-deutschsprachigen Raum gespielt wurde. Deswegen sagen wir Grossgeige und nicht unbedingt Gambe.»

Wenn Bilder zum Leben erweckt werden

Gebaut hat dieses besondere Musikinstrument der Geigenbauer Jacob Mariani. In einem monatelangen Prozess hat er ihm Leben eingehaucht. Dank seiner Arbeit kann man heute nachvollziehen, wie die Instrumente im Mittelalter geklungen haben. Wie zum Beispiel Grünewalds Grossgeige, die auch hier im Grossraum Basel gespielt wurde, wie der Wandaltar zeigt. «Man muss dazu sagen, das Bild was zu sehen ist, entspricht nicht ganz der Realität, sondern ist eher fantasievoll. Und das was Jacob Mariani, dieser Geigenbauer, gemacht hat, ist eher eine Zusammenfassung aus den verschiedenen Modellen, die man aus dem 15. Jahrhundert kennt», erklärt Baptiste Romain.

Ermöglicht hat den Nachbau der Grossgeige der Verein ReRenaissance. Dieser veranstaltet jeden letzten Sonntag im Monat ein Renaissance-Konzert in der Barfüsserkirche. Grünewalds Grossgeige, so hofft Baptiste Romain, könne nun regelmässig im Renaissance-Ensemble gespielt werden.

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