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Der Telebasel News-Beitrag vom 17. April 2022.
Basel

Brauchen Geflüchtete mehr Unterstützung?

Ein Projekt in Zürich macht vor, wie Geflüchtete von Leuten aus der gleichen Kultur unterstützt werden können. Soll das Projekt auch nach Basel kommen?

Natnael Akeza flüchtete vor 13 Jahren selbst in die Schweiz. Heute arbeitet er als sogenannter «Brückenbauer» mit traumatisierten Geflüchteten. Sein aktueller Klient ist wie er aus Eritrea und braucht Hilfe bei der Integration. «Wir suchen eine Beschäftigung für ihn, damit er sich von der psychisch belastenden Zeit ablenken kann», so Akeza.

Der Pilotversuch wird von NCBI in Thalwil (ZH) mit 20 BrückenbauerInnen seit 2020 durchgeführt. Eine davon ist Jevin Mohamad, die von ihrer aktuellen Klientin erzählt, die wie sie aus einem Krieg in Syrien geflüchtet ist. Ihre Klientin leidet unter dem Verlust ihrer Verwandten, aber auch darunter, dass sie mit der F-Bewilligung weder Sprachen lernen, noch arbeiten kann.

Psychologen gibt es für Geflüchtete heute schon in der ganzen Schweiz. Doch ohne BrückenbauerInnen sind die Therapien oft erfolglos, weil die Therapeuten den Leuten nicht helfen können, das Leben in den Griff zu bekommen, sagt Ron Halbright von NCBI. «Normalerweise würde so jemand zu einem Psychiater oder Psycho-Therapeuten gehen und nach ein, zwei Versuchen dann nicht mehr, weil sie denken, ‹ich bin nicht krank›. Oder die Leute gehen in eine Klinik, wo niemand ihre Sprache spricht und werden nach einigen Tagen ohne Besserung nach Hause geschickt».

Brücken bauen für UkrainerInnen

In Zürich und Umgebung wird der Dienst von 78 Geflüchteten genutzt. Aktuell baut man auch ein Brückenbauer-Pool für UkrainerInnen auf. NCBI wurde wie alle von dem Krieg in der Ukraine überrascht: «Wir müssen eine neue Ausbildung machen, denn vor Februar hat niemand an Ukrainische Flüchtende gedacht», so NCBI-Gründer Ron Halbright.

Wegen der aktuellen Flüchtlingswelle aus der Ukraine sieht die SP-Grossrätin Jessica Brandenburger auch Bedarf für ein solches Programm in Basel. «Ich habe dieses Projekt in Zürich angeschaut und es ist sehr erfolgreich. Der Vorteil ist vor allem, dass die Leute von Menschen, die ihre Muttersprache sprechen und einen ähnlichen Hintergrund haben, niederschwellig beraten werden können. Ich denke, das dies eine sehr gute Ergänzung zur klassischen Psychotherapie ist», so die Grossrätin und Co-Präsidentin der SP Basel-Stadt.

Darum hat die Parlamentarierin jetzt eine schriftliche Anfrage an die Regierung gestellt. «Ich möchte gerne wissen, ob die Regierung bereit ist, ein solches Pilotprojekt aufzugleisen und vor allem auch finanziell zu unterstützen», so Brandenburger. Ein solches Projekt würde in Basel-Stadt laut NCBI rund 50’000 – 100’000 Franken kosten.

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