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Der Telebasel News-Beitrag vom 14. April 2022.
Baselland

Pro Natura befürwortet die Schwanzprämie

Wühlmäuse machen Baselbieter Landwirte und Gemüsegärtner wütend. Die traditionelle Schwanzprämie schafft Abhilfe. Pro Natura heisst das gut.

Die Zahl der Wühlmäuse ist in diesem Jahr explodiert, wie auch die «bz Basel» vor Kurzem berichtete. Die natürlichen Fressfeinde können die hohe Anzahl an Nagetieren alleine nicht mehr regulieren. Also muss der Gärtner selbst ran und kassiert dafür eine Schwanzprämie. Im Baselbiet, wie auch an anderen Orten, ist das seit Jahrhunderten eine Tradition.

Einen Franken pro Mausschwanz

«Bei den Oberbaselbieter Gemeinden ist es immer noch so, dass man für jeden Schwanz einen Franken bekommt», erklärt Gemüsegärtner Pascal Benninger, der in Sissach ein Stück Land bebaut. «Man kann sie in der Gemeinde Sissach zweimal pro Jahr in den Werkhof bringen, das steht im Abfallkalender.» Die Schwanzprämie ist ein uralter Brauch, der vielen makaber vorkommen mag. Trotzdem praktiziert man ihn im süddeutschen Raum und eben auch im Baselbiet. Gefangen werden die Mäuse mit sogenannten Top-Cat-Fallen, die direkt in die unterirdischen Gänge der Mäuse gesteckt werden. «Wenn sie durch die Falle rennt, dann schnappt es zu. Zu 90 Prozent steckt sie gerade bis zum Kopf drin und es schlägt sauber zu, die anderen 10 Prozent diskutieren wir jetzt nicht …», scherzt Benninger.

«Der Schaden ist mächtig»

Doch ohne das Eingreifen des Menschen geht es nicht. Es sind schlicht zu viele Mäuse. «Ein bisschen teilen wir gern, das ist schon gut, aber wenn sie zu fest Überhand nehmen, dann ist der Schaden mächtig», so Benninger. «Wurzelgemüse, Sellerie, Rüebli oder bei uns Rhabarber, da lieben sie die Wurzel. Sie essen nicht die Rhabarberstängel, aber die Pflanze fällt ohne Wurzel zusammen.»

Natürliche Fressfeinde am Anschlag

Gerade nach nassen Jahren explodiert die Mäusepopulation, was auch dieses Jahr der Fall ist. Die natürlichen Fressfeinde der Wühlmaus kommen dann nicht nach, obwohl sie ihren Job eigentlich sehr gut machen, erklärt Urs Chrétien von Pro Natura. «Die natürlichen Mausfeinde sind sehr effizient. Ein Fuchs fängt in einem Jahr rund 3’000 Mäuse. Da müsste einer schon sehr viel mausern, dass er mit dem Fuchs mithält. Oder ein Schleiereulenpaar, wenn es Junge hat, braucht etwa 40 Mäuse pro Nacht.» Trotzdem reicht dies nicht, um den Bestand auf einem für die Landwirtinnen und Landwirte akzeptablen Niveau zu halten.

Schutzhecke kann helfen

Die Mäuse zu bekämpfen, gehöre einfach zur Landwirtschaft dazu, meint Chrétien. Trotzdem könne man schauen, dass die Natur und die Landwirtschaft besser zusammenspielen. Bei Hemmiken hat Pro Natura zum Beispiel eine zwei Kilometer lange Schutzhecke gepflanzt. Chrétien erklärt: «Auch die Wiesel, die sehr gute Mausjäger sind, brauchen diese Vernetzungsachse quer durch die Landwirtschaft, wenn sie auf Mausfang gehen. Auch der Fuchs ist am liebsten dort, wo er nicht ausgestellt ist, macht sich hier vielleicht sogar einen Bau und lebt dort, hat Junge und kann links und rechts Mäuse fangen. Das sind dann viele Mäuse, 3’000 Stück, die er dann wegfängt und den menschlichen Mausern die Arbeit abnimmt.»

Wenn also der Naturschutz und die Landwirtinnen und Landwirte an einem Strang ziehen, profitieren alle davon. Ausser die Wühlmaus natürlich.

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