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Der Telebasel News Beitrag vom 30. März 2022.
Basel

Studie offenbart viele Problemfälle bei Lehrlingsausbildung

59 Prozent der Lernenden weisen einen «problematischen Lehrverlauf» auf. Dies zeigt eine Basler Studie, die erstmals Daten über auffällige Lernende liefert.

Jeder vierte Lehrling mit psychischen Problemen bleibt mit diesen bis zum Abschluss alleine: Bei 26 Prozent bleiben die Probleme bis zum Schluss ungelöst, heisst es in der Mitteilung zur Studie, die das Basler Gesundheitsdepartement am Mittwoch vorstellte.

20 Prozent aller Lernenden lösen den Lehrvertrag vorzeitig auf. Bei der Risikogruppe sind es 30 Prozent. Das bedeute jedoch nicht, dass es keine Anschlusslösungen gebe, betonte Reto Baumgartner vom Gewerbeverband Basel-Stadt an der Medienkonferenz. Auch mit problematischem Lehrverlauf würden Lehren abgeschlossen.

Männer mit mehr Defiziten als Frauen

Die Studie erstellt haben das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum WorkMed der Psychiatrie Baselland, dem Bereich Basler Mittelschulen und Berufsbildung, dem Gewerbe- und Arbeitgeberverband sowie der Stiftung Rheinleben. Befragt wurden Berufsbildende in fünf Kantonen, jedoch keine Lernenden. Ziel des Studienauftrags war es, dass Berufsbildnerinnen und -bildner früher und gezielter intervenieren können.

Die Studie zeigte Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männliche Lernende zeigen laut Studie mehr Defizite auf als weibliche. Das äussert sich darin, dass Männer unpünktlich sind, der Arbeit fernbleiben und sich selbst schlecht organisieren. Zudem suchen Männer viel seltener Hilfe als Frauen und gehen psychische Probleme weniger an. Frauen leiden gemäss Studie eher unter Stimmungsschwankungen und unter der Angst, Fehler zu machen.

Die Berufsbildnerinnen und -bildner in den Betrieben wissen häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen, um problematischen Lernenden zu helfen. Den Kontakt zu den Eltern wünschten sich Berufsbildnerinnen zwar, aber er finde nicht statt. Die Studie zeigt deutlich, dass ein reibungsloser Lehrverlauf von der Unterstützung in der Familie abhängt.

Auch externe Stellen wie der Schulpsychologische Dienst werden laut Studie selten aufgesucht; und wenn, sind die Ausbildner selten zufrieden mit der Hilfe. Weshalb das so ist, sei unklar, sagten Niklas Baer, Leiter WorkMed bei der Psychiatrie Baselland, und die Psychologin Barbara Schmocker. Der Austausch der Berufsbilder zu Fachpersonen fehle, zeigte die Studie.

Externe Stellen werden kaum aufgesucht

Auch die Invalidenversicherung werde aus «falschen Hemmungen zu spät» beigezogen, kritisierte Baer. Dort fänden sich spezialisierte Fachpersonen, welche die Berufsausbildner unterstützen könnten.

Niklas Baer wies auf die Diskrepanz hin, dass die Gesundheitsversorgung immer besser werde und dennoch laufend mehr Jugendliche eine Invalidenrente (IV) erhielten. «Eine Behandlung ist eben noch keine Garantie, dass Menschen im Arbeitsmarkt bleiben», sagte Baer. «Es braucht ein zusätzliches Element.» Dieses Element seien gute Lehrbetriebe und Berufsbildner, die auf die Probleme der Lernenden eingehen.

«Probleme in der Lehre sind die Regel und nicht die Ausnahme», betonte Baer. Die Probleme müssen nicht psychisch sein. Doch es könne nicht darum gehen, keine Probleme zu haben, sondern Wege aufzuzeigen, wie sie gelöst werden können.

Basel-Stadt Spitzenreiter an psychischen Behandlungen

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (Die Mitte) wies auf die Hilfsleistungen des Kantons hin, wie beispielsweise den Schulpsychologischen Dienst und Präventions-Kampagnen. Zudem sei ein neues Psychiatriekonzept und eine Neuplanung der Psychiatrie in Arbeit.

Im Vergleich mit anderen Kantonen weise die Psychiatrie in Basel-Stadt «doppelt so viele» stationäre Behandlungen auf. «Das regt zum Nachdenken an», sagte Engelberger.

Insgesamt haben sich 6365 Berufsbildnerinnen und -bildner an der Umfrage beteiligt. Nicht zu Wort gekommen sind in dieser Studie die Lernenden selbst. Das Forschungsteam hat aber in Aussicht gestellt, dass dies in einem nächsten Schritt passieren soll.

2 Kommentare

  1. Ich war 26 Jahre an einer Berufsschule im Fachunterricht tätig. Ich unterrichtete vorwiegend männliche Lernende. So viele Lehrabbrüche hatten wir nie.
    Nun muss ich aber trotzdem eine Frage aufwerfen, wenn da so viele männliche Lernende Probleme haben: Haben Sie mal recherchiert, wie viel Prozent weibliche Lehrpersonen an der Volksschule unterrichten? Ich finde es absolut skandalös, dass Jungs viel zu wenig männliche Vorbilder in der Volksschulbildung haben. Wenn’s umgekehrt wäre, würde das viel offensichtlicher thematisiert, angegangen und umgesetzt. Das sollte sich so schnell wie möglich wieder zurückändern!
    Ich selber ging sehr gerne zu Lehrerinnen in die Schule, aber Lehrer haben mehr gefordert, was Konsequenz, Ausdauer und Korrektheit anbelangt. In der Industrie wird viel mehr Ausdauer und vor allem 100%ige Arbeit verlangt. Es ist nicht möglich eine dauernde Abwechslung, sowie lustorientierte Arbeitswahl anzubieten. Es wird immer noch tagelang die gleiche Arbeit ausgeführt und diese auch unter Zeitdruck (Zeitvorgabe) verlangt. Diese Qualifikationen (Fachkompetenzen) wären sehr nötig, dass diese auch in der Volksschule in allen Zyklen zunehmend unterrichtet würden. Die Lehrpersonen als Vorbilder dienen beide Geschlechter, weibliche wie männliche. Kinder brauchen beide Geschlechter als Vorbilder, nicht vorwiegend nur einseitig, wie dies die Statistiken beweisen…
    Alles Gute Jungs in der heute so extrem feminisierten (Bildungs-)Welt…Report

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