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Der Telebasel News Beitrag vom 26. März 2022.
Basel

Basler Filmemacher-Paar dokumentiert Stadtentwicklungs-Fiasko in Indien

Der preisgekrönte Dokumentarfilm «Delhi Dreams» von Christof Schaefer und Yamini Deen widmet sich dem Untergang des Künstler-Slums von Delhi.

Es begann mit den Puppenspielern. Später fassten auch StrassenkünstlerInnen in Kathputli Fuss. «Es ist ein wildes Potpourri aus Artisten, Sängern und Akrobaten geworden. Das macht es zu einem ganz speziellen Ort, überall sieht man Leute am proben und trommeln, überall hört man Musik», erinnert sich Christof Schaefer. Der Basler Dokumentarfilmer hat das Künstler-Slum in der indischen Metropole Delhi über mehrere Jahre hinweg besucht. Nur: Die von ihm beschriebenen Szenen gibt es so nicht mehr. 2017 fuhren in Kathputli die Bagger auf. Die indische Regierung entschied, das Quartier abzureissen und die Bevölkerung in Hochhäuser umzusiedeln.

Zusammen mit seiner Frau, der Journalistin Yamini Deen, hat Christof Schaefer den Widerstand der BewohnerInnen Kathputlis dokumentiert. Mit der Kamera in der Hand besuchte er das Viertel mehrere Male. Yamini Deen knüpfte Kontakt zu den BewohnerInnen. Durch eine Reportage für ein indisches Magazin wurde die Reporterin auf das Thema aufmerksam. Zusammen mit Christof Schaefer machte sie sich auf, die Menschen aus Kathputli näher kennenzulernen. Es begann mit Teetrinken, mit der Zeit wurden daraus viele Bekanntschaften und ein Film namens «Delhi Dreams». Das Filmemacher-Paar schaut dabei drei Menschen aus Kathputli bei ihrem Widerstand gegen die Abrissbirne über die Schulter.

Hochhäuser entpuppen sich als Luftschlösser

Yamini Deen ist noch heute in Kontakt mit den ProtagonistInnen. Die versprochenen Wohntürme gibt es auch fünf Jahre nach der Räumung nur auf Papier. «Viele Menschen, die man im Film sieht, leben noch immer in einem Provisorium und warten noch immer darauf, eine Wohnung zu erhalten», so die Journalistin. Das Schicksal von Kathputli steht keineswegs isoliert da. Wie Yamini Deen erklärt, steht es für eine Stadtentwicklungspolitik, die sowohl in Indien wie auch in anderen Ländern nicht funktioniert. «Das Hauptziel scheint der Profit zu sein, es gibt keine echten Bemühungen, um zu erfahren, was die Menschen dort wirklich wollen», so die Journalistin. «Es bräuchte Investition von Zeit und Geld, um etwas zu realisieren, das im Sinne der Leute ist und keine Schnelllösung wie Hochhäuser, die noch nicht einmal gebaut sind, um die Leute dort reinzustecken».

Bis jetzt hat die Geschichte um Kathputli kein gutes Ende genommen. Wohl aber ist sie in einem Dokumentarfilm verewigt. Christof Schaefer schrieb nicht nur das Drehbuch, sondern übernahm auch die Kamera und grosse Teile des Schnitts. Abgedreht in Delhi, verarbeitet in Basel, musste die Doku noch auf den Kinosaal warten. Die Corona-Verzögerung machte dem Filmteam einen Strich durch die Rechnung. Inzwischen wurde die Doku mehrfach prämiert. Beim letztjährigen Basler Filmpreis heimste «Delhi Dreams» den Spezialpreis für besondere Leistungen in Regie und Autorschaft.

«Delhi Dreams» ist zurzeit im Kino Atelier zu sehen. 

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