Featured Video Play Icon
Der Telebasel News-Beitrag vom 24. Februar 2022.
Basel

Basler Historiker zur Ukraine: «Die Menschen kämpfen ums Überleben»

Der Angriff von Russland auf die Ukraine schockiert die Welt. Was bewegt Wladimir Putin zu solch skrupellosem Handeln? Ein Basler Historiker ordnet ein.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin gab in der Nacht auf Donnerstag den Befehl zum Angriff. Seither überschlagen sich die Ereignisse. Warum schlägt Wladimir Putin derart hart zu? Diese und weitere Fragen klärte Telebasel mit Fabian Baumann. Der Basler Historiker beschäftigt sich seit rund zehn Jahren mit der Geschichte Russlands und der Ukraine. Er promovierte an der Universität Basel und forscht aktuell an der Universität in Chicago.

Fabian Baumann, welche Beweggründe hat Wladimir Putin für den Angriff? 

Ich kann natürlich nicht in den Kopf von Wladimir Putin hineinschauen. Ich kann auch nicht genau sagen, was ihn dazu bewogen hat, gerade jetzt anzugreifen. Er spricht meistens von geopolitischen Gründen. Er sagt, Russland sei von der Nato-Osterweiterung bedroht. Das ist ein Thema, das in Russland schon lange besprochen wird. Aber wenn man sich seine Reden anhört, in denen er die Existenz der Ukraine als selbständiger Staat in Frage stellt, muss man zum Schluss kommen, dass eine ganz klar gegen den Staat gerichtete Agenda vorhanden ist.

Gibt es einen historischen Anspruch von Russland auf die Ukraine?

Die Geschichten von Russland und der Ukraine sind eng verbunden, und man findet in dieser Geschichte Argumente, die die beiden Länder trennen, aber auch Argumente, die sie miteinander vereinen. Für mich ist jedoch das Wichtigste, was die Leute im Land wollen. Und in der Ukraine gibt es schon lange einen grossen Konsens für ein unabhängiges Land. Und dann kommt noch etwas anderes dazu: Putin redet oft davon, dass die Ukrainer und Russen eng verwandt oder sogar gleich sind. Und heute Nacht bombardiert er sie, das passt einfach nicht zusammen.

Sie haben durch ihre Arbeit Kontakt zu Menschen in der Ukraine. Wie geht es ihnen da?

Auch wenn man diesen Angriff in den letzten Wochen immer mehr erwarten konnte, sind die Leute schockiert. Sie sind verängstigt und ganz extrem sauer auf Wladimir Putin. Aktuell sind sie in erster Linie mit Überleben beschäftigt. Ich habe von mehreren Bekannten gehört, dass die Menschen aus den Städten flüchten, dass sie zu Verwandten aufs Land oder in Kleinstädte gehen. Und sie probieren vom Osten oder vom Zentrum in Richtung Westen zu flüchten oder versuchen gar aus dem Land zu reisen.

Wie müsste sich ihrer Meinung nach die Schweiz jetzt verhalten?

Meiner Meinung nach, ist es jetzt unumgänglich, dass die Schweiz die Sanktionen der EU gegen Russland unterstützt und auch eigene Sanktionen ergreift. Dadurch, dass russische Oligarchen so viel Geld in der Schweiz deponiert haben, helfen wir mit, die Regierung von Putin zu stabilisieren. Natürlich beruft sich die Schweiz auf ihre Neutralität, aber wenn ein Staat so eindeutig das Völkerrecht verletzt, ist es eben nicht mehr Neutralität, wenn man einfach gar nichts tut.

1 Kommentar

  1. 3in Historiker der keine Ahnung hat und schön in seinen warmen Sessel in der Schweiz sitzt. Leider sehr einseitig und kaum Kenntnise von der Lage die Jahre andauern und kein Wort über den Bürgerkrieg der seit 2014 wütet. So haben diese Experten auch bei Syrien geschimpft.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Mehr aus dem Channel