Die umstrittene Fasnachtsperücke mit Blackface im Sortiment von Coop. (Bild: Twitter)
Schweiz

Debatte über fragwürdige Fasnachtskostüme im Detailhandel entbrannt

Trotz jahrelanger Debatten über Rassismus, Sexismus und Stereotypen verkaufen Detailhändler weiter fragwürdige Kostüme. Im Internet ist eine Debatte entbrannt.

«Was ist denn hier los, Coop?», fragt eine Userin auf Twitter. Dazu postet sie ein Bild eines Fasnachtskostüms, das der Detailhändler verkauft: Eine dunkelhaarige Locken-Perücke, getragen von einem weissen Mann, der sich die Haut dunkel angemalt hat. Diese Darstellung sorgt im Netz für Unmut, wie «20 Minuten» am Montag berichtet: Twitter-User sind der Meinung, dass es sich dabei um einen Fall von «Blackfacing» handelt. Also weisse Personen, die geschminkt als schwarze Menschen auftreten und diese – anhand von Klischees – imitieren. Populär wurde diese Praxis im 18. und 19. Jahrhundert in den USA in den damals bedeutenden Minstrel Shows. Heute wird das Blackface häufig als rassistisch angesehen und kritisiert. «Coop, was stimmt nicht mit euch?», fragt ein anderer User auf Twitter.

Das Blackface-Kostüm ist nicht das einzige Produkt in den Regalen, über das sich die Twitter-Community empört. «Ich persönlich bin ja ein grosser Fan ihrer Asien-Sparte», schreibt eine andere Person sarkastisch und twittert ein Bild eines klischeehaften Asiaten.

Coop ist nur einer von mehreren Detailhändlern in der Schweiz, die solche umstrittenen Verkleidungen im Sortiment führen. Wie die «Aargauer Zeitung» am Montag, 7. Februar, berichtete, werden stereotype Kostüme wie etwa «Indianer» mit Feder-Kopfschmuck und Tomahawk oder singende Mexikaner mit Sombrero und Poncho auch bei der Migros, Manor, Microspot und Galaxus verkauft. Und die Debatte dreht sich nicht nur um rassistische Klischees und Stereotypen, die durch solche Kostüme untermauert würden. Auch Sexismus ist immer wieder Thema: Während Männerkostüme oft cool oder lustig daher kommen, ist die Frauen-Variante deutlich freizügiger.

«Besondere Nachfrage» der Kundschaft

Coop nimmt zum Verkauf der umstrittenen Kostüme Stellung und begründet ihn gegenüber der «Aargauer Zeitung» mit der «besonderen Nachfrage» der Kundschaft. «Das Fasnachtssortiment von Coop umfasst bekannte Artikel, die bei unseren Kundinnen und Kunden besonders gefragt sind», führt Coop-Sprecherin Melanie Grüter gegenüber «20 Minuten» aus. Mit ihren Fasnachtskostümen und -accessoires könne man sich beispielsweise als Pirat, Polizist oder als Prinzessin verkleiden. Der Detailhändler werde «das weitere Sortiment überprüfen.»

Der Onlinehändler Microspot erklärt: «Bei den erwähnten Produkten erhalten wir die Produktbeschriebe und Bilder direkt von einem Distributor.» Sprecherin Monika Fasnacht kündigt an, dass man nun eine Anpassung prüfe und die Kritikpunkte berücksichtigen werde, schreibt die «AZ» weiter. Bei Manor heisst es, die Sortimentsgestaltung sei ein laufender Prozess und entwickle sich mit den Bedürfnissen der Kundschaft weiter. Stereotype über Geschlecht, Hautfarbe oder Kulturen zu thematisieren, sei nicht die Absicht. «Pauschalisierungen sind oft schwierig und der Fall muss wohl auch einzeln betrachtet werden – gewisse Gegenstände werden zum Beispiel auch mit Ländern in Verbindung gebracht, ohne Intention der Herabwürdigung einer Kultur», gibt Manor-Sprecherin Sandra Känzig zu bedenken. Zu einer möglichen Überprüfung des Sortiments sagt Manor nichts.

Galaxus erklärt, dass man eine Null-Toleranz-Politik in Sachen Blackfacing, Redfacing oder Yellowfacing verfolge. Dies gelte auch für «jegliche andere Art und Weise, nicht-weisse Menschen diffamierend darzustellen», so Sprecher Stephan Kurmann. Er führt gegenüber der «AZ» zwei Beispiele an, die aus Sicht von Galaxus «nicht diskriminierend» sind: Ein weisser Mann mit Kimono und Make-up, das die Augen schmaler aussehen lässt. Und ein Sombrero-Hut, der mit einem weissen Mann mit dickem Schnauz und Zigarre illustriert ist.

Galaxus beziehe einen Grossteil seiner drei Millionen Artikel von Dritten, welche ihre Waren selber bebildern und beschriften, sagt Kurmann weiter. Galaxus fungiere für sie als reiner Marktplatz. «Natürlich gibt es Richtlinien unsererseits – auch zum Thema Diskriminierung und Rassismus», so der Sprecher. Den Bereich Kostüme und Verkleidungen betreffe aber im Speziellen, dass es «ein schmaler Grat zwischen blosser Verkleidung und Diskriminierung von ethnischen Minderheiten» sei.

2 Kommentare

  1. Jetzt haben gewisse keinen Verstand mehr. Echt jetzt hört doch mal auf mit den ganzen Mist Argumenten. Das ganz ist doch alles nicht mehr normal. Hört doch mal entlieh auf mit dem ganzen Theater echt. Lasst doch die Leute leben und machen.Report

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