Featured Video Play Icon
Der Telebasel News Beitrag vom 6. Februar 2022.
Basel

Ein «Schimpfzentrum» und fasnächtliches Feuerwerk am Charivari

Hommage an zwei Dialekte und Pyro-Shows: Mit viel Gesang, Gugge, Pfyffer- und Tambourennummern trumpft das Charivari musikalisch auf.

Corona hat der grossen Vorfasnachtsveranstaltung im Volkshaus keinen Strich durch die Rechnung gemacht. Alle Nummern, oft mit vielen Mitwirkenden auf der Bühne kamen zustande – und wie. Die Standing Ovation und auch Applausstürme mitten in den Nummern zeigen es. Wohl aber ist Covid-19 im Glaibasler Charivari präsent. Gleich mehrere Raamestiggli drehen sich darum, wenn auch indirekt.

So muss den Gnepf im Kindgsi erklärt werden, was Fasnacht ist. «Findet das alle drei Jahre statt?», fragt etwa ein Binggis die überforderte Kindergärtnerin (Tim Koechlin). Zudem tritt hier das langjährige Ensemble-Gesicht Beatrice Waldis alias Struppi zum ersten Mal mit Sprechrollen auf. Ein anderes Mal geht es um ein «Schimpfzentrum». Auch dort gibt es eine Schlange, denn die Schimpfausweise sind begehrt. Herrlich: Der Ausraster von Stephanie Schluchter in der Rolle einer Wutbürgerin. Witzig ist in einem weiteren Stück auch der Protokollant (Martin Stich) bei einer Cliquen-Zoomsitzung, die aus dem Ruder läuft (siehe auch hier).

Baseldytsch meets Alemannisch

Es geht aber in den Stiggli um weit mehr als die Covid-Situation. Jede Menge Sprachwitz gibt es, wenn zwei Bebbi (Tatjana Pietropaolo und Stephanie Schluchter) die Tücken des Baseldytsch besingen. Schreibt man nun ein «i» oder ein «y»? Ebenso gelungen ist die Anschlussnummer ums gleiche, aber mit Alemannisch. Die beiden Wiesentaler Liedermacher «Knaschtbrüeder» widmen auch ihrem Dialekt mit all seinen Finessen einen Song. Ein schöner Blick über den Basler Tellerrand. Die beiden Schopfheimer bleiben auch bei einer kurzen technischen Panne ganz cool und bauen diese gar in ihre Nummer ein. Auch besinnliche Momente dürfen nicht fehlen: In einer gesungenen Hyylgschicht widmet eine Fasnächtlerin (Olivia Zimmerli) ihrem verstorbenen Vater ein Lied.

Insgesamt beginnt das Charivari eher mit ruhigen Tönen und entwickelt sich immer mehr zu einem Feuerwerk. Dies im wahrsten Sinne des Wortes, wenn d Hunne mit einer Rammsteinschen Pyro- und Lichtshow auftrumpfen. Das Charivari hat diesmal gleich zwei Gugge im Köcher: Die Bühne verwandelt sich in einen Teppich voller Kilts, wenn die grosse Schotte Clique auftritt. Allgemein gibt es viele musikalische Highlights. So besticht die Pfyffergrubbe Schäärede samt einer Rockband nicht nur akustisch. Ihr «I’m Gonna be (500 Miles)» gibt auch optisch was her, wenn die Pfyfferinnen dazu eine bunte Choreo vollführen.

Wenn ein Waggis gegendert wird

Brillant sind auch die Auftritte der Fasnachtszunft Ryburg aus dem Fricktal. Mit «Speed» zeigen sie nicht nur Präzision und Tempo, sondern wie man eine Trommel auch ganz anders als gewohnt bespielen kann. Weiter mit virtuosen Nummern geht’s mit der Drummelgrubbe Top Secret. Diesmal tauchen deren Tambouren in einen James Bond-Streifen ein. Den Part der Stammvereine übernimmt diesmal die Seibi. Zunächst mit dem Schnellmarschier-Klassiker Sambre et Meuse, dann mit Rhysprung und Yankee.

Nicht wegzudenken vom Charivari sind d Gwäägi als Hausbangg. Am besten kommt ihr Marathonvers zum Thema Gendern an der Fasnacht an. Herzhafte Lachanfälle aus dem Saal schon mitten im Vers. Und gleich vom Lamm nebenan bahnt sich das Rollaaator Röösli seinen Weg durchs Publikum. Am besten ist auch hier der letzte Vers, bei dem die Basler Zünfte ihr Fett abkriegen.

Last but not least: Das diesjährige Charivari gipfelt in einem wilden  Potpourri. Das ganze Ensemble kommt nochmals und besingt Träume von den drey scheenschte Dääg. Zu viel sei hier noch nicht verraten: Ob Michael Jackson, Polo Hofer oder Abba – so manchem Gassenhauer kommt in einem fasnächtliches Gewand verpasst. Ein Bouquet, das mit viel Applaus goutiert wird. Sowohl das musikalische Programm wie auch der Raame, zum zweiten Mal unter der Regie von Lucien Stöcklin, sind also Volltreffer.

Das Glaibasler Charivari ist noch bis am 19. Februar 2022 im Volkshaus zu sehen. Ein paar Highlights daraus sind am Samstag, 12. Februar, ab 19:15 Uhr in der stündlichen Wiederholung bei Telebasel zu sehen. Noch mehr Ausschnitte aus dem Charivari und vielen anderen Veranstaltungen gibt es zudem im traditionellen Vorfasnachtsquerschnitt am 26. Februar.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Mehr aus dem Channel