In Laufen fand am Sonntag eine Demonstration gegen die Maskenpflicht bei Kindern statt. (Bild: Telebasel)
Baselland

Corona-Demo in Laufen: 800 Teilnehmer und eine handvoll Rechtsextreme

Rund 800 Personen demonstrierten am Sonntag in Laufen gegen die Maskenpflicht bei Kindern. Eine rechtsextreme Gruppierung nahm auch teil. Es verlief friedlich.

Eigentlich hätte es im Baselbiet gar nicht mehr zu einer Anti-Massnahmen-Demo kommen sollen, nachdem jene in Liestal letzten März eskalierte. Die Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer äusserte sich damals gegenüber «SRF-Regionaljournal» folgendermassen:

«Es hat sich jetzt klar gezeigt, dass die Auflagen, die zusammen mit der Bewilligung erteilt wurden, nicht eingehalten wurden. Solche Veranstalter werden hier keine Bewilligung mehr erhalten.» Kathrin Schweizer, Sicherheitsdirektorin Baselland, 21. März 2021

«Das sind unbescholtene Bürger»

Dennoch wurde die Demo gegen Masken- und Testpflicht bei Kindern und Jugendlichen in Laufen wieder bewilligt. «Für uns ist massgebend: Wer ist der Organisator? Und das sind hier Leute aus Laufen, das sind unbescholtene Bürger. Wir haben keinen Grund gesehen, das nicht zu bewilligen», erklärt Laufener Stadtrat Simon Felix.

Eltern die Verantwortung zurück geben

Die OrganisatorInnen der Demonstration fordern, dass Eltern die Verantwortung über ihre Kinder bezüglich der Masken und Tests zurück erlangen. «Wir möchten die geistige Unversehrtheit unserer Kinder und selber bestimmen, ob unsere Kinder eine Maske tragen oder sich testen lassen», erklärt Rahel Birk, welche die Demonstration gemeinsam mit ihrem Mann organisiert hat. Es gehe nicht darum, Massnahmen generell zu degradieren. «Viele der Teilnehmer sind zum Beispiel auch geimpft. Aber es geht darum, die Kinder und Jugendlichen zu schützen», so Birk.

Keine Bedenken wegen Rechtsradikalen

Bedenken über rechtsradikale Gruppierungen, welche schon bei vergangenen Massnahmen-Demos mitliefen, hatten weder die Veranstalter noch die Stadt Laufen. Als die Entscheidung zur Bewilligung fiel, habe man noch nichts davon gewusst, so Felix. Er selbst scheint wenig besorgt. «Selbstverständlich haben wir uns mit der Sicherheitspolizei ausgetauscht. Wir werden sehen, ob wirklich rechtsradikale Personen auftauchen werden.»

…sie tauchten trotzdem auf

Wenig erstaunlich war das Aufkreuzen der rechtsradikalen Gruppierung «Swiss Mens Club of Freedom» . Jene rief schon am Freitag auf ihren Plattformen dazu auf, an der Demo in Laufen teilzunehmen. Die Gruppierung startete diesen Aufruf über ihren Telegram-Kanal. Dort werden auch regelmässig antisemitische und rassistische Inhalte geteilt.

DemonstrantInnen distanzieren sich

Der Organisator der Demo, Bernhard Keller, sei sehr dankbar, dass die Polizei unterstützend mit Dialogteams vor Ort gewesen sei und auch sehr wohlwollend mit dieser Gruppierung gesprochen habe. «Ich denke, es zählt am Schluss die Meinungsfreiheit. Wenn sie auch kommen wollen und das friedlich nebenan machen, akzeptieren wir das. Wir hatten wirklich sehr professionelle Unterstützung.» Bernhard Keller distanziere sich jedoch von rechtsextremem Gedankengut. Im Zentrum der Demo sollen die Kinder und Jugendlichen stehen, so Keller.

Auch Caroline Jockel, Drahtzieherin der Bewegung und Vorstandsmitglied im Verein «Eltern für Kinder» sprach sich gegenüber Telebasel entschieden gegen rechtes Gedankengut aus: «Ich finde rechtsradikale Gruppierungen haben grundsätzlich nichts verloren, nirgendwo.»

Schlussendlich blieb die Demo friedlich. Die bunten Ballons und Eltern mit Kindern überwogen. Das bestätigt auch die Polizei in einer Mitteilung.

1 Kommentar

  1. Ich finde es in Ordnung, dass die Demo bewilligt wurde – auch wenn ich persönlich anderer Meinung bin als die Demonstrant*innen. Wer dann aber Redner auftreten lässt wie einen Quacksalber-Arzt, der Nazi-Vergleiche zieht, und dann als Veranstalter ggü. der Presse das Gesagte gutheisst, schneidet sich ins eigene Fleisch. So werden eigentlich berechtigte Anliegen der Demo und einem Grossteil der Demonstrierenden ins Lächerliche bis hin zum Gefährlichen gezogen. Schade, schade. Dass dann noch rechtsextremes Gedankengut bei der Demo mitläuft, kommt nicht überraschend und ist nicht Schuld des Veranstalters, eine Schande ist es aber allemal.
    Kurz: Wenn ihr ernst genommen werden wollt, dann verhaltet euch auch entsprechend.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Mehr aus dem Channel