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Der Telebasel Report vom 26. Januar 2022.
Basel

Angst vor dem Abstieg

Die EU schliesst die Schweiz aus dem Forschungsprogramm Horizon Europe aus, was für den Forschungsstandort Basel gefährlich ist.

Anissa Kempf ist 37 Jahre alt, hat aber bereits einen Doktortitel von der ETH Zürich in der Tasche, an der Uni Oxford geforscht und ist seit Oktober des letzten Jahres Assistenzprofessorin am Biozentrum Basel. Anissa Kempf ist das, was man unter «Spitzenforscherinnen» oder «Nachwuchshoffnungen» versteht. Und genau deshalb trifft sie der Ausschluss aus dem Horizon-Forschungsprogramm am stärksten.

Neurowissenschaftlerin Anissa Kempf ist mit 37 Jahren bereits Assistenzprofessorin am Biozentrum Basel. (Bild: Telebasel)

Nur exzellent ist gut genug

Das Horizon-Forschungsprogramm der EU richtet sich nämlich hauptsächlich an die Besten der Besten. Gerade mit den sogenannten «ERC Starting Grants» unterstützt der Europäische Forschungsrat vielversprechende Forschungstalente beim Aufbau einer eigenen Forschungsgruppe. Rund 1,5 Millionen Euro gibt es für eine erfolgreiche Einreichung.

Eingegebene Projekte werden von Wissenschaftlern weltweit auf Herz und Nieren geprüft. Verändern sie die Welt? Revolutionieren sie die Wissenschaft? Nur wer solch harten Kriterien standhält, hat eine Chance auf Unterstützungsgelder. Anissa Kempf wurde ein solcher Starting Grant zugesprochen.

Das Biozentrum Basel steht für Exzellenz: Entsprechend viele Forschende dürfen auch auf Unterstützungsgelder der EU zählen. (Bild: Telebasel)

Vorbei, bevor es losgehen konnte?

Doch der Zauber könnte bereits wieder vorbei sein. Nach dem gescheiterten Rahmenabkommen mit der EU hat diese nämlich entschieden, die Schweiz aus dem Forschungsprogramm Horizon auszuschliessen. Auch die «Grantees» des Jahres 2021 sind davon betroffen.

«Zurzeit gehe ich davon aus, dass ich mein ERC Label behalten kann», sagt Anissa Kempf. Torsten Schwede, Vizerektor Forschung der Uni Basel ist da weitaus skeptischer: «Die Rechtslage ist eigentlich klar – sie wird das Label abgeben müssen».

Vorerst bleibt Anissa Kempf in Basel. Wie es in fünf Jahren aussieht, kann sie noch nicht sagen. (Bild: Telebasel)

Schweiz springt ein

Zumindest finanziell wird das für Anissa Kempf keine Folgen haben. Die Schweiz hat allen ERC Grantees zugesichert, finanziell in die Bresche zu springen. Jedoch geht es in den betroffenen Gefilden der Forschung nicht nur um Geld.

«Die ERC Grants sind international das prestigeträchtigste Forschungsinstrument, das wir haben», sagt Torsten Schwede. Das mit einem ERC Grant verbundene Renommee könne kein Geld der Welt ersetzen. Auch Anissa Kempf kann ein Lied davon singen: «Seit mir der Starting Grant zugesprochen wurde, bekomme ich Bewerbungen von höchster Qualität».

«Ohne Grundlagenforschung kein Pharmastandort Basel», sagt Torsten Schwede, Vizerektor Forschung der Uni Basel. (Bild: Telebasel)

Verlässt Anissa Kempf die Uni Basel?

Weiterer Beweis gefällig? Nach dem Ausschluss der Schweiz haben bereits mehrere Europäische Universitäten versucht, Anissa Kempf abzuwerben. Bisher erfolglos: «Zurzeit ist das Biozentrum für mich das beste Umfeld, das ich mir für meine Forschung vorstellen kann», sagt Kempf.

Zumindest für die nächsten fünf Jahre, bis zum Ablauf ihres aktuellen Projekts, dürfte Kempf der Uni Basel also erhalten bleiben. Aber was ist danach?

«Danach müsste ich mir schon sehr genau überlegen, wie es weiter gehen soll», sagt Kempf. Sie ist aber zuversichtlich, dass die Schweiz bis dann wieder Teil des Horizon-Programms sein wird: «Zumindest hoffe ich das sehr für alle, die jetzt nachkommen».

Warum werden wir müde? Die Rätsel des Schlafs sind noch immer nicht gelöst. Forscherin Anissa Kempf möchte das ändern. (Bild: Telebasel)

Auch für den Pharmastandort Basel wäre eine baldige Rückkehr zur Vollassoziation von zentraler Bedeutung. Oder mit den Worten von Torsten Schwede: «Ohne Grundlagenforschung keine Patente. Ohne Patente keine Innovation. Und ohne Innovation kein Pharmastandort Basel».

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