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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes vom 25. Januar 2022 im Rückblick. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

«Jeder zehnte Schweizer bereits an Omikron erkrankt»

Die Fachexperten des Bundes informierten über die aktuelle Corona-Lage. Dabei warnten sie vor einer verfrühten Aufhebung der Schutzmassnahmen.

BAG plädiert für Beibehaltung der Massnahmen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilt Forderungen nach einer Abschaffung aller Corona-Schutzmassnahmen eine Absage. Es sei zu früh, um in Euphorie zu verfallen, sagte Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG, am Dienstag vor den Bundeshausmedien in Bern.

Der Höhepunkt der Omikron-Welle scheine noch nicht erreicht, so Mathys. Neueste Trendrechnungen sagten einen weiteren Anstieg bei den Neuansteckungen voraus. Der R-Wert liege weiter signifikant über 1. Seit Montag seien über 36’000 Meldungen zu Neuinfektionen mit dem Coronavirus dazugekommen.

Tatsächlich ist gemäss Mathys allerdings davon auszugehen, dass sich in der Schweiz pro Tag etwa 100’000 Menschen mit dem Coronavirus anstecken. Die hohe Positivtätsrate bei Tests weise auf eine hohe Dunkelziffer hin. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Jede zehnte Person in der Schweiz innerhalb einer Woche infiziert

In der Schweiz hat sich vergangene Woche gemäss der Covid-19-Taskforce des Bundes wohl jede zehnte Person mit dem Coronavirus angesteckt. Der deutliche Anstieg der Neuinfektionen habe sich aber verlangsamt.

Vergangene Woche seien 203’000 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, sagte Urs Karrer, Vizepräsident der Covid-19-Taskforce des Bundes. Unter Berücksichtigung der Dunkelziffer von Faktor 3 bis 4 hätten sich wohl 700’000 bis 950’000 Personen mit Omikron infiziert. Die Viruszirkulation sei aktuell so hoch wie noch nie im gesamten Pandemieverlauf, sagte der Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Winterthur.

Die Zahlen steigen noch immer, der starke Anstieg habe sich aber verlangsamt, sagte der Infektiologe. Der R-Wert sei von 1,6 per Ende Dezember auf aktuell 1,2 gesunken. Entweder, weil der Höchststand an Ansteckungen erreicht worden sei, respektive in den nächsten Tagen bis Wochen erreicht werde, «oder die Grenzen der Erfassung durch Tests ist überschritten». Alle Hintergründe zum Thema gibt es hier.

Karrrer: Spitalbelastung wohl im unteren Bereich der Schätzungen

Die schlimmsten Befürchtungen der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes werden gemäss deren Vizepräsident wohl nicht Realität. Man werde sich wohl im unteren Bereich der Schätzungen bewegen, sagte Urs Karrer.

Vor zwei Wochen hatte die Taskforce gewarnt, Mitte Februar könnten pro Woche 80 bis 300 zusätzliche Covid-Erkrankte Intensivpflege benötigen.

Zugleich warnte Karrer, im Hauptberuf Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Winterthur, davor, die gegenwärtige Entwicklung falsch zu interpretieren. Die Omikron-Variante des Coronavirus sei nicht einfach harmlos. Weitere Informationen gibt es hier.

Mathys: «Wir wissen nicht, was nach Omikron kommt»

Angesichts der Forderungen nach dem Aufheben von Massnahmen mahnt das Bundesamt für Gesundheit, dass das Coronavirus nicht einfach verschwinden werde. Es sei unklar, wie es weitergehe.

«Wir tun jetzt so, als ob Corona nach Omikron verschwunden wäre», sagte Patrick Mathys. Aber man wisse nicht, was danach komme, ob es andere Varianten gebe. «Wir wissen jetzt einfach, dass die Impfung auch gegen andere Varianten schützt.» Daher sei die Impfung auch längerfristig, «wenn wir mit Covid leben müssen», eine sinnvolle Investition. Alle Hintergründe gibt es hier.

Mathys: Geduld statt verfrühte Aufhebung der Corona-Massnahmen

Geduld sei gefragt, statt auf den womöglich letzten Metern der Pandemie die Massnahmen verfrüht aufzuheben, sagte Patrick Mathys. Falls jetzt ein sogenannter «Freedom Day» ausgerufen werde, käme es zu einer Zunahme der Fallzahlen, warnte Mathys. Die Massnahmen könne man zu einem Zeitpunkt aufheben, an dem man wisse, dass der Höhepunkt der momentanen Welle überschritten sei.

Auch wenn die Spitäler nicht überfordert seien, gebe es Gründe, das Infektionsgeschehen weiter zu kontrollieren. Aus epidemiologischer Sicht seien die Massnahmen deshalb noch eine gewisse Weile aufrechtzuerhalten. Alles zum Thema lesen Sie hier.

Wirtschaft kann sich trotz Omikron-Welle gut behaupten

Trotz der Omikron-Welle könne sich die Wirtschaft momentan gut behaupten, sagte Jan-Egbert Sturm, Vizepräsident National Covid-19 Science Task Force und Professor an der ETH Zürich

Sturm erläuterte, inwieweit die Wirtschaft durch Omikron-Ausfälle betroffen ist. Demnach sind laut einer KOF-Konjunktur-Umfrage fast in allen Branchen Unternehmen beeinträchtigt. 30 bis 45 Prozent der Unternehmen würden davon berichten, dass Mitarbeitende ausfielen. Doch seien vor allem Lieferengpässe ein Problem.

Jede fünfte Existenz im Gastgewerbe betroffen

Das Gastgewerbe sei insgesamt am meisten betroffen. Dort sei ein Anteil von rund 20 Prozent der Existenzen gefährdet.

In der Zeit vom 8. bis 21. Januar sei der Anteil der abwesenden Mitarbeiter bei den befragten Unternehmen gestiegen, sagte Sturm. Doch die Umsatzeinbussen hielten sich in Grenzen, sie würden laut im Durchschnitt ein Prozent betragen. Wenn mehr als 15 Prozent der Mitarbeitenden sich in Isolation oder Quarantäne befänden, sei der Umsatz vermehrt betroffen. Hier gäbe es aber Unterschiede in den Branchen.

Auf die Frage, ob die Quarantäne abgeschafft werden solle, sagte Sturm, dies hätte im Moment wenig Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie. Die Quarantäne senke den R-Wert nur um etwa 3 Prozent. Ohne die Massnahmen wäre die Situation aber deutlich schlimmer, man solle vorsichtig bleiben.

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