der 20-jährige Brasilianer wurde am Basler Strafgericht zu einer 22-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. (Bild: Keystone)
Basel

Übergriff auf 14-jähriges Mädchen: Junger Mann wegen Schändung verurteilt

Nacktfoto und sexuelle Handlungen an schlafender Kollegin: Das Strafgericht verurteilt einen Brasilianer zu einer 22-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Ein gemütlicher Abend mit Pizza, Bier und etwas Cannabis: Eine Gruppe von Freunden trifft sich in einer Wohnung im St. Johann, zwei Jungs und vier Mädchen. Darunter die erst 14-jährige Sandra* (Name geändert). Die ganze Clique übernachtet schliesslich in der Wohnung. Sandra schlummert neben dem 20-jährigen Gilberto* (Name geändert) ein. Sie kennen sich bereits. Eine Freundin hat die beiden wenige Monate zuvor an einer Hausparty in Birsfelden einander vorgestellt.

Darüber, was in jener Nacht geschah, unterscheiden sich die Schilderungen von Sandra und Gilberto erheblich. Letzterer musste sich am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht verantworten. Ihm wird Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern, harte Pornografie und Verletzung des Privatbereichs mit Aufnahmegeräten vorgeworfen.

Ein Nacktfoto wühlt alles auf

Sandra, als Auskunftsperson und Privatklägerin vorgeladen, erinnert sich an jene Nacht zurück. Sie sei aufgewacht, als sie spürte, dass Gilberto über ihr lag und in sie eindrang. Nach langem Zögern fügt sie an. «Ich hatte keine Kraft, um zu reagieren, ich stand unter Schock.»

Lange habe sie den Vorfall verdrängt. Erst ein Jahr später holte sie diese Begebenheit wieder ein: Eine Freundin zeigte ihr ein Foto. Darauf ist sie mit geschlossenen Augen und entblösster Brust zu sehen. Daneben liegt Gilberto, der an den Brustwarzen lutscht. Wie ein Screenshot zeigte, stammte das Bild aus einem Chat. Gilberto hat es offenbar an einen Freund geschickt, um damit zu prahlen. Sandra erstattete Strafanzeige.

Prozess erst nach sieben Jahren

Das Bild entstand anfangs 2015. Erst jetzt kommt es zu einem Prozess. Nach seiner Zeit als Sans-Papiers in der Schweiz kehrte Gilberto nämlich nach Brasilien zurück, wo er ein Tattoostudio betreibt und sich um seine kranke Mutter kümmert. Erst im Oktober 2021 kam er wieder in die Schweiz zurück. Gleich bei der Einreise erwischte ihn die Polizei: Er war zur Verhaftung ausgeschrieben.

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, er habe Sandras Alter nicht gekannt. Die besagte Freundin habe ihm erklärt, es habe sich bei der Hausparty in Birsfelden um den 18. Geburtstag von Sandra gehandelt. Angesprochen auf diese Begründung muss sie vor Gericht lachen.

Vorher einvernehmlicher Sex?

Gilberto bestreitet auch, dass er an der schlafenden 14-jährigen sexuelle Handlungen durchgeführt habe. Zudem wisse er nichts von einem herumgeschickten Nacktfoto von Sandra. Er verweist darauf, dass sein Facebook-Account gehackt worden sei. «Spannend», meint Sandra, als sie auf diese Erklärung angesprochen wurde.

Was allerdings klar ist: Die beiden hatten bereits vorher Geschlechtsverkehr und zwar am selben Abend, aber auch schon bei ihrer ersten Begegnung an der Hausparty. Gilberto sagt, dieser sei einvernehmlich gewesen. Sandra dagegen ist sich nicht sicher, ob das wirklich so war. Sie habe damals zum ersten Mal Cannabis konsumiert. «Das ist schwer zu beantworten, da ich mich nicht im normalen Zustand befand.»

Vertrauensverhältnis ausgenutzt

Für die Staatsanwältin ist die Sache aber klar: Die Aussage über den angeblichen 18. Geburtstag des Opfers sei bloss eine Schutzbehauptung. Sie forderte Freiheitsstrafe von 28 Monaten abzüglich der abgesessenen U-Haft sowie eine Landesverweisung von zwölf Jahren. Gilbertos Verteidiger dagegen plädierte auf Freispruch.

Der Angeklagte kommt schliesslich mit einem blauen Auge davon. Das Strafgericht verurteilt den jungen Mann zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten, allerdings auf Bewährung. Bei diesem Tatbestand sowie bei der Pornografie lässt das Gericht Milde walten:  «Das hat nichts mit Pädophilie zu tun, sondern mit Sex unter Jugendlichen», hielt der Gerichtspräsident fest. Dies wäre strafbar, doch sei dem Beschuldigten nicht nachweisbar, dass er das Schutzalter bewusst missachtet habe. Hier gelte in dubio pro reo.

Schluss mit «Verschwörung»

Der Tatbestand der Schändung ist allerdings für das Gericht erstellt. Gilberto treffe hier schweres Verschulden, da er die Situation des schlafenden Mädchens missbraucht habe. Er habe das Vertrauensverhältnis ausgenutzt. Mildernd wirkt hier aber die Tatsache aus, dass er kein wildfremder Mann war, sondern (wenn auch nur ein flüchtiges) Verhältnis mit Sandra hatte.

Auch das Foto beweise viel. «Facebook-Account gehackt, das ist doch alles Blödsinn, alles Verschwörung, Sie haben das Foto an einen Freund geschickt», so Kiener zum Angeklagten. Somit habe er die Intimsphäre des Mädchens aufs Gröbste verletzt. Einen Landesverweis ist allerdings nicht möglich, da sich die Tat vor der Gesetzesrevision ereignete. Dennoch muss Gilberto schleunigst die Schweiz verlassen. Sein Touristenvisum ist abgelaufen und somit Sache des Migrationsamts.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Mehr aus dem Channel