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Der Telebasel News Beitrag vom 23. Januar 2022.
Region

Römisches Amphitheater in Kaiseraugst entdeckt

In Kaiseraugst wurde bei Bauarbeiten ein bisher unbekanntes Amphitheater entdeckt. Archäologinnen datieren das Bauwerk in die Spätantike.

Ein bisher unbekanntes Amphitheater aus der Römerzeit ist in Kaiseraugst AG bei Bauarbeiten entdeckt worden. Das Monument in Form eines ovalen Mauerrings wird gemäss Kantonsbehörden im Boden erhalten bleiben.

Es handelt sich um das zweite Amphitheater im Aargau und um das dritte in der Römerstadt Augusta Raurica, wie die Kantonsarchäologie am Mittwoch mitteilte. Amphitheater gibt es auch in Windisch AG (Vindonissa), Avenches VD, Martigny VS, Nyon VD und auf der Engehalbinsel in Bern. In den Arenen waren in römischer Zeit Spiele wie Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen dargeboten worden.

Die im Dezember entdeckte Anlage in Kaiseraugst vor den Toren Basels ist rund 50 Meter lang und 40 Meter breit und liegt in der Senke eines noch in römischer Zeit aufgegebenen Steinbruchs unmittelbar westlich des Kastells Kaiseraugst, des Castrum Rauracense. Im Süden der Anlage konnte ein grosses Tor freigelegt werden, das beidseits von zwei Seiteneingängen flankiert war.

Wohl aus dem vierten Jahrhundert

Die Innenseite der Arenamauer war verputzt, wie die Kantonsarchälogie weiter berichtete. Die Tribünen bestanden aus einer Holzkonstruktion, von der sich noch der Abdruck eines Holzpfostens nachweisen liess. Das Amphitheater sei wahrscheinlich im 4. Jahrhundert nach Christus errichtet worden. Es sei das jüngste bekannte Amphitheater des Imperium Romanum.

Das Monument unterstreicht die Bedeutung des Castrum Rauracense im vierten nachchristlichen Jahrhundert. Das Kastell war eine wichtige Siedlung mit militärischer Funktion an der römischen Grenze, aber auch ein administratives Zentrum, wie die Kantonsarchäologie erläuterte.

Als archäologische Fundstelle «Römerstadt Augusta Raurica» bilden die kaiserzeitliche Stadt Augusta Raurica und das spätantike Kastell Castrum Rauracense eine Einheit. Heute erstreckt sich die Fundstelle sowohl auf Aargauer wie auch auf basellandschaftlichem Gebiet.

Bauarbeiten für Bootshaus

Entdeckt wurde das Amphitheater im vergangenen Dezember bei der archäologischen Begleitung von Bauarbeiten für das neue Bootshaus des Basler Ruderclubs in Kaiseraugst. Das Bauprojekt wurde nun so angepasst, dass das Amphitheater von Kaiseraugst im Boden erhalten bleibt.

Eine Aufschüttung schütze die archäologische Substanz, hält die Kantonsarchäologie fest. Darüber werde der Neubau errichtet. Das Monument bleibe so an seinem originalen Platz und sei optimal geschützt.

Im Boden am besten geschützt

Zugänglich für die Öffentlichkeit wird die Antike Arena darum in Zukunft nicht sein. «Römische Monumente sind relativ pflegeintensiv», erklärt Jakob Baerlocher, Leiter Ausgrabungen Kaiseraugst, im Interview mit Telebasel. Das Mauerwerk sei anfällig auf Witterungseinflüsse. «Und dann muss man sich ehrlicherweise die Frage stellen: Können wir garantieren, in 10, 20, 30, 50, 100 Jahren, dass der Unterhalt dieses Monumentes immer noch gewährleistet ist?»

Im Boden sei das Amphitheater am besten geschützt. «Es ist überdeckt und hat jetzt so die letzten 1’600, 1’700 Jahre wunderbar im Boden überstanden und insofern gibt es keine Veranlassung, es auszugraben und zugänglich zu machen», so Baerlocher.

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