Gesundheitsminister Alain Berset und GDK-Vizepräsidentin Rebecca Ruiz informierten am Freitag aus Bern. (Bild: Keystone)
Schweiz

Lage für Abbau der Corona-Massnahmen noch «zu konfus»

Laut Alain Berset stehen der Schweiz wegen der Omikron-Welle schwierige Wochen bevor. Jedoch geht er davon aus, dass die bestehenden Massnahmen reichen.

Für Erleichterungen bei den Corona-Massnahmen und die Abschaffung der Quarantäne und Isolation ist es laut den Behörden noch zu früh. Die Lage sei noch «zu konfus». Es werde noch ein paar schwierige Wochen geben. Laut Gesundheitsminister Alain Berset sollten die bestehenden Massnahmen aber reichen.

Die Gesundheitsdirektorinnen und -Direktoren seien sich bei ihrer Besprechung am Morgen mit Bundesrat Berset einig gewesen, dass die bestehenden Massnahmen zum jetzigen Zeitpunkt beibehalten werden sollten, sagte Rebecca Ruiz, Vizepräsidentin der Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -Direktoren (GDK) am Freitag.

Es sei wahrscheinlich, dass die fünfte Welle das Potential habe, das Gesundheitssystem ans Limit zu bringen, insbesondere wenn Personal fehle. Ruiz schloss deshalb auch Verschärfungen nicht aus. Wenn es die epidemiologische Lage erfordere, könnten die Kantone beispielsweise Grossveranstaltungen einschränken, um die Ausbreitung des Coronavirus zu limitieren.

Denn auch wenn Omikron eine weniger schlimme Erkrankung auslöse, müsse man dennoch davon ausgehen, dass trotzdem sehr viele Personen ins Spital müssten. Die Kantone seien daran, sich darauf vorzubereiten. Auf Intensivstationen würden wieder Zusatzbetten eingerichtet, wenn es genügend richtig ausgebildetes Personal gebe. Derzeit gibt es gemäss Ruiz rund 900 Betten auf den Intensivpflegestationen.

Berset: «Es wird gut kommen»

Berset wiederum betonte nach dem Treffen, seiner Einschätzung nach habe sich die Strategie des Bundesrates bisher bewährt. Trotz rekordhoher Fallzahlen habe bisher auf Schliessungen verzichtet werden können. Das sei auch weiterhin das Ziel. Es brauche aber klare Regeln.

Zwar sei Omikron viel ansteckender als die vorangegangenen Coronavirus-Varianten, jedoch weniger gefährlich. Trotzdem gilt es laut Berset, vorsichtig zu bleiben. «Nicht alles ist geregelt, nicht alles ist unter Kontrolle.» Es bleibe eine Zeit der Unsicherheit und Wachsamkeit.

Weil die Immunität der über zwanzigjährigen Bevölkerung mittlerweile rund neunzig Prozent beträgt, zeigte sich der Gesundheitsminister aber im Hinblick auf die kommenden Wochen optimistisch: «Es wird gut kommen.»

Testlabors am Limit

Allerdings seien die Labors wegen der rekordhohen Corona-Fallzahlen am Limit. Alleine in den vergangenen zwei Wochen sei eine Million Tests analysiert worden. Künftig soll das Testen von Risikopersonen, symptomatischen Menschen sowie dem Personal von Heimen, Spitälern und kritischen Infrastrukturen Vorrang haben, wie Berset skizzierte.

Derweil meldete das BAG am Freitag 32’150 neue Coronavirus-Ansteckungen innerhalb eines Tages. Gleichzeitig registrierte die Behörde 20 neue Todesfälle und 151 Spitaleinweisungen. Das sind fast 20 Prozent mehr Hospitalisationen als vor acht Tagen. Knapp 30 Prozent der verfügbaren Intensivbetten sind durch Covid-Patienten belegt. Knapp 68 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.

Wie am Freitag bekannt wurde, hat der Bund bisher rund 100 Gesuche um Schadenersatz und Genugtuung wegen mutmasslicher Covid-Impfschäden erhalten. Auf keines davon ist das zuständige Innendepartement EDI aus formellen Gründen indes eingetreten. Es beruft sich dabei auf die subsidiäre Haftung des Bundes.

Bund für Impfschäden nicht zuständig

Allfällige Forderungen wegen Schäden müssten also zuerst beim Impfstoffhersteller, der Ärztin oder bei der Krankenversicherung geltend gemacht werden. Das EDI bestätigte damit einen Bericht der Medien von CH Media.

In ihrer neusten, am Freitag veröffentlichten Statistik weist die Heilmittelbehörde Swissmedic rund 11’500 ausgewertete unerwünschte Nebenwirkungen der Corona-Impfung aus, dies bei bisher in der Schweiz insgesamt rund 14,5 Millionen verabreichten Impfdosen. Knapp zwei Drittel der Nebenwirkungen schätzte die Behörde als unbedenklich ein, gut 37 Prozent als schwerwiegend.

In 192 Fällen hatten Personen schwerwiegende Nebenwirkungen und starben später. Die Behörde sieht allerdings keinen direktursächlichen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und der Impfung.

Nachtkultur beklagt Umsatzeinbruch

Hohen wirtschaftlichen Schaden beklagte am Freitag erneut die Schweizer Nachtkulturbranche und unterlegte dies mit Zahlen aus einer aktuellen Umfrage unter rund 100 Mitgliedern. Demnach brach der Umsatz seit Mitte Dezember um 60 bis 70 Prozent ein.

46 Prozent der Event-Locations, 16 Prozent der Musik-Clubs und 7 Prozent der Musik-Bars hätten ihren Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen bereits einstellen müssen. In 70 Prozent der Betriebe sei ein Teil des Personals in Kurzarbeit.

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