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Der Telebasel News-Beitrag vom 14. Januar 2022.
Baselland

Kanton kommt Massnahmen-Gegnern bei Homeschooling entgegen

Baselland kommt den Massnahmen-GegnerInnen ein Stück entgegen: Sie haben neu bis Ende Januar Zeit, einen Antrag auf Homeschooling einzureichen.

Im Schulunterricht eine Maske zu tragen und an den Pooltests teilzunehmen, ist für manche Eltern Grund genug, ihr Kind aus dem Klassenzimmer ins Homeschooling zu versetzen. Bis jetzt wurden Gesuche für Homeschooling nur bis im Oktober des Vorjahres entgegengenommen. Neu, wegen Corona, verlängert die Baselbieter Bildungsdirektion die Frist ausnahmsweise bis Ende Januar.

«Gefährdung des Kindeswohls durch die Schule»

Es sind harte Vergleiche, die Caroline Jockel, Vorstandsmitglied im Verein «Eltern für Kinder», zieht. Ihrer Meinung nach seien die Massnahmen in der Primarschule eine Gefährdung des Kindswohls, und sie vergleicht das Maskentragen just mit Kindsmisshandlung: «Wenn man als Lehrperson in der Schule die Vermutung hat, dass im Elternhaus eine Gefährdung des Kindswohls stattfindet, also wenn ein Kind ständig blaue Flecken hat oder verschlossen ist, dann ist es die Aufgabe der Schule, das zu melden.» Deshalb sei es wichtig, so die Primarlehrerin, dass es auch umgekehrt möglich sei. «Also wenn ich als Mami eine Kindswohlgefährdung in der Schule wahrnehme, wenn ich merke, da findet eine Gefährdung der Gesundheit oder der Entwicklung meines Kindes statt.»

Deshalb demonstrierte Jockel jüngst in Liestal mit 200 Gleichgesinnten und suchte das Gespräch mit der Bildungsdirektion. Ihr Anliegen: Eltern sollen ihre Kinder schneller aus der Schule nehmen dürfen und auf Homeschooling umstellen.

«Man muss die Erfüllung von Bildungszielen nachweisen»

Ganz so einfach ist das mit dem Homeschooling jedoch nicht. Beim Kanton muss ein Antrag gestellt werden. Denn grundsätzlich muss der Kanton sicherstellen, dass alle Kinder und Jugendlichen das Recht auf Bildung wahrnehmen können. Das heisst, eine private Schule muss alle Anforderungen erfüllen, die auch für die öffentliche Schule gelten.

«Man muss die Erfüllung von Bildungszielen nachweisen, die mit dem Lehrplan verbunden sind. Ausserdem muss ein stufenadäquates Lehrdiplom vorgelegt und die Kontinuität des Bildungsprozesses im Auge behalten werden», erklärt Fabienne Romanens, Leiterin Kommunikation bei der Bildungsdirektion. Man müsse sich sehr seriös damit auseinandersetzen.

Homeschooling frühestens ab nächstem Schuljahr möglich

Man kann sein Kind also nicht einfach aus der Schule nehmen, weil man gegen die Maskenpflicht ist. Der Antrag müsse aus pädagogischen Beweggründen erfolgen, so Romanens. Ausserdem gelte auch bei einer Bewilligung des Homeschooling-Gesuchs: Das Kind kann frühestens im nächsten Schuljahr damit starten. Alles andere ist strafbar. «Wenn man sein Kind einfach aus der Schule rausnimmt, ist das eine Verletzung der Schulpflicht nach Schulgesetz. Dessen müssen sich die Erziehungsberechtigten bewusst sein. Es hat entsprechende Folgen.»

«Viele Eltern sind mit der Volksschule nicht zufrieden»

Caroline Jockel ist mit dieser Haltung nicht einverstanden. Sie ist auch ohne Corona nicht zufrieden mit der Volksschule und eine Verfechterin von Homeschooling. «Es ist sehr schön, dass der Kanton unserem Antrag nachkommt, dass die Frist für den Homeschooling-Antrag verlängert wird, aber für den momentanen Zeitpunkt ist es keine Lösung.» Viele Eltern seien mit der Volksschule grundsätzlich schon länger nicht zufrieden, so Jockel. «Sie sind durch die neuen Massnahmen bereit, sich zu stellen und sich grundsätzlich nicht mehr von den Behörden einschüchtern zu lassen.»

Kein Homeschooling-Trend spürbar

Laut Bildungsdirektion gibt es pro Jahr nur etwa sechs Gesuche für Homeschooling. Das habe sich auch in den letzten beiden Jahren durch Corona nicht verändert. Eine erhöhte Nachfrage lasse sich also nicht feststellen.

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