Blickt auf eine erfolgreiche Ski-Karriere zurück: Carlo Janka. (Bild: Keystone)
Schweiz

Ein ganz Grosser tritt ab

Noch zwei Abfahrten auf seiner Lieblingspiste am Lauberhorn, dann ist fertig: Carlo Janka gibt in Wengen mit 35 Jahren seinen Rücktritt bekannt.

Der Bündner ist mit dem Gesamtweltcupsieg 2010 sowie Olympia- und WM-Gold einer der erfolgreichsten Schweizer Alpinen.

Er spüre jeden Tag seinen Rücken, es gehe ohne Schmerzmittel schon lange nicht mehr, erzählte Carlo Janka am Dienstag in Wengen. Zehnter im ersten Abfahrtstraining war er da geworden. Überraschender Zehnter, so gilt es festzuhalten, denn der Obersaxer hat in diesem Winter bislang noch kein Rennen bestritten.

Den Saisoneinstieg hatte er zwar schon zwei Wochen zuvor in Bormio versucht, Janka bestritt auf der Stelvio beide Abfahrtstrainings. Doch letztlich musste er erkennen, dass die ruppige und so fordernde (Schatten-)Piste nicht der richtige Ort für das Comeback gewesen wäre.

Letzte Fahrten auf der Lieblingspiste

Da bot sich die Strecke am Lauberhorn, die deutlich mehr Sonneneinstrahlung geniesst und auf welcher er drei Siege und fünf weitere Podestplätze feiern durfte, schon viel eher an für Janka. Für den einst so polyvalenten Athleten, der im Laufe der Jahre zwangsläufig zum Speed- und zuletzt gar nur noch zum Abfahrts-Spezialisten mutiert ist.

Dies war einerseits eine Folge der bereits seit 2010 auftretenden Rückenbeschwerden. Andrerseits folgte im Herbst 2017 eine weitere Zäsur, als Janka im Riesenslalom-Training im Engadin einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitt. Diesen liess er konservativ behandeln. Doch gewisse Belastungen und Disziplinen waren fortan nicht mehr möglich.

Cool wie fast kein anderer

Janka solle, so erhofft es sich sein langjähriger Manager Giusep Fry, aber nicht für seine Leistungen der letzten Jahre, sondern vielmehr für die aussergewöhnlichen Erfolge in der Frühphase seiner Karriere in Erinnerung bleiben. Wie cool und mental gefestigt er auch in ganz schwierigen Situation blieb, damit verblüffte der Bündner vor gut einem Jahrzehnt nicht nur die Fans, sondern manchmal auch die eigenen Trainer.

«Absolut beeindruckend, wie ‹Jänks› sich zu steigern vermag und die Ruhe behält. Ich habe noch nie einen Athleten betreut, der über solche Fähigkeiten verfügt», sagte der damalige Cheftrainer Martin Rufener nach der Fahrt des Obersaxers zu Gold im olympischen Riesenslalom in Whistler 2010. Diese erfolgte nach zuvor drei verpatzten Auftritten in Kanada. Die letzte dieser Enttäuschungen – Platz 4 in der Super-Kombination – war dabei erst zwei Tage her.

Mit Nummer 65 zu erstem Podestplatz

Es ist sowieso ein exklusiver Zirkel, in welchen Carlo Janka mit unglaublicher Schnelligkeit und in einer sehr frühen Phase der Karriere vorstiess. Man schrieb den 29. November 2008, als er beim Speed-Saisonauftakt in Lake Louise mit der Startnummer 65 Abfahrts-Zweiter wurde. Nur zwei Wochen später gewann er mit dem Riesenslalom in Val d’Isère bereits sein erstes Weltcup-Rennen.

Danach war sein Aufstieg erst recht nicht mehr aufzuhalten. Im Januar siegte der Bündner erstmals in Wengen, als er die – von ihm wenig geliebte – Super-Kombination für sich entschied. Am 13. Februar schliesslich schnappte er sich in Val d’Isère auf der mythischen Face de Bellevarde, auf welcher er schon im Dezember triumphiert hatte, WM-Gold im Riesenslalom.

14 Podestplätze in zwei Saisons

Im folgenden Olympia-Winter gelang Janka mit 3. Plätzen in Sölden und Lake Louise ein starker Auftakt. Danach zeigte er in Beaver Creek den Konkurrenten innert drei Tagen gleich in drei verschiedenen Disziplinen den Meister. Das war zuvor einzig Jean-Claude Killy in der Weltcup-Premierensaison 1967 gelungen.

Auch die Lauberhorn-Abfahrt 2010 wurde eine Beute von Janka. Am Ende der Saison erhielt er gar die grosse Kristallkugel überreicht, als erster Schweizer Gesamtweltcupsieger seit Paul Accola 18 Jahre zuvor. Damit war Janka als erst 23-Jähriger bereits der einzige Schweizer neben Pirmin Zurbriggen im Triple-Klub (Olympiasieg, WM-Titel und Gesamtweltcup-Triumph).

Vor dem «Iceman», wie er wegen seiner Coolness und dem jeweils unterkühlt ausfallenden Siegesjubel genannt wurde, schien eine blühende Zukunft zu liegen. Jedoch sollten den ersten 14 Podestplätzen – errungen in gerademal zwei Saisons – «nur» nochmals deren 14 folgen.

Letztes Podest im März 2020

Darunter befanden sich aber noch zwei ganz spezielle Siege. Der eine gelang ihm im März 2011 beim Riesenslalom in Kranjska Gora, nur zehn Tage nach einem operativen Eingriff, der wegen Herzrhythmusstörungen nötig geworden war. Der andere – und zugleich elfte und letzte – Weltcup-Triumph folgte am 7. Februar 2016 im Super-G bei der Olympia-Hauptprobe in Jeongseon.

Nicht zuletzt deshalb erhoffte sich Janka viel von den Winterspielen 2018. Doch die Verletzungshexe schlug fünf Monate vor Olympia gnadenlos zu. Janka steckte trotzdem nicht auf, kämpfte sich noch zweimal zurück aufs Podest. Letztmals in die Top 3 reichte es dem Bündner am 7. März 2020 als Abfahrts-Dritter in Kvitfjell.

Nun, im Alter von 35 Jahren, hat Janka genug. Der bald zweifache Familienvater musste in den letzten Monaten endgültig einsehen, dass er ohne die Unterstützung seines fragilen Körpers nicht mehr auf Dauer mit den Weltbesten mithalten kann. «Konkurrenzfähig bin ich wohl einzig noch am Lauberhorn», hofft Janka auf einen allerletzten Exploit.

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