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Der Telebasel News-Beitrag vom 12. Januar 2021.
Basel

Jo Vergeat: «Möchte junge Menschen politisch mehr ansprechen»

Jo Vergeat wurde zur jüngsten Grossratspräsidentin aller Zeiten gewählt. Telebasel hat mit der 27-Jährigen über ihre Pläne und Ziele gesprochen.

Mit 77 von 97 Stimmen wurde Jo Vergeat vom Grün-Alternativen Bündnis am 12. Januar 2022 zur neuen Grossratspräsidentin gewählt. Sie wird Nachfolgerin des bisherigen Grossratspräsidenten David Jenny (FDP). Auf einem kleinen Stadtspaziergang wollte Telebasel von der 27-Jährigen wissen, welche Ziele sie hat und auf welche Themen sie den Fokus legt.

«Die Stadt muss bei den Leuten bleiben»

Die eingefleischte Baslerin, aufgewachsen im Imbergässlein, ist seit 2015 in der Politik tätig. Als ehemalige Geschäftsführerin von «Kulturstadt Jetzt» setzt sie sich bis heute stark für das Basler Kulturleben ein. «Es ist wichtig, dass die Stadt bei den Leuten bleibt und gerade auch die Innenstadt nicht ausstirbt», sagt Jo Vergeat.

Um das Basler Clubsterben zu verhindern, gründete die junge Politikerin 2015 mit Freunden den Verein «Bebbi wach uff!». Bald darauf reichte der Verein erfolgreich eine Petition zur Rettung des Basler Nachtlebens ein. Bis heute spielen Clubs und die damit verbundene Musik für die Grossrätin eine wichtige Rolle: «Die Musik begleitet mich schon lange. Ich finde es faszinierend, was Musik alles bewegen kann».

Fokus auf Klimaschutz – aber nicht nur

Während ihrer Amtszeit möchte Jo Vergeat vor allem die Klimapolitik vorantreiben. Die Studentin, die an der Universität Basel Geographie im Master studiert, gilt als Vorreiterin der Basler Klimabewegung. Als Präsidentin der Spezialkommission Klimaschutz des Grossen Rats hat sie mitgeholfen, ein umfangreiches Massnahmenpaket zu schnüren. Die Klimaerwärmung sei ein gesellschaftliches Problem und betreffe jeden. «Ich möchte dieses Jahr nutzen, um mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen und eine Lösung zu finden», sagt die Jungpolitikerin.

Wie Jo Vergeat sagt, liege der Fokus aber nicht nur beim Klimaschutz: «Es ist auch die Kultur. Wo kann man in den Ausgang? Und was bietet die Stadt?». Weiter sind es Themen wie Ausbildung und Schulen, die sie angehen möchte.

Junge Menschen stärker einbeziehen

Mit ihren 27 Jahren möchte Jo Vergeat auch stärker auf die Jungen eingehen. «Es war mir stets wichtig, in einer Sprache zu sprechen, die alle Generationen verstehen», sagt sie. Sie wolle den Jungen vor allem aufzeigen, dass jeder und jede Politik machen kann und es dafür kein bestimmtes Profil braucht. «Jeder kann Politik machen. Das Alter spielt dabei keine Rolle», so Vergeat weiter.

Die frisch gewählte Grossratspräsidentin möchte den Jungen mehr Gehör schenken: «Oft haben die Jungen das Gefühl, dass man ihnen nicht zuhört und ihre Anliegen nicht ernst nimmt. Dies werde ich während meiner Amtszeit angehen».

Direkte und emotionale Kommunikationsart

Ehrlich, direkt und emotional zu kommunizieren – das ist der jungen Grossrätin ein Anliegen. Ihre Social Media-Posts sind oft sehr persönlich. So schreibt sie beispielsweise über ihre Unsicherheiten als junge Politikerin. Diese Kommunikationsart möchte sie beibehalten. «Ich möchte den Leuten zeigen, dass man auch professionell sein kann, wenn man nicht perfekt ist», erklärt Jo Vergeat. Sie möchte damit Hemmschwellen abbauen: «Ich möchte den Leuten zeigen, dass Politik für jeden zugänglich ist und wir keine Übermenschen sind».

Trotz aller Freude gab es bei den Wahlen auch ein paar Proteststimmen – vor allem von der bürgerlichen Seite. Dass eine solch junge und in der Öffentlichkeit direkt auftretende grüne Frau ab dem Februar das Basler Parlament leitet, passt nicht allen. Jo Vergeat wird ihr neues Amt am 1. Februar 2022 trotzdem antreten.

Gewählt wurde am Mittwoch auch der neue Statthalter. Das Amt wird mit Bülent Pekerman (GLP) zum ersten Mal von einem Grossrat mit kurdischen Wurzeln besetzt.

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