Für Prinz Andrew sieht es nicht gut aus. (Bild: Keystone)
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Fall Maxwell erhöht Druck auf Prinz Andrew in Missbrauchsskandal

Wie das neue Jahr für Prinz Andrew laufen kann, entscheidet sich gleich zu Beginn. Der Königliche muss sich vor Gericht verantworten.

Am 4. Januar 2022 wollen die Anwälte von Prinz Andrew in New York vortragen, warum das Gericht die Schadenersatzklage der US-Amerikanerin Virginia Giuffre gegen den zweitältesten Sohn der Queen fallen lassen soll. Es geht um erzwungenen Sex und den Missbrauchsskandal um den US-Unternehmer Jeffrey Epstein.

Auch wenn Prinz Andrew die Vorwürfe strikt zurückweist, hat der Fall seiner Reputation bereits enorm geschadet. Royals-Experten in London sehen den 61-Jährigen als Verlierer, selbst wenn er vor Gericht gewinnen sollte.

Es geht vor allem um öffentliche Wahrnehmung

«Prinz Andrew sollte in seinen königlichen Stiefeln zittern», sagte die Anwältin Lisa Bloom, die mehrere Epstein-Opfer vertritt, der Zeitung «Daily Mail». «Unglücklicherweise für Andrew geht es nicht mehr so sehr um Beweise und Belege oder was, wenn überhaupt, mit Virginia Giuffre passiert ist», zitierte das Blatt einen namentlich nicht genannten Beobachter des Königshauses. «Es geht nur um die öffentliche Wahrnehmung.»

Und da sieht es für Prinz Andrew nicht gut aus: Denn seine einstige Freundschaft mit dem mittlerweile gestorbenen Epstein sowie mit dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell, die am Mittwoch, 29. Dezember 2021, wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken schuldig gesprochen wurde, ist bekannt. Prinz Andrews Position habe sich wegen des Falls Maxwell weiter verschlechtert, seine Chancen seien schlecht, kommentierte die Zeitung «The Times».

«Jeder, der mit Jeffrey Epstein verbunden war, der beim sexuellen Missbrauch mitmachte oder ihm geholfen hat, indem er ihm Mädchen schickte (…), sollte sehr besorgt sein wegen dieses Urteils», sagte Anwältin Lisa Bloom. Zwar würde Prinz Andrew sicher nicht persönlich erscheinen, doch ein Prozess gegen ihn könnte im Herbst 2022 in New York beginnen, falls Richter Lewis Kaplan das Verfahren nicht doch noch stoppt.

Genau das ist das Ziel von Prinz Andrews Anwälten. Mit zwei Anträgen zweifeln sie die Zuständigkeit des Gerichts an. Klägerin Virginia Giuffre sei gar nicht wie angegeben im US-Staat Colorado wohnhaft, betonen sie, sondern lebe in Australien. Zudem hätten die angeblichen Taten nicht in New York stattgefunden, argumentieren sie. Schliesslich beruhten Virginia Giuffres Anschuldigungen allein auf ihrer unbestätigten und nicht überprüfbaren Behauptung. Aus Sicht der Anwälte steht Wort gegen Wort, es gibt keine Zeugen. Ghislaine Maxwell schwieg im Prozess und konnte deshalb auch nicht zu Prinz Andrew befragt werden.

Zweifel an Glaubwürdigkeit der Klägerin

Für Verwunderung sorgte zudem, dass der Fall um Prinz Andrew so gut wie keine Rolle im Maxwell-Verfahren spielte. Virgina Giuffre wurde von der Anklage nicht als Zeugin geladen, was die Staatsanwaltschaft nicht begründete.

Maxwells Anwältin Laura Meninger behauptet, Ursache seien Zweifel an Giuffres Glaubwürdigkeit. «Also soll bewiesen werden, dass sie ein Opfer war, aber ohne dass sie in den Zeugenstand kommt und aussagt», sagt Meninger. Ähnlich äusserte sich der Anwalt Thomas Giuffra in der «Times». Klägerin Virginia Giuffre habe ihre Geschichte mehrfach geändert, sagte er. «Ich glaube nicht, dass der Fall Maxwell für Prinz Andrew irgendwelche Folgen haben wird.»

Doch der Fall ist emotional aufgeladen. Mit ihrem Schuldspruch gegen die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell, die die Entscheidung anfechten will, hat erneut eine US-Jury einen Schuldspruch vor allem auf Basis von Aussagen weiblicher Opfer und nicht aufgrund eindeutiger sachlicher Beweise gefällt – wie bereits im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein im vergangenen Jahr.

Das sind keine guten Nachrichten für Prinz Andrew, der sich seit Bekanntwerden der Vorwürfe in schlechtem Licht zeigt. In einem Interview mit der BBC Mitte November 2019, das als Befreiungsschlag gedacht war, redete sich der Queen-Sohn um Kopf und Kragen. Seitdem lässt er seine royalen Pflichten ruhen. Thronfolger und Bruder Prinz Charles hält ihn für eine Belastung, wie britische Medien berichten. Als Giuffres Anwälte im Herbst 2021 die Klage zustellen wollten, versteckte sich Andrew, damit er die Gerichtsunterlagen nicht annehmen musste, länger in der schottischen Residenz seiner Mutter, Schloss Balmoral. Nun sollen ihn technische Feinheiten retten.

Doch den Kampf um die öffentliche Wahrnehmung dürfte Andrew verloren haben. Dafür sorgt – neben seinem tölpelhaften Auftreten – allein schon ein berühmtes Foto. Darauf: Andrew, den Arm um die Hüfte der jungen Virginia Giuffre, damals Virginia Roberts, gelegt. Daneben, ebenfalls in die Kamera lächelnd, Ghislaine Maxwell.

Das Verfahren droht, das Jubiläumsjahr von Queen Elizabeth II. zum 70. Jahrestag ihrer Thronbesteigung zu überschatten. Die Königin ist offenbar die einzige, die zu Andrew hält. Der mittlere Sohn gilt seit jeher als Liebling der Queen.

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