Die Kantone hätten in ihren Rückmeldungen grossmehrheitlich die Notwendigkeit von weitergehenden Massnahmen bestätigt und sich für die 2G-Regel ausgesprochen. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Mehrheit der Kantone plädiert für 2G-Regel und Home-Office-Pflicht

Für den Fall einer weiteren Verschärfung der Corona-Massnahmen haben sich die Kantone in einer Konsultation klar für die Einführung der 2G-Regel ausgesprochen.

Die Pandemie-Situation in der Schweiz ist am Mittwoch weiter angespannt geblieben. 11’167 neue Coronavirus-Ansteckungen innerhalb eines Tages wurden gemeldet, ebenso 41 neue Todesfälle und 220 Spitaleintritte. Die Kantone hielten in einer Konsultation schärfere Schutzmassnahmen für nötig.

Nur noch Geimpfte und Genesene sollen künftig Zutritt zu Restaurants und Freizeitbetrieben haben: Für den Fall weiterer Verschärfungen der Corona-Schutzmassnahmen stellten sich Kantone klar hinter die Idee des Bundesrats für eine schweizweite Einführung der sogenannten 2G-Regel.

Die Kantone hätten in ihren Rückmeldungen grossmehrheitlich die Notwendigkeit von weitergehenden Massnahmen bestätigt und sich für die 2G-Regel ausgesprochen, sagte der Sprecher der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Tobias Bär, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am Mittwoch. Die Frist für die Stellungnahmen der Kantone an den Bundesrat war am Dienstagabend abgelaufen. Fast durchwegs durchgefallen war die Idee für Teilschliessungen etwa von Restaurants, Fitnesscentern, Discos und Bars.

Die Mehrheit der Kantone befürwortete laut dem GDK-Sprecher auch eine Home-Office-Pflicht. Nach Ansicht der Kantone sollten überdies Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II sowie in tieferen Schulstufen künftig eine Maske tragen müssen. Der Wechsel zum Fernunterricht an den Universitäten und Hochschulen dagegen lehnte eine Mehrheit ab.

Besuchereinbrüche in Clubs

Eine «rasche und umfassende» 2G-Regel sei «dringend notwendig», damit eine Überlastung der Spitäler und Schliessung von Betrieben verhindert werden könne, erklärte beispielsweise die Solothurner Regierung. Die Schweizer Bar und Club Kommission dagegen warnte vor schwerwiegenden Konsequenzen der 2G-Regel und forderte für den Fall wirtschaftliche Hilfe für die Betriebe.

Die Erfahrung vom ersten Wochenende mit 2G in Clubs und teilweise in Bars falle ernüchternd aus, teilte die Kommission mit. Über 80 Prozent der Lokale, die an einer Umfrage teilgenommen hätten – insgesamt 114 Betriebe – hätten angegeben, am vergangenen Wochenende einen Besucherrückgang von bis zu 75 Prozent verzeichnet zu haben. Nur bei 5 Prozent in der Westschweiz und bei 13 Prozent in der Deutschschweiz blieben die Besucherzahlen unverändert.

Zu den übrigen Plänen des Bundesrats herrschten teils sehr unterschiedliche Meinungen in den Kantonen oder keine klaren Mehrheitsverhältnisse.

Bundesrat will am Freitag entscheiden

Wenn nötig will der Bundesrat in einem nächsten Schritt Ungeimpfte von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausschliessen. Nur wer genesen oder geimpft ist, soll noch Bars, Kinos, Restaurants oder Fitnesscenter besuchen dürfen. Für den schlechteren Fall plant die Landesregierung alternativ, diese Einrichtungen vorübergehend ganz zu schliessen. Auf jeden Fall wollte der Bundesrat die Home-Office-Empfehlung in eine Pflicht umwandeln und private Treffen teils beschränken.

Ob und wann es zu Verschärfungen kommt, war vorerst unklar. Der Bundesrat kündigte an, diese an seiner ordentlichen Sitzung am Freitag diskutieren zu wollen.

Kantone ergreifen selber Massnahmen

Einzelne Kantone kündigten derweil am Mittwoch selber Verschärfungen an. Die Baselbieter Volksschulen beispielsweise wollen nach den Weihnachtsferien den Unterricht nur gestaffelt und begleitet von obligatorischen Tests wiederaufnehmen. Auch soll die Maskentragpflicht bis auf die erste Primarstufe ausgeweitet werden.

Im Kanton Bern müssen ab Donnerstag alle Mitarbeitenden in Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie der Spitex ein gültiges Zertifikat vorlegen. Wer dies nicht hat, muss sich regelmässig testen lassen.

Das eidgenössische Parlament machte zudem Corona-Tests wieder attraktiver. Es entschied am Mittwoch im Grundsatz, dass der Bund die Kosten dafür weitgehend wieder übernehmen muss.

Mehr Tote und Spitaleintritte

Zuletzt grassierte die Pandemie in der Schweiz weiter. Im Wochenschnitt sank zwar die Zahl gemeldeter Neuansteckungen leicht, die Zahlen der Todesfälle und von Covid-Patienten in den Spitälern stiegen aber im Vergleich zur Vorwoche markant an.

Der Bundesrat will im Notfall eine Überlastung der Spitäler verhindern. Sorgen bereiteten zum einen die fünfte Viruswelle mit Infektionen der Delta-Variante und eine schleppende Impfkampagne. Zum anderen breitete sich die neue als besorgniserregend eingestufte Omikron-Variante in vielen Ländern rasch aus. Die bisherigen Impfungen bieten bei dieser Variante offenbar nur reduziert Schutz.

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