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Der Telebasel News Beitrag vom 11. Dezember 2021.
Basel

Hanspeter Bobst gab den Verdingkindern ein Gesicht

Hanspeter Bobst erlebte gerade noch die Entschuldigung der Basler Regierung bei den Opfern von Zwangsmassnahmen. Jetzt ist das Verdingkind dem Krebs erlegen.

Wie seine Lebenspartnerin gegenüber Telebasel bekannt gab, ist Hanspeter Bobst am 24. November 2021 einem Krebsleiden erlegen. Er starb nur gut einen Monat, nachdem sich die Basler Regierung offiziell bei Verdingkindern, administrativ Versorgten, den Eltern weggenommenen Kindern und anderen Opfern von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen entschuldigt hatte.

Bis 1981 wurden in der Schweiz solche Massnahmen umgesetzt. Es freute Hanspeter Bobst besonders, dass gleichzeitig eine Gedenktafel im Innenhof des Basler Rathauses eingeweiht wurde. Er selbst durfte an der Zeremonie eine kurze Rede halten.

Telebasel traf heute Samstag seine Lebenspartnerin Angela Landolt und seinen langjährigen Freund Eduard Rutschmann vor dem ehemaligen Standort des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt. In jenem Gebäude an der St. Alban-Vorstadt wurde jahrelang entschieden, in welchem Heim der junge Hanspeter Bobst als nächstes untergebracht werden soll. Wie Landolt sagt, habe ihn dieses Haus immer geschmerzt. Aber er habe ihr zeigen wollen, welches Haus schuld war an seinem Leben.

Leid startete mit fünf Jahren

Seine Odyssee startete als er fünf Jahr alt war. Seine Eltern gaben ihn als Verdingkind weg. Am Badischen Bahnhof setzten sie ihn mit einem Schild um den Hals aus. Darauf stand: «Mich kann man mitnehmen.» Ihm wurde versprochen, jemand würde ihn für in die Ferien abholen. Stattdessen folgte ein jahrelanges Hin und Her. Bobst kam von einem Heim ins andere. Dabei wurde er sexuell missbraucht und musste ohne Entlohnung arbeiten. Oft konnte er zwar flüchten, seine Mutter verstiess ihn aber jeweils wieder.

Was er damals erlebt hat, das hat ihn ein Leben lang geprägt, das hat er nie wieder vergessen. Er habe sehr gelitten, meint sein Freund Eduard Rutschmann. Zwar habe Hanspeter Bobst auch viele schöne Momente gehabt, zum Beispiel mit seiner Frau oder den Enkelkindern. «Aber trotzdem kam es immer wieder hoch.»

Biografie als Erinnerung

Die Entschuldigung der Regierung war etwas, dass sich Bobst Langezeit gewünscht hatte. Einen anderen Wunsch schrieb er am Weihnachtstag 2015 ins grosse Basler Wunschbuch im Rathaus. Ein Team von Telebasel war damals zufälligerweise gerade vor Ort. Er wünsche sich, seine Biografie zu veröffentlichen. Und auch dieser Wunsch ging in Erfüllung. Im Sommer 2016 wurde das Buch veröffentlicht. Unter dem Titel: «Mich kann man mitnehmen.» Dem gleichen Text, welche seine Mutter ihm als Fünfjährigen um den Hals gehängt hatte.

Dank dem Buch bleiben er und auch die anderen Opfer der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen weiter in Erinnerung. Darüber freut sich Angela Landolt, welche die zentrale Botschaft des Buches so zusammenfasst: «Er will sagen, man muss den Kindern zuhören» und «man sollte auch für sie schauen.»

Und Eduard Rutschmann sieht darin auch einen Hinweis an diese Behörden, welche heute mit dem Kindswohl zu tun haben: «Dass die auch wissen, dass es einem Menschen das ganze Leben kaputt machen kann, wenn man es nicht richtig mit ihnen verarbeitet, nicht richtig in die Wege leitet.»

5 Kommentare

  1. Hampe ein wunderbarer Mensch, ist viel zu früh von uns gegangen. Ich durfte ihn mit seiner Frau Angela als Mitglieder des Basler Elvis Show Fanclub im Jahr 2000 kennen und schätzen lernen. Seine traumatische Kindheits Geschichte hat ihn sein Leben lang geprägt. Mich hat er für sein Courage , sein Durchsetzungswille und sein Gerechtigkeitssinn sehr imponiert. Mein herzliches Beileid geht an seine starke und liebe Frau Angela und an seine Kinder. Möge er Ruhe und Frieden finden.Report

  2. Lieber Hanspeter, liebe Angela, ich lernte euch in Bern an einem Treffen des Betroffenenforums des Bundes kennen. Weitere Treffen waren, ein Interview mit einem TV-Sender zum Sammeltag de Kirchen für die Betroffenen, eine Informationsveranstaltung zum Thema in St. Gallen. Daneben waren wir via Mails und FB verbunden. Ich teile zudem Hanspeters Krankheit, ich lebe seit Nov. 2020 mit Krebs. Liebe Grüsse, HeidiReport

  3. RIP Hanspeter … als langjähriger Mit-Mieter und Mitbewohner im Klingental und später rund um die Claramatte wünsche ich dir eine gute letzte Reise. Möchte auch deiner Angela alles gute in dieser nicht einfachen Zeit wünschen, Euer N. de BâleReport

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