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Telebasel Report vom 8. Dezember 2021.
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Männerverhütung: «Klar würde ich eine Pille schlucken»

Junge Frauen haben die Schnauze voll von der Antibabypille. Aber auch Männer fordern Alternativen zum Kondom.

Enea ist 23 Jahre alt. Seine Freundin musste die Pille aus gesundheitlichen Gründen absetzen. Was bleibt, sei das Kondom, «richtig zufrieden sind wir damit aber nicht», sagt Enea. Für ihn war klar: Wenn seine Freundin die Pille nicht mehr nehmen möchte, dann soll sie das auch nicht mehr tun. Nur: Die Alternativen überzeugen nicht.

Wünschen sich Alternativen: Jordy (links) und Enea (rechts) wären bereit, eine Verhütungspille zu schlucken. (Bild: Telebasel)

Auch Männer wollen Alternativen

Ähnlich geht es Florian (22): «Der Schutz ist da, aber das Feeling ist halt einfach lame», sagt er über das Kondom. Er wäre sofort bereit, eine Verhütungspille zu schlucken, wenn es eine solche für den Mann denn gäbe. Auch mit Nebenwirkungen, wie sie die Frauen oftmals beklagen? Lustlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Kopfweh? «Nein, das wäre zu viel.»

Florian findet, niemand sollte mit solchen Nebenwirkungen leben müssen. Weder Frau noch Mann. Hier bleiben oftmals nur noch hormonfreie, physische Eingriffe zur Verhütung. Geforscht wird an Samenleiterventilen oder Polymer-Spritzen für den Samenleiter: «Boah…klingt irgendwie schon extrem, nicht?»

Mögliche Alternative? Es fehlt an Investoren, die bereit wären, das Samenleiterventil zu finanzieren. (Bild: Bimek SLV)

«Ein Versuch wär’s mir Wert»

Der Gedanke, dass ein einmaliger Eingriff die Verhütungssorgen für den Rest des Lebens lösen könnte, klingt jedoch verlockend. Das muss auch Florian zugeben. «Aber nur, wenn man’s auch wirklich wieder rückgängig machen könnte.» Genau daran scheitert die Forschung aktuell aber noch.

Janis jedenfalls findet, es gäbe viele andere Dinge, vor denen man(n) mehr Angst haben müsse als vor einem Eingriff am Hoden oder Penis: «Wenn so ein Eingriff verhindern würde, dass ich und meine Partnerin ständig mit Nebenwirkungen der Verhütung zu kämpfen hätten, wäre ich sofort dabei.»

Glaubt an einen Wandel: Heutige Generationen seien mehr auf ein Miteinander zwischen Mann und Frau ausgerichtet, findet Janis (21). (Bild: Telebasel)

Wille da, aber die Lösungen nicht

In Sachen Verhütung bei Männern scheint also eine Veränderung in der Gesellschaft stattzufinden. Das beobachtet auch Janis: «Ich glaube, in unserer Generation gibt es weniger dieses «Männer-gegen-Frauen»-Ding. Wir sind uns bewusst, dass wir solche Dinge gemeinsam lösen müssen».

Der Wille zur Veränderung wäre da. Dies besagt auch die Statistik: Weit mehr als die Hälfte aller Männer sei mittlerweile bereit, selber medikamentös zu verhüten. Das Problem: Die Lösungen fehlen.

Noch immer ist es den Forschern nicht gelungen, ein wirksames, reversibles Verhütungsmittel ohne Nebenwirkungen für Männer zu entwickeln. Und dort, wo verheissungsvolle Ansätze bestünden, fehlt es an Geld für die Umsetzung. Nicht selten sind es dieselben Pharmafirmen, die mit der Antibabypille für die Frau Milliarden verdienen, die sich von solchen Investitionen fernhalten.

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