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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes vom 7. Dezember 2021. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

«Abstriche in der Behandlungsqualität sind nicht mehr weit weg»

Die Fachexperten des Bundes informierten am Dienstag, 7. Dezember 2021, über die aktuelle Corona-Lage. Diese sei sehr angespannt - vor allem in den Spitälern.

Die Zahl der Covid-Fälle in der Schweiz hat den Peak der zweiten Welle von vor einem Jahr erreicht. Die Zahl der Spitaleinweisungen liegt hingegen bei einem Drittel der zweiten Welle.

Das sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag in Bern vor den Medien. Bei den Todesfällen – auch sie nähmen zu – liege man bei etwa einem Fünftel des Höhepunktes der zweiten Welle.

Die Zahl der Impfungen nehme seit der nationalen Impfwoche im November wieder ab. «Das ist schade», sagte Masserey. In den letzten Tagen seien täglich 52’000 Impfungen verabreicht worden, was aber vor allem auf Booster-Impfungen zurückzuführen sei. Von den ab 65 Jährigen hätten um die 40 Prozent die Auffrischimpfung erhalten.

Von Omikron gebe es in der Schweiz «ziemlich wenige» Fälle, sagte Masserey. Man rechne aber mit einer Zunahme. Man wisse, dass Omikron sehr ansteckend sei. Masserey empfahl daher die Impfung, und gerade Älteren und Vulnerablen werde die Auffrischimpfung sehr empfohlen.

Zusätzlich zur Impfung seien die anderen Massnahmen wichtig, etwas das Einschränken von Kontakten sowie Masken und Abstand. Mit einer neuen Kampagne sollen diese Regeln in Erinnerung gerufen werden. Es sei eine Fortsetzung der Piktogramm-Kampagne – in Orange.

Triage laut Präsident der Kantonsärzte nicht mehr fern

Das Spitalsystem in der Schweiz und die kantonalen Verwaltungen geraten nach Einschätzung des Präsidenten der Vereinigung der Kantonsärzte wegen der Entwicklung der Corona-Ansteckungszahlen zunehmend an ihre Grenzen.

«Der Motor glüht mittlerweile», sagte der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri am Dienstag vor den Medien in Bern. Und eine nachhaltige Abkühlung sei nicht in Sicht. Die Lage in den Spitälern spitze sich zu. Abstriche bei der Behandlungsqualität seien «nicht mehr allzu fern», Gleiches gelte für die Triage.

Hauri betonte, der Anstieg der Fallzahlen sei nach wie vor sehr dynamisch. Bei repetitiven Tests in Zürcher Schulen etwa sei der Anteil der entdeckten Ansteckungen zwanzig bis dreissig mal höher als je zuvor.

Diese Entwicklung kommt nach Einschätzung Hauris nicht unerwartet. Man habe bei Einleitung der Normalisierung, nachdem alle Impfwiligen ein Impfangebot erhalten hätten, um diese Gefahr gewusst.

Hauri betonte, dass Schuldzuweisungen nicht weiter helfen würden. Alle seien gefordert. Und alle seien betroffen, denn jeder und jede könne in die Situation geraten, auf Spitalpflege angewiesen zu sein.

Taskforce-Vizepräsident warnt vor Folgen für alle Patienten

Wird die epidemiologische Entwicklung nicht schnell gebremst, werde das Auswirkungen auf alle Patientinnen und Patienten haben. Das stellte Urs Karrer, Vizepräsident der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes, fest.

Im Spital behandelt werden müssten derzeit zwei Patientenpruppen, sagte der Chefarzt für Infektiologie am Kantonsspital Winterthur. Ungeimpfte zwischen 40 und 70 Jahren, die trotz Risikofaktoren nicht geimpft seien. Zur zweiten, grösseren Gruppe gehörten Menschen zwischen 70 und 90 Jahren, die an vielen Begleitkrankheiten litten und die dritte Impfdosis noch nicht bekommen hätten.

«Es liegt auf der Hand, dass wir das mit Impfen und Boostern verhindern können, am besten noch vor Weihnachten», sagte Karrer. Zurzeit befänden sich 263 Menschen in den Intensivpflegestationen. Ohne Trendumkehr bei den Fallzahlen in Kürze, könnte die Schwelle von 400 Intensivpatienten noch im Dezember überschritten werden

Dann finde implizite Triage statt, sagte Karrer. Gewohnte Behandlungsstandards könnten dann nicht mehr gehalten werden. Daten aus dem vergangenen Jahr zeigten, dass in diesem Fall bei Covid-Patienten mit einer erhöhten Sterblichkeit zu rechnen sei.

«Die Entwicklung kann noch positiv beeinflusst werden», stellte Karrer klar. In Deutschland und Österreich, mit einem ähnlichen Immunisierungsgrad wie in der Schweiz, seien die Ansteckungen dank starker Massnahmen zur Kontaktreduktion zurückgegangen.

«Welche Massnahmen angemessen sind, ist eine Frage für Behörden und Politik.» In einer derartigen Lage sei das Tempo der Umsetzung massgebend, mahnte Karrer und forderte «einen Tritt aufs Bremspedal».

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