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Der Telebasel Newsbeitrag vom 3. Dezember 2021.
Basel

Torsten Schwede zu Horizon Europe: «Eine Nichtassoziation ist einfach keine Option»

Für den zweitobersten Forscher der Uni Basel ist klar: Die Schweiz muss wieder am Forschungsprogramm Horizon Europe teilnehmen. Sonst werde man abgehängt.

Die Verhandlungen rund um das Forschungsprogramm Horizon Europe sind bis auf Weiteres blockiert. Dies ist klar, seit sich der Nationalrat am Mittwoch dagegen ausgesprochen hat, der EU eine zusätzliche Milliarde für die Weiterentwicklung von Osteuropa anzubieten. Dies im Gegenzug dafür, dass die EU die Schweiz wieder ins Forschungsprogramm aufnimmt.

Torsten Schwede ist Vizerektor Forschung der Universität Basel. Im Interview erklärt er, was das Nein aus Bern für das eben erst frisch eröffnete Biozentrum bedeutet.

Telebasel: Die Uni kann also bis auf Weiteres nicht bei diesem Forschungsprogramm mitmachen. Was bedeutet dies auch für dieses neue Biozentrum hier?
Torsten Schwede: Es wird schwieriger, die international umworbenen Top-Talente nach Basel zu holen. Das ist für das Biozentrum im Moment der merkbarste Einbruch.

Was kann denn die Uni überhaupt noch machen, um die besten Forschenden und Studierenden hier nach Basel zu locken?
Also wir hoffen natürlich, dass diese Zeit ohne Horizon Europe möglichst kurz ist. Und in der Zwischenzeit müssen wir eben unsere anderen Vorteile in den Vordergrund stellen. Basel ist ein sehr gutes Forschungsumfeld, von der Lage her, von den anderen Institutionen her, von der Uni her. Und wir müssen ganz «unbaslerisch» unsere eigenen Vorteile ein wenig in den Vordergrund stellen. Und einfach die Leute stärker umwerben. Damit wir weiterhin konkurrenzfähig bleiben.

«Wir müssen die Leute stärker umwerben.»

Das klingt zuversichtlich. Meinen Sie denn, der Schaden ist nicht so dramatisch?
Der Schaden wird langfristig eintreten. Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Wochen was sehen werden, aber die Lücke bis zur Vollassoziation müssen wir einfach möglichst kurz halten, damit wir das irgendwie überbrücken können.

Können Sie diese Einschränkung denn überhaupt noch irgendwie umgehen? Zum Beispiel, indem man in Lörrach oder sonstwo im Ausland eine neue Filiale eröffnet?
Das ist natürlich ein sehr kreativer Vorschlag. Die Industrie macht das ja sehr gerne, dass sie Teile ihrer Produktion zum Beispiel ins Ausland verlagert. Als kantonale Universität sehen wir das eigentlich nicht als unsere Aufgabe, unsere Spitzenforschung ins Ausland zu verlagern. Abgesehen davon wäre das ein Prozess, der Jahre dauern würde. Da macht es eigentlich keinen Sinn.

«Der Schaden wird langfristig eintreten.»

Wird die Forschung denn nun abgehängt? Was bedeutet dies für den ganzen Forschungsstandort Basel?
Es gibt Themenbereiche, in denen sind wir ganz ausgeschlossen und da besteht wirklich die Gefahr, dass wir abgehängt werden. Da geht es zum Beispiel um Quantencomputing und Quantenphysik.

Und hoffen Sie, dass trotzdem noch bald eine Lösung gefunden wird? Immerhin sind ja auch noch diese Standesinitiativen von Basel-Stadt und Baselland in Bern hängig.
Wir spüren einfach hier in der Region sehr starke Unterstützung, seitens der Regierungen, der Parlamente, der Industrie, der Handelskammer. Und da sind wir uns alle einig: Wir müssen so bald wie möglich eine Vollassoziation erreichen. Ich habe einfach den Eindruck, in Bern ist das Thema nicht so weit oben auf der Agenda wie in der Region Basel. Wir müssen einfach weiterhin daran arbeiten. Ich denke, für unsere Region hier ist eine Nichtassoziation einfach keine Option. Wir müssen langfristig wieder Teil des europäischen Forschungsnetzwerks sein.

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